Kreuzberg: Yuppies planen Demo gegen Junkies

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Berlin Kottbusser Tor Kotti Ubahn

Ein leichter mittelschwer Schock: Ich hatte schon lange das Gefühl, dass sich die Schwaben nun auch in Kreuzberg breit machen. Offener Drogenkonsum hin oder her, aber legale Angebote für Junkies, wie Wärme- oder Fixerstuben, zu boykottieren geht definitiv zu weit.

Gentrifizierung oder Vertreibung von Altbewohnern zugunsten von reichen Eigentumswohnungswohnungsbesitzern aus kleinen südwestdeutschen Provinznestern sind weder in Kreuzberg noch in vergleichbaren Kiezen neu oder ungewöhnlich. Jetzt gehen konservative Zugezogene einen Schritt weiter: in den verganenen Monaten entstanden in Kreuzberg 36 regelrechte Bürgerwehrstrukturen gegen all das, was das alte Kreuzberg ausnmacht und den wohlhabenden Neuberlinern aber als „Dreck und Unrat“ wahrgenommen wird. Neben Projekte wie „graffitifrei.de“ oder „kuenstler-work.net“ plant nun eine „Intiative Kottbusser Tor“ eine Demonstration gegen Junkies…
Die Demonstration zu der am kommenden Samstag am Kotti mobilisiert wird richtet sich gegen Junkies und legale Angebote für unkies, wie Wärmestuben oder Fixpunkte. Junkies sollen an den Rand der Stadt oder ins Umland vertrieben werden. Was mit ihnen passiert ist egal. Hauptsache Kreuzberg sieht bald wie Neu-Ulm aus. Ähnliche Kampagnen laufen seit Monaten im Kiez, durch einige Straßen patroulliert angeheuerter Wachschutz, an anderer Stelle gibt es Denunziantenstrukturen, Putzkampagnen usw. Treffen finden meist zusammen mit dem Quartiersmanagement oder in „Anwohnerstützpunkten“ (zB Skalitzer 133) statt. Mediaspree-Projekt war wohl nicht das größte Übel…

Quelle: Altxberger/Indymedia [via Zeitrafferin]
Und die Taz schreibt: Kreuzberger gegen offene Drogenszene – Fixer sollen sich verdrücken

Die Kundgebung „Drogen weg vom Kottbusser Tor!“ soll am Samstag, den 21.02.2009, um 14 Uhr vor Rossmann am Kotti stattfinden. Würde mich nicht wundern wenn es hier kurzfristig zu einer Gegenveranstaltung kommt.
Foto: (cc) d?wn


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16 KOMMENTARE

  1. Grr. Immer diese undifferenzierten Vorurteile gegen DIE Schwaben. Dabei sind die Yuppie-Schwaben, die gerade in Berlin so von sich reden machen, gar keine echten Schwaben. Sonst hätten wir sie ja nicht nach Berlin abschieben müssen. 😉

  2. Vor einigen Jahren stand an der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel geschrieben:

    „Weg mit der offenen Koffeinszene, her mit der offenen Drogenszene.“

    Das Schanzenviertel in Hamburg ist inzwischen auch fest in der Hand der Macchiato-Mafia. Ist leider so.

  3. Ich muss glaube ich erst einmal klar stellen, dass der erste Ecki (Kommentator 1) nicht der gleiche ist wie der zweite Ecki (Kommentator 3)!

    @Ecki Eckpfeiler:Ach, ihr schickt uns die also – so ist das! 😉
    Ok, nichts gegen Schwaben. Das sollte ich hier an dieser Stelle noch einmal genau zum Ausdruck bringen. „Die Schwaben“ stehen in einigen Bezirken Berlins für den zugezogenen und besser verdienenden Wessi.

    @Marc: Der „Claim“ ist schon sehr provozierend, aber ganz bestimmt auch so gewollt.

    Ebenso die Überschrift dieses Beitrags. Natürlich sind es nicht nur Schwaben, die morgen demonstrieren werden. Es sind wahrscheinlich hauptsächlich „besorgte Bürger“, die am schönen Kotti wohnen. Und natürlich stellt die Drogenszene auch ein Problem dar, mit dem meiner Meinung nach aber anders umgegangen werden muss. In erster Linie sollte es doch um die Abhängigen gehen, denen geholfen werden muss!

    @Ecki (Kommentator 3): Toller Spruch!? Nicht einfach nur auf die Schlagzeile reagieren. Ein bisschen mehr Tiefgang währe angebracht.

  4. @ Marc: Keine Ahnung, was er genau meint. Aber die Antwort wäre in jedem Fall dämlich oder einfach nur herumgetrolle.

    Ich möchte nur betonen, dass der Kommentar nicht von mir stammt.

  5. Ich bin mal echt gespannt wieviele da zusammenkommen.
    Ich wohen mehr oder weniger direkt am Kotti und hatte mit den Junkies noch nie Probleme. Verdrängung der Szene ist keine Lösung. Jeder der in Nähe wohnt und nicht schon seit 30 Jahren da wohnt, wußte auf was er sich einläßt.

  6. Eigentlich zeigt die Vergangenheit doch, dass eine „Vertreibung“ das Problem nicht löst, sondern nur in andere Bereiche umleitet. Ich kann durchaus verstehen, dass mit Sicherheit ein Großteil Nichtsüchtiger (mir fällt kaum eine Beschreibung ein die nicht diffamierend ist) mit Süchtigen zusammenleben „möchte“ – aber das was hier (und auch in anderen Städten) gefordert wird ist nun wirklich keine Lösung.

    Aber für eine Lösung – in erster Linie also bessere und intensivere Betreuung – fehlt das Geld. Die Autoindustrie ist eben wichtiger.

  7. was denn los? solln die junkis doch abhängen wo sie wollen, ham die yuppis wenigstens abschreckende beispiele für ihre kinder getreu dem motto wenn du das machst siehst du mal so aus ;D aus den augen aus dem sinn wird eh nicht funktionieren o_O

  8. Bullen getarnt als Yupppis („kannst du mir mal den Unterschied erklären“) sind ja nun auch nichts nichts neues. Hamburg is also burning

  9. das mit den schwaben ist auch daher in kreuzberg problematisch, weil hier seit jahrzehnten süddeutsche flüchtlinge stranden. also ein erheblicher teil, der kultur in der andere jetzt baden. wer so etwas schreibt gibt vielleicht auch zu, ein zugezogener zu sein, der ein café schön fand , über dass sich andere noch aufgeregt haben. irgendjemand hatte hier das erste handy und irgendwer den ersten laptop…

  10. Im Ernst: ich wohne in Neukölln und selbst hier laufen mittlerweile dutzendweise Doppel-SCH’s rum: Schwaben und Schweden. Was will man machen, Städte entwickeln sich nun einmal so. Die SCH’s gehören genau so zum Städtewachstum und zur Städteentwicklung wie die Junkies vom Kotti… Und Gegenbewegungen und Verdrängungskämpfe ebenso. Das muss man nicht gut finden, aber man muss es akzeptieren. Intolerant sind nicht „die Schwaben“, sondern diejenigen, die um jeden Preis ihre Illusion von Berliner Authentizität aufrecht erhalten wollen und in „den Schwaben“ den willkommenen Sündenbock gefunden haben…

  11. Genau, im Ernst. Wenn ich irgendwo hinkomme, mir ein Haus nach meinem Geschmack hinbaue und verkaufe, worauf ich Bock habe, kriege ich erstmal ein schlechtes Gewissen. Als Fremder kann man sich sowas nicht erlauben. Das ist aber komplett aus den Hirnen der Goldgräber in Kreuzberg rausgewaschen. Mit perverser Selbstverständlichkeit werden den „doofen“ Berlinern ihre Kieze entrissen und auf Wessisendern wie Radio1 werden die, die bleiben mit billigen Kolumnen lächerlich gemacht. Verzaunungen, fertige Hausgemeinschaften und Elitenbildungen schon in den Kindergärten sind groß angelegte Kampagnen, um uns auf den Müll zu werfen und das Geld anzulocken. An der Bergmannstraße sieht man, was aus den „Linken“ mal wird – Dekadenz und Korruption. Aber längst sind auch FDP-Münchner im Kiez am Mobben. Als Berliner wird man schräg angeglotzt oder nachgeäfft. Selber haben sie aber nix – sie sind aalglatt, totlangweilig und kreativ wie Kinkelbrot. Sie haben einfach nur Geld und brauchen ein „Hach ja, ich war auch in Berlin, Kreuzberg, du.“ in ihrem Curriculum Vitae und ihresgleichen – verklemmt, öde, katholisch… dann lieber mal wieder ein paar Nackte, Gemüse-, Farb- und Strassenschlachten! Die coolen, lustigen und offenen können natürlich bleiben! Ab morgen dann o.k.?

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