Praesidentschaftswahl Im Iran 2009
Nilo

@nielow "Nix zu sehen – Kultur-Curry aus dem Feld" Erzählt Geschichten, die ihr begegnen. Aus dem Netz, der Nachbarschaft, aus Berlin, Deutschland oder aus ihrer alten Heimat Iran.

Praesidentschaftswahl Im Iran 2009

Iran Präsidentschaftswahl 2009
Heute sind Präsidentschaftswahlen im Iran. Bilder, die über das Internet aus Teheran kommen, lassen einen Funken Hoffnung getaucht in grün durchschimmern. Jedoch schwebt über allem die Wolke der Korruption.
Keiner weiß wirklich, ob es diesmal was bringt auf die Straßen von Teheran zu gehen und nach Reformen zu rufen oder gar in die Wahlkabinen zu gehen.

Schon im Voraus hat der Wächterrat “ungeeignete” Kandidaten nicht zur Wahl antreten lassen. Dieses Jahr hatten sich nach Angaben der ARD 475 Kandidaten zur Präsidentschaftswahl beworben und nur vier sind übrig geblieben.
Es ist außerdem bekannt, dass in Iran die Wahlen manipuliert werden (Nirumand, 2009) – schlechte Voraussetzungen für eine wirkliche Änderung durch Wahlen. Doch niemand hätte 1997 mit dem Sieg des Reformers Muhammad Chatami gerechnet. Genau so wenig hatte man damit gerechnet, dass Teherans Bürgermeister Mahmud Ahmadinejad 2005 gegen Rafsanjani, einer der mächtigsten Männer im Gottesstaat, antrat und Präsident wurde. Allerdings war hier aus Protest die Wahlbeteiligung sehr gering. Die Menschen hatten sich während Khatamis Amtsperiode grundlegende Änderungen gewünscht, welche nicht erfüllt wurden.

Nach Meinungsumfragen liegen Ahmadineschad und Mussavi Kopf an Kopf
Das Szenario erinnert etwas an Obamas Wahlkampf. Mir Hussein Mussavi setzt unter anderem auf moderne Medien und soziale Netzwerke wie etwa Facebook. Er erreicht nicht nur die Menschen im Land, sondern auch die im Exil Lebenden. Nachdem Facebook im letzten Monat für einige Tage gesperrt wurde, hob man diese einige Tage später wieder auf. Eine Stellungnahme gab es nicht. Dies lässt Raum für Spekulationen: Vielleicht sollte damit der Druck aus dem Kessel gelassen werden, denn die Sperre brachte sehr wenig. Viele hatten innerhalb kürzester Zeit einen Weg gefunden, die Zensur zu umgehen. Und natürlich fluchten sie über die jetzige Regierung. Keine gute Voraussetzung, wenn der amtierende Präsident zur Wiederwahl steht.

Zum anderen lässt Mussavi seine Frau sprechen, die bei jedem Auftritt des Kandidaten dabei ist. Zahra Rahnaward ist Kunstprofessorin, Mutter und Großmutter. Sie repräsentiert das, was für viele Frauen im Iran erstrebenswert ist: Nicht nur traditionelle Werte wie Haushalt und Kindererziehung zu erfüllen, sondern zudem eine erfolgreiche Karriere vorweisen zu können.
Ahamdinejad erkannte den Vorteil, seine Frau in den Wahlkampf einzubringen und tat es Mussavi gleich. Nicht zuletzt, um auch die weibliche Wählerschaft zu gewinnen.

Medienzirkus und Atomprogramm
Es scheint, dass der Iran durch die Lockerung der Pressefreiheit dem Westen zeigen will, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Die scharfen Sanktionen und die Finanzkrise scheinen den Mullahstaat getroffen zu haben. Mit Ahamadinejad hatte man auf das falsche Pferd gesetzt. Die guten wirtschaftlichen Beziehungen, die zwischen dem Iran und Deutschland herrschten, wurden abrupt auf Eis gelegt, nachdem sich der amtierende Präsident als Holocaust-Leugner und Gegner Israels entpuppte. Nachdem das iranische Atomprogramm begann, wurde die Lage für den Westen unvertretbar.

Alles in allem will das Land, und das ist nicht nur der Staat, vielmehr die Menschen, die seit Tagen auf die Straßen gehen und nach einer kleinen Revolution rufen, nicht weltweit geächtet werden und mit negativen Bildern in Verbindung gebracht werden. Sollte Ahmadinejad nicht wieder in seinem Amt bestätigt werden, so wird das nur ein kleiner Schritt sein. Große Euphorie wäre übertrieben, denn demokratische Wahlen sehen anders aus. Ob es möglich sein wird Reformen durchzusetzten, hängt ganz von der Willkür des geistlichen Führers ab.

Die Kandidaten
Kandidaten: Ahmadinedschad Mussawi Karrubi Rezai
Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad
Ex-Ministerpräsident Hussein Mussawi
Der Geistliche Mehdi Karrubi
Mohsen Rezai, gilt als Außenseiter und wird von Interpol gesucht.

Quellen
Wahlkampf in Iran – “Ich will mit meiner Freundin Hand in Hand laufen dürfen” Spiegel-Online
Iran und G 20 – Iran ist doppelt getroffen Zeit-Online
Präsidentenwahl im Iran: Die vier Kandidaten Tagesschau-Online
Iran – Innenpolitik Auswärtiges Amt
Iran Report, Juni 2009 Heinrich Böll Stiftung
Fotos: Shahram Sharif (cc), Wikipedia

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  1. Farhid says:

    Es ist ein Wunder wie groß das Interesse aller Länder bei diesen Wahlen in Iran ist. Die Ernüchterung wird aber nicht auf sich warten lassen. Letztenendes ist kein Kandidat aus demokratischen Vorwahlen, bzw. demokratischen Parteien aufgestellt. Sie sind alle Marionetten des Regimes bzw. des Ayatollah Khameinei. Ihre Macht ist sehr begrenzt und ihre Motivation gering in Iran tatsächlich notwendige Reformen durchzusetzen.

    Das Land leidet in Wahrheit unter 25% Inflation. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 30% und 60% der Bevölkerung ist unter 30 Jahre. Wenn die Politik so weitergeführt wird wie bisher werden diese Zahlen sich nicht von alleine ändern. Dazu bedarf es grundsätzliche Reformen in der Wirtschaft, Politik, Infrastrukrtur und vieles mehr.

    Es ist absurd, daß das Land mit den drittgrößten Erdölvorkommen der Erde Benzin importieren muss. Dass es keine Raffinerien gibt um Erdöl zu verarbeiten, aber tatsächlich nach Atomenergie geforscht wird. Ein Bruchteil der Milliarden aus der Atomforschung würden für solche Zwecke genügen, die nicht nur hunderttausende an Arbeitsplätze schaffen sondern auch die Wirtschaft im Iran ankurbeln würde.

    Es ist eine offene Frage warum im heutigen Iran kein Geld investiert wird in die Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien, wie insbesondere Sonnen- und Windenergie. In Manchen Orten Irans scheint 365 Tage im Jahr die heißeste Sonne in der Region.

    Natürlich befürworten viele Iraner die Entwicklung der Atomenergie, ebenso auch ich und sollte irgendjemand tatsächlich glauben, dass es sich nur um Energiegewinnung handelt, dann hat er in den letzten Jahren des Mullahregimes nichts dazugelernt. Jedoch ist es das Recht eines souveränes Landes im Nahen Osten aus eigenen Mitteln und Kräften die Entwicklung der nuklearen Energiegewinnung voranzutreiben. Ein “Verbot” der übrigen Welt unter der Führung der ehemaligen Weltpolizei USA ist absurd und rechtlich nicht durchsetzbar.

    Mit Verwunderung sieht man im Iran die Forderung des Westens, insbesondere Deutschlands sich in der Atomfrage zu offenbaren, wo es doch ein offenes Geheimnis ist, daß Israel seit Jahrzehnten im Besitz der Atomwaffe ist und mittlerweile kein Hehl mehr daraus macht, sondern dies auch sogar öffentlich (Hr. Olmert in München beim Sicherheitskonferenz!) zugibt. Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet und das traurige daran ist, dass insbesondere kein deutscher Politiker sich traut diesen Umstand anzusprechen geschweige denn anzuprangern.

    Jedoch scheinen diese Wahlen den Menschen im Iran tatsächlich die Gewissheit zu vermitteln, doch in einem demokratischen Land zu leben und die Entwicklung des landes mitentscheiden zu können. Wie gesagt sie haben die Wahl zwischen d
    en Üblen den Besten zu wählen.

    Auf die Zukunft…..
    F.H.

  2. 63mg says:

    In den Nachrichten ist von einer Rekordwahlbeteiligung die Rede, von über 80%. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Ahmadinedschad die letzte Wahl wegen der sehr niedrigen Wahlbeteiligung gewinnen können – so hieß es jedenfalls.

    Ich hätte übrigens nichts dagegen, hier mehr über den Iran, Land & leute und wasweißich lesen zu können ;-)

  3. Shahrdad says:

    Ich als Iraner habe für keinen Kanditat gestimmt! Ich erkläre das momentane Islamische Regime im Iran nicht für gültig! Freiheit für meinen Land!

  4. pEtEr says:

    Schon klar! Da wurden wohl die Ergebnisse vertauscht!?
    Das bestätigt aber genau das, was viele Iraner sagen: Wählen bringt nichts, also kann man es auch sein lassen.
    Aber vielleicht braucht es solche Unstimmigkeiten damit die “Suppe” endlich mal überkocht.

  5. Nilo says:

    Wählen hat in diesem Falle soviel gebracht, dass sich die Iraner mobilisieren und sich öffentlich zusammen tun und sich sichtlich einig sind, dass das ein Ende haben muss!
    Und die Exil-Iraner könnten jetzt sich solidarisch zeigen und auf die Straße gehen und FRIEDLICH demonstrieren.
    Power to the people!

  6. shahab says:

    Genau, ich war am freitag zum 1. Mal wählen und habe wie 24,000,000 andere Iraner Mussavi gewählt und ich gebe keine Ruhe bis Mussavi mir mein Wahl zurück holt und da bin ich sehr optimistisch. Was auch passiert eins ist klar der heutige Iran ist nicht die vom letzte Woche und beim Wechsel im Iran wird die ganze region, sogar die Welt sich ändern. Nieder mit Diktatur hoch lebe die Freiheit

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