LaBrassBanda nimmt das Astra Kulturhaus auseinander *

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brassbanda_wasserfall

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand erzählt hätte, mich würde mich dereinst in Berlin eine Blasmusikkapelle aus dem bayerischen Chiemgau namens LaBrassBanda übler rocken, als das eine Mischung aus Prodigy und Russendisko, ich hätte demjenigen wohl einen Vogel gezeigt. “Am besten noch barfuss und in Lederhosen, werd bitte nicht albern”.

labrassbanda_barfuss

Aber genau das ist letzte Woche passiert, das Konzert steckt mir immer noch in den Knochen. Im positiven Sinn, natürlich. Eine sehr gute und ausführliche Konzertkritik gibt es schon beim Fast Forward Magazine die ich euch ausdrücklich ans Herz lege, um mich aus der Verantwortung für einen vollständigen Bericht zu stehlen. Ich möchte den Fokus lieber auf ein paar subjektive Highlights legen.

Ich habe zB definitiv noch nie ein Band gehört, die einerseits so tight zusammenspielt und andererseits komplett frei mit dem Tempo ihrer Songs umgeht. Ich glaube fast, wenn man den Jungs einen Clicktrack gibt, müsssen sie ersticken. Apropos ersticken: Erst fand ich “10 Minuten Pause” eine eher befremdliche Aktion auf einem Konzert, dann fiel mir auf, daß dieser 250BPM Polkawahnsinn evtl ein kleines bißchen anstrengend sein könnte. (Nein, nicht alle Songs waren so, manche hatten auch eine etwas langsamere erste Hälfte…). Ich habe auch selten so um die Gesundheit ihres Publikums besorgte junge Musiker gesehen. Oder war von euch schon ein Mal jemand auf einem Konzert, bei dem der Sänger das Publikum vom Klatschen abhält, indem er die Arme ausbreitet und “Entspannung” vorschlägt, weil: “Was ihr nicht wisst ist, wie schnell wir jetzt gleich werden”. Überhaupt sind LaBrassBanda bei all dem Geschwindigkeitsrausch die spärlich gesäten ruhigen Momente wichtig, was sie mit einer albernen und trotzdem enstpannten bajuwarischen Yogamameditatition unterstreichen an deren Ende mit der Band auch große Teile des Publikums auf dem Boden liegen.

Warum sie übrigens gar so schnell spielen  erklärt der Sänger mit den Worten: “Mia samma so aufgregt, weil heit so vui Leid do han, daß ma ois doppelt so schnell spuin.” (O-Ton Süd, Übersetzung auf Wunsch). Gerade diese nicht gespielte Aufregung sorgte (zusammen mit der unbändigen Spielfreude und der schieren Wucht ihrer Blasinstrumente) für jede Menge Sympathiepunkte beim Publikum. Mein persönliches Highlight war  die Geschichte über ihren Auftritt beim Chiemsee Reggae Open Air. “Mir im Chiemgau mögen ja die Schwulen” beginnt Sepp (Trompete und Gesang) seine Ansage. Und weil dort beim Reaggaefestival eben einige Musiker auftreten, die diese Auffassung nicht teilen würden, hätten LaBrass Banda ein passendes Stück geschrieben. Das ging so “I like the Battyman, batty me Banana” (die Melodie könnt ihr euch denken, nehme ich an). Das Ganze begann als schwerer Reggae und mäanderte dann über äh..ich glaube es war “I like to move it” über Ska bis zum oben erwähnten Polkastress. Dieser kleine Teil des Konzerts beschreibt ganz gut die musikalische Qualität des Abends wie auch den erdigen Humor, den die Band versprühte.

Ich weiß nicht, ob es deutlich wurde, aber wenn LaBrassBanda das nächste Mal in der Nähe sind, laßt sie euch auf keinen Fall entgehen!

* Die Überschrift habe ich übrigens aus dem im Text erwähnten Artikel entwendet, dessen Überschrift “Stage-Diving, Groupies und Lebkuchenherzen” lautet, was genauso wahr wie “meine” Headline ist aber viel besser klingt.

zum Schluß noch ein paar audiovisuelle Eindrücke:


la brass banda – Techno Master – MyVideo
(der titelgebende Techno findet ab Minute 03:30 statt)

im Ausland, bei Radio Fritz

“Marienkäfer” live. Balkan-Drum’n Bass unplugged


La Brass Banda – Grütten Hill 2007
Hochgeladen von GruettenHill. – Sieh mehr Musikvideos, in HD!



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6 KOMMENTARE

  1. kann ich nur unterstreichen. war dabei, als sie einen winzigen plattenladen kaputtgemacht haben. sagenhaft. freu’ mich auch schon auf die nächste möglichkeit mir das nochmal live reinzutun.

    wirklich ein einmaliges erlebnis!

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