Das Flattr-Dilemma

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Flattr ist ein neuer Micropayment-Dienst, der es ermöglicht freiwillig für Angebote im Netz zu zahlen. Wer mitmachen möchte, egal ob als Nutzer oder als Publisher, meldet sich bei Flattr an und zahlt monatlich einen Mindestbetrag von zwei Euro auf sein Konto. Gefällt einem nun ein Blog-Beitrag, ein Bild, Podcast, Netaudio-Release oder was auch immer und befindet sich auf der Seite ein Flattr-Button, kann man dies durch einen Klick “flattern”.

Das funktioniert ähnlich wie beim Facebook “Like Button” nur das der “geflatterte”, abhängig vom Budget und der Anzahl der Flattrer, ein schickes Sümmchen auf seinem Konto gutgeschrieben bekommen könnte.
Wie das genau funktioniert erklärt dieses Video und ist in einigen Blogs nachzulesen.

Seit ein paar Tagen verteilt Flattr fleißig Invites an die ersten Blogger und Künstler. Dank Dragstripgirl konnte ich mir den Dienst nun auch einmal genauer anschauen. Flattr macht auch nach der Anmeldung noch einen sympathischen Eindruck, ist leicht einzurichten und das Dashboard ist übersichtlich gestaltet. Könnte also direkt losgehen.

Das Dilemma bei diesem für mich durchaus begrüßenswerten Dienst sehe ich bei Musikblogs, aber auch bei Seiten die über Filme, Kunst oder Fotografen und deren Bilder schreiben. Sollte man sich wirklich für fremden Content bezahlen lassen?

Geld für Mixtapes und Musik-Tipps einzusacken finde ich persönlich doch sehr fragwürdig. Für ein kommerzielles Label wäre das durchaus vertretbar, schließlich ist das nichts anderes als Marketing, wofür gerade bei größeren Vertretern bekanntlich gut Geld fließt. Aber wie ist das mit Netaudio-Releases? Wie soll ich einem Künstler erklären, dass ich Geld für die “Promotion” seiner kostenfrei erhältlichen Songs verdiene. Mixtapes: Wer sollte wenn überhaupt dafür geflattert werden? Der DJ, der Blogger oder lieber die Künstler, die auf dem Mixtape zu hören sind?

Zudem frage ich mich, ob die Blogrebellen durch die Teilnahme bei Flattr kommerziell wären, was nicht nur rechtliche und steuerliche Auswirkungen mit sich bringen würde.

Prinzipiell könnte ich mir vorstellen, den Flattr-Button für das Blog als “Gesamtwerk” einzurichten. Wobei das dann auch nicht so 100-prozentig korrekt wäre. Einzelne, selbst geschriebene Beiträge wie zum Beispiel diesen, oder eigene Bilder und Musik würden würden da schon eher in Frage kommen.

Ob und wie auch immer wir Flattr hier nutzen werden wird sich noch zeigen. Mein Konto werde ich trotz allem aufladen und fleißig flattern. Die Idee ist super, die Ausschüttung ist fair und der Dienst ist transparent. Ich wünsche Flattr ein gutes Gelingen und viele Nutzer, denen die Idee genau so gut gefällt wie mir.



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20 KOMMENTARE

  1. zuerst dachte ich “wozu soll das denn gut sein?”, aber du hast recht – ist ne einfache und gute lösung, künstlern ein bisschen was zurückzugeben, ohne gleich ne paypal-donation anstoßen zu müssen.
    das dilemma sehe ich auch als solches. eigentlich müsste alles zumindest an den dj, wenn nicht sogar an die künstler. könntest höchtens in der sidebar irgendwo ne box a la “blogrebellen unterstützen” einbauen, dann wär das zumindest inhaltlich getrennt. und hätteste dir ja auch verdient 🙂

  2. (ächz, dreimal vergessen, den Spam-Schutz zu bedienen, dreimal Kommentar weg … jetzt aber …)

    Ich würde das ja nicht so sehen, Blogrebellen für “fremden content” zu bezahlen, sondern für´s finden & sammeln, sozusagen. Ich hab ja gar nicht die Zeit, mich durch die Legionen von Musikseiten zu klicken. Wüsste auch gar nicht, wo anfangen. Aber es gibt ja Blogrebellen, hurra ;D

  3. “Das Dilemma bei diesem für mich durchaus begrüßenswerten Dienst sehe ich bei Musikblogs, aber auch bei Seiten die über Filme, Kunst oder Fotografen und deren Bilder schreiben. Sollte man sich wirklich für fremden Content bezahlen lassen?”

    So wie ich die “Erfinder” verstanden habe, geht es eben darum das klassische Bild von Produzent – Konsument aufzubrechen. Ihr produziert Content, ich produziere gerade mit diesem Kommentar Content.
    Grüße

  4. Zumindest für mich sind die blogrebellen sowas wie ein Musik- und Netzmagazin, wenn das ganze in Papierform publiziert würde, müsste ich ja auch Geld dafür bezahlen, von daher geht das schon in Ordnung, denk ich.
    Mal ganz davon abgesehen, dass ich niemals die Zeit hätte, Massen an Content zu filtern um die guten Sachen rauszuholen, so wie ihr das hier macht. Ich schätz mal, dass ihr damit ner Menge Leute nen Haufen Zeit spart 😉

  5. wenn ein papier musik magazin aber eine kostenlose cd beiliegen hat wird der inhalt derer wohl aber lizensiert sein.. ich sehe das nicht ganz so locker wie die jungs vor mir (zumindest wenn man in rechtlich unbedenklichem terrain operieren will… mhh wobei.. das ist bei mixtapes selbst ja schon in frage gestellt). aber ich würde vorsichtig sein.. alles in allem könnte das gefundenes fressen für einige abmahnanwälte sein.. ich mein genausogut könnte man so torrent seiten für ihre tolle zusammenstellung flattrn nicht für den content. aber flattr hin oder her.. dann kann man auch gleich herkömmliche werbung schalten und sagen die soll nur den blog als ganzes supporten.

  6. Ah, das ist genau der Grund, wieso ich auch von Flattr auf DSG abgesehen habe. Wir haben viele anonyme Gastbeiträge- wieso sollte ich dafür die Kohle kassieren? Ein selektiver Flattr-Button für bestimmte Kategorien wäre z.B. eine Lösung.

    Andererseits: wenn man Content über YouTube vertreibt, muss man auch damit rechnen, dass sich das ganze Ding so weit verbreitet, dass niemand mehr die “Quelle” angibt (was in diesem Zusammenhang natürlich doof ist, weil ja ein Embedded YT Video immer auf die Quelle zurückführt) sondern nur noch per [via] raushaut wo es gefunden wurde.

    Letztendlich ist ja jeder dafür selber verantwortlich, wen oder für was er Geld gibt. Nur gegen die rechtlichen Grenzen ist damit keiner geschützt.

  7. hm, ja. aber am ende lässt sich einfach niemand das geld auszahlen, sondern flattrt wieder andere. so verdient niemand ausser flattr. auch interessant.

  8. wenn du kein geld willst bzw keines verdienst, nutze flattr doch einfach nicht. du gehst ja auch davon aus, dass dir jeder für einen blogbetrag geld gibt, das bezweifle ich. der dienst ist eher für seiten die jetzt mit paypal spenden arbeiten, wo der flow aber nicht optimal ist

  9. — hm, ja. aber am ende lässt sich einfach niemand das geld auszahlen, sondern flattrt wieder andere. so verdient niemand ausser flattr. auch interessant. —

    Das stimmt so glaube ich nicht ganz. “Ungenutztes” Geld wird nicht von Flattr einbehalten sondern gespendet.

  10. gut wäre, wenn die verlinkten künstler auch flattr nutzen würden und man sich als leser dann überlegen kann, ob man dem künstler ein flattr geben mag, dem artikel, oder gar beidem

  11. Da sprichst Du ei Thema an. Deine Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen. Durch einen Blogbeitrag schenkst Du (beispielsweise einem Künstler) auch eine gewisse Aufmerksamkeit und unter anderem investierst Du Zeit in das Schreiben dieser Artikel. Somit hast Du Klicks verdient (auch wenn es dennoch nett wäre, wenn der Künstler etwas abbekäme).

  12. Ich habe mich entschlossen, nur originär eigenen Content mit einem Flatter-Button zu versehen, In meinem Falle sind es halt die Audionterviews. Ich sehe aber natürlich auch das Problem für Blogs, die ihren Content aus dem Netz beziehen und ihn redaktionell veredeln. Etwaige YouTube-Video-Postings oder Soundcloud-Files werden bei mir nicht als flattr-barer Content im Blog aufgenommen.
    Und eine individuelle flattr-Verknüpfung lässt sich nach meiner Erfahrung gut bewerkstelligen. Flattr ist da sehr flexibel und bietet den Quellcode für einen dynamischen Button an, den du nach dem Datenbankeintrag über copy/paste in den entsprechenden Blogeintrag händisch übernehmen kannst. Ist natürlich ein wenig aufwändiger, als ein standardisiertes PlugIn zu nutzen … ich find’s gut 🙂

  13. ich sehe das Dilemma & den möglichen Umgang damit aus ner Mischung aus Eccos Argument & dem Filterargument von Kkanzler.

    Warum nicht fürs Filtern & Veredeln UND Selbermachen bezahlen lassen?

    Ich meine ich spende Lebenszeit, dass manch ein recherchefauler Wurm (geschlechterneutral) sich damit schmücken kann, was er/sie wieder für ein geiles Buch/Comic oder ne tighte Band (ganz alleene natürlich) entdeckt hat.

    Dabei schmullte er die Tips bei mir und den tausenden anderen Nichtlohnsektorianern im Netz ab, wäre niemals drüber gestolpert & verkauft es als eigene Idee.

    Klar ich hab ne gewisse selbstlose & gebefreudige Ader, aber wenn wir uns als tatsächliche Produzenten mit immer noch vorurteilsbelasteten Pressemenschen auseinandersetzen müssen, die uns erklären wollen, dass man nicht jeden “Benjamin Blümchen Blog” (O-Ton) bemustern kann und man dann gleichzeitig diese verlogenen Contentparasiten sieht, die einem nicht mal den kleinsten Link gönnen (dann müssten ja zugeben,dass sie den hot shit nicht selbst fanden), dann kommt mir schon mal Mamas Wurststulle hoch. Ganz ehrlich.

    Ja ich finde, wenn wir schon Inhalte produzieren (und ich gehe soweit zu sagen, dass sie mit regulärer Presse konkurrieren können) und wir Zeit & Liebe in die eigenen Inhalte gesteckt haben – dann dürfen wir uns gerne (ohne Skrupel) entlohnen lassen.

    Und mal ehrlich Müller & Müller von Shitstorm United kümmern sich einen Scheiss um unsere moralischen Dilemma. Und die werden immer kurzfristig wirksamen Mist machen und uns schlecht bezahlten guten Seelen irgendwann völlig rausschieben – will doch keiner oder?

    Bezahlung für Recherche & Sorgfalt ist doch hier eher sowas wie Selbstermächtigung. Inhalt als Waffe … ich finds gut :D.

  14. flattr könnte ja einrichten, dass für bestimmte flattrs ein “propose” eingerichtet werden muss (wegen communitydrucks). dann gehen alle flattrs verloren und es wird versucht, den ursprünglichen autor zu erreichen.

  15. außerdem kann man doch seine inhalte lizensieren, mit CC-BY-NC und auf der eigenen Seite und für korrekt flatternde Peers mit CC-BY Commercial.

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