Ich möchte Euch anlässlich des vierten (!) Geburtstages der Blogrebellen ein Label vorstellen, das Reggae und Dancehall in vornehmlich deutscher Sprache vertritt und sich mit wenig Geld und dafür viel harter Arbeit in der Szene einen Namen gemacht hat, der aus selbiger nicht mehr wegzudenken ist.
pantoffelpunk

Dass es nicht klappt, Musik einer fremden Kultur 1:1 zu kopieren, hat uns in Deutschland schon der Hip-Hop gezeigt. Erst mit deutschsprachigen Acts haben einheimische Bands auch Erfolge feiern können, ob Advanced Chemistry und Anarchist Academy im Underground oder die kommerziell erfolgreichen Fanta 4 im Mainstream. Wahrscheinlich kommt – in manchen Branchen zumindest, dieses Elektrogefissel hat ja eh keine sinnvollen Texte – Anerkennung oft erst durch Authentizität und Authentizität mit Texten in der Muttersprache.

Ich möchte Euch anlässlich des vierten (!) Geburtstages der Blogrebellen ein Label vorstellen, das Reggae und Dancehall in vornehmlich deutscher Sprache vertritt und sich mit wenig Geld und dafür viel harter Arbeit in der Szene einen Namen gemacht hat, der aus selbiger nicht mehr wegzudenken ist.

Das Label Rootdown Records wurde im Jahre 2000 von Teka und Nattyflo ins Leben gerufen, als Startschuss gelten ‚die Veröffentlichungen der Vinyl 7“ „Babylon“ (Nattyflo feat. D.U.G.), gefolgt von der ersten rein deutschsprachigen 7“ Selection „Racer Riddim“‘ (Quelle und mehr Infos).

Mittlerweile produziert Rootdown Records namhafte Künstler wie Mono und Nikitaman, Nattyflo (der auch an der Entstehung des Magazins „riddim“ mitgewirkt hat), Maxim, Nosliw, Jaqee, Rojah Phad Full, Slonesta, haben aber auch Artists wie Lee Everton, The Scrucialists und die altehrwürdigen, hochgepriesenen Sly & Robbie unter Vertrag, die schon bei Bob Marley, Peter Tosh, Yellowman oder Burning Spear Bass und Batterie bedienten.

Der Soundtüftler und Produzent Thilo „Teka“ Jacks hat mit Riddims wie „Crystal Woman“, „iLove“ und „Tek A Train“ Soundmonster erschaffen, die weltweit – vor allem auch auf Jamaica, was einem Ritterschlag gleichkommt – Beachtung gefunden. „Chrystal Woman“ wurde von eigentlich allen deutschsprachigen Artists (z.B. Nosliw, Nikitaman, Lazy Youth, Paco Mendoza aka Criminal, Mono, Maxim, Jahcoustix, Mellow Mark, Phenomden, Ganjaman, Martin Jondo u.v.m.) aber auch von jamaicanischen Reggaegrößen wie Chuck Fender, Anthony B sowie Rebellion und Lutan Fyah gevoiced.

Selbstverständlich stehen die Rootdowns auch im echten Leben auf der richtigen Seite und wollen nicht weniger, als die Welt retten:

Wie das geht? Ein Anfang ist, Sand im Getriebe zu sein:

Und – natürlich – die Nazis rauszuschmeißen bzw. ihnen zumindest nicht die Straße zu überlassen – was der aufmerksame blogrebellenleser selbstverständlich schon lange weiß:

Zu beachten ist, dass Nosliw (der bürgerlich Wilson heißt) sich in diesem Clip auch gegen Homophobie ausspricht, was in der Reggaeszene leider noch sehr selten vorkommt.

Als völlig aus dem Textfluss gerissenen Hammertune, ohne inhaltliche Einbettung oder Überleitung, einfach nur weils ein Multi-Kulti-Brett ist, rockt und swingt, muss ich Euch noch das Ding vorstellen, dessen Entstehungsgeschichte Ihr hier nachlesen könnt.

Abschließen jedoch möchte ich mit einer kleinen Anekdote:
Im Mai 2009 habe ich den Song „Tut mir leid“ von Mono und Nikitaman feat. Nosliw auseinandergeschnitten, eine Strophe gelöscht, die Instrumentalparts verlängert, Politikersprech hineingeschnitten und wieder – vollkommen amateurhaft – zusammengeklebt und auf youtube und meinem blog veröffentlicht – nicht ohne ein bisschen Bauchgrummeln – Ihr wisst schon, wegen der Urheberrechte und so:

Rootdown Records hat sich in den Kommentaren gemeldet. Siehe hier. Davor – und vor vielem anderen, was Rootdown geleistet hat – ziehe ich den virtuellen Hut. Reschpekt.

Und bevor ich es vergesse: Herzlichen Glückwunsch zum vierten, liebe blogrebellen!
Euer pantoffelpunk

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  1. Muckefukk says:

    Sehr cool. Ich war schon als Jugendliche totaler Nosliw Fan. (In Bonn konnte man ihn ja auch sehr oft live erleben.)
    Auch jetzt, (schon) Jahre später ist er noch auf meinem iPod zu finden.

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