Dorfmatratze
pEtEr Withoutfield

Selbsternannter Crossover-Medienrebell, Musik-Nerd, Cloud-Meister und Social-Media-Schleuder.

Was tun mit einem Blog, der sehr gute Zeiten hatte, gut verlinkt ist, viele Leser hat und bei einigen Usern auch sehr beliebt ist, es aber eben niemanden mehr gibt, der/die gute, interessante oder exklusive Beiträge schreiben kann?

Ich war noch nie ein großer Freund von Spreeblick, zu unterschiedlich war meist der musikalische Geschmack der Schreiber im Vergleich zu meinem. Auch die Themenauswahl hat mich selten wirklich vom Hocker gerissen. Das ist völlig ok so, es gibt viele Blogs die mir nicht zusagen – bestimmt ebenso viele Menschen, die auf die Blogrebellen locker verzichten können.

Zuletzt ist mir Spreeblick eigentlich nur noch dadurch aufgefallen, dass dort Videos, Bilder und Storys gepostet wurden, die man schon auf vielen anderen Präsenzen zu sehen und lesen bekam. Auch das ist nichts wirklich schlimmes, nur meine Erwartungen an ein Blog wie Spreeblick sind andere, als das rebloggen von lustigen gifs, Youtube-Videos und Musik-Empfehlungen der Contentmafia.

Offen für alle: Open Spreeblick schreit es seit heute massenhaft retweetet und shared über die Sozialen Netzwerke. Das Team um Tausendsasa Johnny Haeusler schreit um Hilfe, wirbt um Schreiber. Jeder darf bis ende Juli mitspielen, verlinken, Bildchen posten und so weiter – nach redaktioneller Prüfung versteht sich.

Was soll man davon halten?
Auch die Blogrebellen entwickeln sich langsam aber sicher zu einem Mehrautorenblog. Der Unterschied liegt aber darin, dass wir unsere potentiellen Schreiber shanghaien. Im Vergleich hierzu sieht die Spreeblick-Aktion für mich in erster Linie eher nach einem Hilferuf aus. Vielleicht wächst den Kollegen drüben einfach die Arbeit abseits von Spreeblick über den Kopf. Keine Zeit für das geliebte Blog zu haben ist etwas, was auch mir immer häufiger passiert.

Bleibt die Frage was es bringen wird. Für die einen, die schon lange nicht mehr dort lesen ist der frische Wind ein Hoffnungsschimmer und sie sind gespannt. Andere wiederum sehen schon die Dorfmatratze des Internet. Wer wird dort aus welchen Grund schreiben? Wird es mehr totallustige Videos geben, Bands und Produzenten ihre eigene Musik promoten, Shops ihre Ware anpreisen? Oder werden sich auch Autoren finden, die schöne Geschichten auskramen und tatsächlich einen neuen Schwung in das Blog von der Spree bringen?

Ich bin gespannt und werde es beobachten.

Foto (cc)

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  1. seroc says:

    Das einzige was ich dort immer noch gelesen hab waren die Fussballbeiträge von Frederic. Ansonsten durften dort in letzter Zeit eh schon Leute schreiben, die das eigentlich lieber lassen sollten. Mit Einführung des AAL-Prinzips zeigt sich wohl am ehesten, dass mit dem Blog nicht die Kohle reinkommt, die sie als Firma nun mal brauchen. Ihre Energie werden Sie also auf andere Sachen verlagern und da ist so ein Schritt wohl die einzige Lösung neben der Einstellung des Blogs.

  2. Addliss says:

    Eine sehr gute Frage: Was wird da jetzt passieren?
    Bisher sieht das erstmal interessant aus! Neue Posts ohne Ende, muss ich auch mal reinschauen.

    Mir ist allerdings auch aufgefallen, dass bei Spreeblick nicht mehr so sehr viel passiert, obwohl es doch ein ernstzunehmender Blog ist/war. Gerade seitdem René, Malte und Björn Grau gegangen sind, wurde es erstmal ruhiger. Auch wenn durch Nico Roicke, Anne Wizoreck und Philipp Jahner ein bisschen frischer Wind kam – so richtig zu altbekannten Höhenflügen kam es nicht.
    Allerdings kommt es mir so vor, als wenn die deutsche Blogosphäre insgesamt nicht mehr so stark ist. Weniger lange Texte, mehr Videos, Bilder etc. Ich finde das schade, denn ich mag Meinungsartikel, kleine Geschichten etc. und das schafft eine viel engere Verbindung zum Blog. Seit René z.B. bei Nerdcore aufgehört hat, seine Meinung kund zu tun, schaue ich da zwar noch ab und zu rein und finde coolen Content, aber es ist für mich dadurch nicht mehr als eine Content-Schleuder. Ein etwas besseres Bookmark-Archiv. Schade eigentlich!

    Was ich sagen möchte: So cool auch der Content da draußen ist, brauchen wir die Blogs, die längere, persönlichere (oder auch politische oder whatever) Einträge haben. Ich hoffe, dass Spreeblick das noch einmal schafft.

  3. seroc says:

    wenn mich nicht alles täuscht machen die adnation – so einen Blogwerbevermarkterdingens und sie organisieren die republica mit und haben noch jede Menge andere Projekte in der Pipeline ;)
    Bei Nerdcore schau ich auch nur noch selten vorbei, da hab ich vor 5 Jahren immer mehrmals täglich draufgeschaut, aber neben der inhaltlichen Qualität hat vor allem das Kommentarniveau dort sehr gelitten. Dieses grundsätzliche, agressive, klugscheisserische Klima hält mich jedesmal davon ab, dort meinen Senf abzugeben. So ne Mischung aus SPON-Forum und 4chan. Aber man findet auch immer wieder feine neue blogs, wie zum dieses hier *schleim*

  4. Addliss says:

    @Orangentee & @ Seroc

    Soweit ich weiß, sind sie Hauptorganisator der re:publica, also nicht nur „dabei“. Das ist schon eine Menge Aufwand, allerdings rechtfertigt das nicht unbedingt eine Flaute an hochwertigen Artikeln zur jetzigen Jahreszeit z.B. Die Orga läuft natürlich immer im Hintergrund, aber momentan befindet man sich eben nicht in der heißen Phase.

  5. seroc says:

    Die ersten paar Artikel haben meine Befürchtungen bestätigt, „mittelmäßig“ ist noch ne nette Umschreibung für das Niveau.

  6. Tobias M says:

    User Generated Content ist die Zauberformel für alle, die keine Zeit, kein Geld oder keine Lust aufs Selbermachen haben. Der nette Nebeneffekt: Man gibt den Schreibern das Gefühl, dass man sie ja ach so ernst nimmt und gaaanz viel Wert auf ihre Meinung legt. Der schauderliche Nebeneffekt: Die ganzen selbsternannten Botschafter mit irre hohem Mitteilungsbedürfnis bekommen auf einmal eine Plattform und eine Aufmerksamkeit, von der sie vorher nicht einmal zu träumen wagten.
    Das Experiment des spreeblicks ging und geht schief, die eingereichten – und veröffentlichten! – Beiträge sind größtenteils unterirdisch, die Kommentare entsprechend.
    Aber: Alles andere hätte mich persönlich auch ziemlich gewundert…

  7. Per says:

    Insgesamt stehe ich User Generated Content, ob bei Spreeblick oder sonstigen Plattformen recht kritisch gegenüber. Eine ziemlich billige Art Geld zu verdienen (bei großen Blogs, die darauf angewiesen sind) und gleichzeitig Qualitätslimbo zu betreiben, denn das Niveau senkt sich zwangsläufig, da die Hürde niedriger wird.

    Ich persönlich mag das überhaupt nicht und bin der Meinung, dass ein Blog, der guten Content haben will, das auch entsprechend vergüten muss oder ewig im semi-professionellen Bereich herumstreunen muss. Es ist ziemlich schwierig, das eigentliche Kerngeschäft (den Content) auf die Konsumenten auszulagern, besonders wenn es um längere Artikel geht.

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