Noah Felk, Zoe Leela und TomPigs bei RBLLN.TV
pEtEr Withoutfield

Selbsternannter Crossover-Medienrebell, Musik-Nerd, Cloud-Meister und Social-Media-Schleuder.


Noah Felk, Zoe Leela und TomPigs bei RBLLN.TV

Das erste, was ich von Zoe Leela gesehen und gehört hatte war das Video zu „Come on“. Beides, also das Video als auch der Song haben mir auf Anhieb gefallen. Visuell finde ich es immer toll, wenn ich Plätze und Orte sehe, die ich gut kenne, wie eben in den Video zu Come On, die Warschauer Brücke. Aber auch musikalisch hat mich die Nummer direkt gepackt. Deeper Downbeat, ein nicht zu geringer Einsatz von Bass, der geschmeidige Gesang von Zoe und nicht zuletzt auch der leicht poppige Chorus.

In den Medien wird sie schon mal als „richtige Berliner Asphaltgöre aus Kreuzberg“, die man sich „gut als beste Freundin von Lana Del Rey vorstellen“ kann bezeichnet. Doch ich denke das hat sie nicht verdient. (Oder doch?l
Ihr Album „Digital Guilt“ ist musikalisch komplex, man es nicht wirklich nur einem Genre zuordnen kann. Electro, Downbeats und Tip-Hop, Dubstep bis hin zu abstrakten Hip-Hop Beats, die verschiedenen Styles des Albums machen es gerade so interessant und abwechslungsreich.

„Natürlich muss die GEMA ihr verschissenes System loswerden“ (via)
Das rebellische an Zoe.Leela ist die Tatsache, dass „Digital Guilt“ dabei unter Creative Commons Lizenz veröffentlich wurde. Alle Tracks stehen unter CC BY-NC-SA 3.0, das heißt, man kann „das Werk bzw. den Inhalt vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anfertigen“. Ein ungewöhnlicher, mutiger und meiner Meinung nach sehr zukunftsweisender Schritt, der aus der Not geboren ist. Denn Zoe.Leela und ihr Produzent Noah Felk sind keine Mitglieder der Verwertungsgesellschaft GEMA und möchten dies auch nicht sein.

In den „vier Thesen zu GEMA“ zeigt Zoe die aktuellen Missstände rund um die GEMA auf, das unfaire Mitspracherecht der Mitglieder, die überzogene Bearbeitungsgebühr für verkaufte Downloads oder Tonträger, das intransparente Ausschüttungsmodell sowie die Konzept- und Ideenlosigkeit des Vereins in der heutigen Zeit mit all ihren neuen Vertriebswegen und Möglichkeiten. (Ganz nebenbei bemerkt stammt das Deutsche Uhrheberrechtswahrnehmungsgesetzt, dem die GEMA verpflichte ist, aus dem Jahr 1966!)

Und noch eine Besonderheit, gar fast ein Novum zeichnet dieses Album aus: Trotz CC-Lizenz hat es das Album zum Major Motor Music geschafft und ist, zumindest für den Erstkonsumenten, nur gegen bare (oder digitale) Münze zu haben.

Wie das funktioniert, wie und aus welcher Motivation heraus es dazu kam und viele weitere Fragen beantwortete uns Zoe Leela, ihr Produzent Noah Felk und Manager TomPigs unserer Streamshow RBLLN.TV:

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  1. Subliminal_Kid says:

    „Das rebellische an Zoe.Leela ist die Tatsache, dass “Digital Guilt” dabei unter Creative Commons Lizenz veröffentlich wurde.“ – Na, hier ist die Messlatte ja nicht mehr sehr hoch…

  2. GCF says:

    Rebellisch hin und her, mich freut, dass immer mehr Künstler ihre Sachen bei Bandcamp anbieten. Da bekommt man im Gegensatz zu iTunes ordentliche Qualität zu ansprechenden Preisen :-)

    Den Verbraucher dürfte die CC Lizenz eher am Rande tangieren, da die meisten kaum vorhaben werden, die Musik weiter zu verwursteln außer sie zu hören. Für den Veranstalter von Live Veranstaltungen könnte es etwas bringen, dass keine GEMA fällig wird, nur leider müsste er dann ausschließlich GEMA freie Musik spielen. Das halte ich dann eher doch für unrealistisch… Und so kommt die GEMA doch zu ihrem (mit umstrittenem Recht) Geld :-(

  3. Subliminal_Kid says:

    Mir leuchtet nicht ein inwieweit die Hochwertigkeit eines Albums die CC-Lizenz rebellischer macht oder nicht. Disst du damit nicht 95% der CC-Musik die wir sonst in unseren Blogs besprechen als belanglose Tracks (as opposed to „gut produzierte Musik mit Gesang“)?

  4. pEtEr Withoutfield says:

    Ich will niemanden dissen David :D
    Und über Musik lässt sich bekanntlich (nicht) streiten.
    Es ist aber auch nicht vollkommen von der Hand zu weisen, dass ein ganz großer Teil unter CC veröffentlichter Musik einfach nicht gut ist (um es mal vorsichtig auszudrücken).
    Natürlich gibt es Ausnahmen, vor allem bei den hier bei Blogrebellen gefeaturten Labels und Künstler. Aber wirklich viele sind das nicht und gar vergleichbar mit der „digital Guilt“ meiner Meinung nach schon gar nicht!
    Wenn ich allerdings was übersehen habe (davon gehe ich sogar aus) lass es mich wissen! ;)

  5. tompigscom says:

    Hallo Zusammen,
    vielleicht kurz zur Erklaerung der Rebellion.Wir,Zoe.Leela bewegen uns in einem
    Umfeld das nicht unbedingt Creative Commons affin ist.Will sagen,in einem
    Wirtschaftsraum der meist Gema lizensierter Musik vorbehalten wurde.Dieses dogmatisierte Denken wollen wir aendern und aufklaeren.Wir geben uns keiner Diskussion hin,wie illegale Downloads ohne dabei ein legales Angebot zu schaffen.Gemeinsam mit Motor oeffnen wir den Markt und bauen das Angebot aus.Der Konsument kann sich erst Mals entscheiden,wie er unseren Content erwirbt.
    Musik sollte weiterhin das sein was sie ist.Und nicht abhaengig und oder kategorisiert werden,aufgrund ihrer Lizensierung.Leider wird diese Diskussion in beiden Welten gefuehrt,egal unter welchem Aspekt.Wir wollen keine Clubs.Keine Exklusivitaet.Wir wollen Qualiatet abliefern.Emotionen erzeugen.Bilder transportieren.Spass haben und uns mit der Technologie Internet auseinander setzen,einbringen,partizipieren,gemeinsam produzieren ohne die Gesellschaft zurueck auf Null zu setzen.

  6. Marinelli says:

    Vielleicht habe ich ja auch etwas übersehen, aber das rebellische ist die Verbindung von Majorlabel und cc-Lizenz.

    Das heißt doch konkret, das ein Majorlabel davon überzeugt wurde, daß Kopieren, Remixen usw gewünscht und gefördert wird. Das heißt auch, daß die Konzertveranstalter mit Zoe.Leela ein Majorthema buchen, für das sie explizit nichts an die Gema abdrücken müssen.

    Wenn das nicht rebellisch ist, weiß ich auch nicht….

    Und nochmal zum Thema cc und Qualität: Ich würde nicht sagen, daß die cc-Musik, die ich bisher gehört habe schlechter ist, aber ich habe den Eindruck, daß der Großteil davon typisches DJ-Futter ist. Wenn ich in einem Mix eine bestimmte Stimmung erzeugen will, finde ich jede Menge cc-Musik, die sich als tool dafür eignet. Ob diese Sachen viele Endverbraucher ansprechen werden, wage ich aber zu bezweifeln.
    Das bewerte ich bei dem Zoe.Leela-Album anders.

    Aber ich schließe mich Peter an: Wenn Du das anders siehst und auch entsprechende Musik kennst: HERMIT, bitte! Nichts wäre mir lieber, als mich mit diesem Kommentar geirrt zu haben!

  7. Subliminal_Kid says:

    Sagen wir statt „rebellisch“ einfach „Innovativ“ oder meinetwegen „avantgardistisch“ oder „unkonventionell“, dann schließe ich mich eurer Gesamtargumentation an. Ich will hier ja keine Etymologie betreiben, aber ein(e) RebellIn sollte in meinen Augen schon Leben, Freiheit oder sozialen Abstieg riskieren müssen, wenn er/sie für Veränderung eintritt…

    Schnellgoogle:

    1. To refuse allegiance to and oppose by force an established government or ruling authority.
    2. To resist or defy an authority or a generally accepted convention.
    3. To feel or express strong unwillingness or repugnance

    Nach dieser Definition habt ihr dann allerdings wieder recht…

    Ich dachte irgendwie nur, wenn man heute schon ein(e) RebellIn ist, weil man unter CC lizensiert, dann „ist die Messlatte ja nicht mehr sehr hoch“…

    Tatsächlich nehme ich für meine Dokus und Filmchen ja immer nur CC-Musik von ccmixter.org und da muss man die guten Tracks schon mit der Lupe suchen und manche Musiker lassen die wirklich guten Tracks auch nur unter Copyright raus… Zu der NC-Lizenz habe ich just in der testcard was geschrieben, demnächst auch online…

    http://www.testcard.de/

  8. nie low says:

    @David: Nach deiner ergoogelten Definition trifft Punkt 2 hier in diesem Fall zu.
    „2. To resist or defy an authority or a generally accepted convention.“

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