Herr Lehmann sucht das Glück und die neue Seite der Medallie

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Ein Kommentar von TOMPiGS.COM (Management ZOE.LEELA)

Lieber Sven Regener,

vorab, vielen Dank für Ihre emotionale Rede beim BR. Als Management einer Künstlerin, die ebenfalls zum Thema Urheberrecht öffentlich gefragt wird, kann ich Ihre Aussagen zu einem gewissen Punkt nachvollziehen.

Der rhetorische Wahnsinn, der von Vielen zu diesem Thema praktiziert wird, nervt mich persönlich mehr, als das sich ein Künstler sich bewusst zu einem Standpunkt bezieht und Farbe bekennt. Weiterhin finde ich es wichtig, die Urheber mehr in die Diskussion einzubeziehen um ihre Sicht und Bedürfnisse gemeinsam zu reflektieren. Dies passiert leider zu selten.Offensichtlich hatte selbst der BR Schwierigkeiten Künstler zu finden, die sich zum Thema ACTA öffentlich äußern möchten.

Dennoch möchte ich Sie darauf hinweisen, dass sich einiges verändert. Verlassen wir mal die Theorie und ich verweise auf die von mir eben angesprochene Künstlerin. Wie gehen Sie damit um, wenn ich Ihnen sage, daß wir das Projekt ZOE.LEELA allein mit Hilfe des Internets starteten? Das wir uns bewusst dafür entschieden haben die Musik, vorerst, kostenlos anzubieten. Und das sehr erfolgreich. Das wir mit Hilfe und dem Schutz der Creative Commons Lizenz das Filesharing im privaten Raum sogar für jeden klar deklarieren und sogar fördern. Wir agieren autark und bis auf die Tatsache, dass wir jetzt mit Motor zusammen arbeiten, organisieren wir uns tutti completti, was Show Booking-, Verlags- und Verwertungsarbeiten betrifft selbst. Das Internet bzw. die Digitalisierung ist dabei ein wichtiges Tool um wettbewerbsfähig zu bleiben, was Produktion, Vertrieb und Kommunikation betrifft. Ohne diese Möglichkeiten gäbe das Projekt ZOE.LEELA nicht in dieser Form. Die Entscheidung uns erst ein Mal kostenfrei gegenüber dem Verbraucher „vor zustellen“ war eindeutig richtig. Es gibt auch weitaus prominentere Beweise, wie z.B. das von Danger Mouse.

Kommen wir zu Ihrer Aussage “Wir sind die Gema…” Wen meinen Sie mit wir? Alle Komponisten und Textdichter?

Falsch. Nicht alle Komponisten und oder Textdichter sind Mitglied bei der GEMA und das aus den unterschiedlichsten Gründen. In unserem Fall kann ich Ihnen ganz klar sagen, wären wir Mitglied, dann könnten wir das Internet nicht weiter zu unseren und den Gunsten der User nutzen. Kling komisch? Ist aber so. Unser Spiel- und Freiraum im Umgang mit dem Netz würde sich automatisch limitieren. Wir wollen weiterhin vereinzelt Musik Stücke kostenlos anbieten ohne dabei selbst in die Tasche greifen zu müssen. Wir wollen Downloads anbieten ohne in Vorleistung gehen zu müssen. Wir haben kein gutes Gefühl wenn wir wissen, dass nur fünf Prozent der Mitglieder stimmberechtigt sind usw usw.

Ich will Ihnen Ihr gutes Gefühl als Mitglied nicht nehmen, zumal Sie und viele andere keine Auswahl zu anderen Verwertungsgesellschaften haben, zumindest in unserem Land.

Die Gema geht nun Mal nicht auf unsere Ansprüche ein. Zumindest wir selbst sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung immer mehr Raum in unserem Alltag einnimmt. Mit ihren Vor- und Nachteilen.

Leider finde ich Ihre Argumentation dass Youtube und Google millardenschwer seien, auch nicht gerade fair. Wir sprechen von einem jungen Unternehmen, dass innovativ mit der Technologie Internet Geld verdient und sich in einer freien Marktwirtschaft bewegt. Soweit ich mich erinnere, sind die Gewinne der Plattenindustrie auch nicht von schlechten Eltern.

Hier möchte ich darauf hinweisen, dass beide Vertragspartner an einer höchstmöglichen Gewinnmarge interessiert sind. Youtube hat ein Service den die Plattenindustrie nicht hat, nicht anbietet und sich nicht früh genug mit auseinandersetzte. Vorlauf, Zeit und Pulsgeber wie MTV gab es doch zu genüge. Man hätte jederzeit einsteigen können um was Eigenes etablieren zu können. Hat man aber nicht.

Bei einer Diskussionsrunde im letzten Jahr teilte ein Sprecher der Gema mit, dass Streamingdienste rein von der Logistik von Playlisten nicht zumutbar seien und man sich u.a. deshalb dem Streaming von Musik verweigert. Bitte? Was ist einfacher als durch die Digitalisierung Musik und die dazugehörigen Metadaten zu erfassen? Nun gut, dass Thema ist ja jetzt zum Glück erstmal vom Tisch. Allerdings schlackern einem die Ohren, wenn man solche nostalgischen Ansätze erfährt, die einer Kapitulation gleichkommt. Ich persönlich frage mich dann doch, wie sieht die Basis einer Verhandlung mit Youtube denn aus, wenn ich solche Banalitäten erfahre.

Erstaunlicherweise scheint das Internet als Marketing-Argumentation noch immer ein beliebtes Tool zu sein. Bei denen dann die bösen, unbezahlten, Youtube-Klicks wiederrum ihr Gutes tun um eine Story verkaufen zu können. Arctic Monkeys, Die Antwoord, Lily Allan und zuletzt Lana Del Ray, bei denen eine konstruierte Wirklichkeit geformt wird um sich synchron einem Millionenpublikum außerhalb des Internets zu präsentieren.

Ich persönlich finde es eine absolute Frechheit, sich das Internet lediglich als Mythos zu Eigen zu machen und dann wiederum nach erfolgreicher Eigennutzung gegen Alle zu ballern. Was soll das?

Sicher ist es nicht schön wenn durch Premium-Accounts etc ein Dritter am Content Anderer verdient. Da bin ich ganz klar auf Ihrer Seite. Doch sehe ich da mehr den Supermarkt in der Kritik als den Konsumenten, den Sie des Ladendiebstahls bezichtigen.

Sie sehen lieber Herr Regener, so einfach wie Sie es in dem Interview formulieren ist es nicht. Wenn eine Plattenfirma Aufgaben vertritt, die eher einer Bank gleichkommt, in dem sie lediglich verwaltet und auf der Suche nachdem größtmöglichen Profit ist. Dann sollten Sie doch auch so fair sein und ebenfalls den Judas im eigenem System zu suchen. Und nicht das Internet und die Gesellschaft pauschal an die Wand nageln. Gute Musik ist nicht von Zwischenmännern, Budgets etc abhängig, es liegt allein am Machen. Und wenn mir das Internet dabei helfen kann, super!

Denken Sie nicht auch, das egal wie Ihr Werk zu jemand gelangt, Sie als Urheber davon profitieren? Und warum haben Sie sich eigentlich nicht als Schriftsteller zu dem Thema geäußert? Was ich Ihnen vermitteln möchte, die Ansprüche und Grundlagen verschieben sich und der Club ist nicht mehr exklusiv. Menschen zahlen weiterhin für Qualität.

Ein Kommentar von TOMPiGS.COM, Management ZOE.LEELA

Foto (CC BY-NC-ND 2.0) von renaatje


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