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Martin

Hi, ich bin Journalist & Blogger und schreibe hier vor allem darüber, wie das Digitale die Gesellschaft verändert. Manchmal droppe ich aber auch einfach nur übelste Basslines oder Einhörner, die Fallschirm springen.

Verlage stecken in der Krise. Sie wissen einfach nicht, wie sie die sinkenden Anzeigenverkäufe mit vernünftigen Geschäftsmodellen im Netz kompensieren sollen. Weil es aber durchaus Firmen gibt, die einmal als Suchmaschine angetreten sind und sich jetzt zur Medienmacht aufschwingen, wollen die Verlage wenigstens ein Stück vom Kuchen abhaben. Verkauft wird die Idee unter dem Deckmantel “Leistungsschutzrecht”, kurz LSR. Es geht also aus Sicht der Verlage um das Recht, eine Leistung zu schützen. Das klingt ja eigentlich ganz vernünftig, wenn es nicht so absurd wäre. Konkret geht es dabei nämlich vor allem um die Google-Suche, bzw. Google-News.

Wer heutzutage auf der Suche nach Nachrichten ist, der steuert entweder direkt eine Nachrichtenwebsite an, SPON ist damit sehr erfolgreich, lässt sich in sozialen Netzwerken Nachrichten von seinen Freunden empfehlen oder haut bei Google in die Tasten und wird mit mehreren Nachrichten von Bild, Welt, Handelsblatt, Süddeutsche, etc. versorgt. In der Regel kann der User dann die Überschrift scannen, zumeist noch einen kleinen Teaser-Text lesen und – jetzt wird es spannend – klickt höchstwahrscheinlich auf einen der Artikel, um den ganzen Artikel zu lesen. Genau für diese Leistung von Google, wollen die Verlage jetzt Geld sehen. Die Verlage wollen also Geld von Google dafür, dass Google den Verlagen Leser auf ihre Seiten schickt. Das klingt irgendwie absurd und ein wenig hilflos.

In der Nacht zu Freitag war jetzt die erste Lesung im Bundestag. Was dabei herauskommt, steht noch in den Sternen. Es steht vor allem auch in den Sternen, wie weitreichend das Gesetz wirklich sein wird. Schließlich könnten von der Regelung auch Blogposts, Tweets und Facebook-Verlinkungen betroffen sein. Das wird noch ziemlich spannend. Gerade mit Blick auf die aktuelle Abmahnungswelle gegen Blogs ist das Gesetz auch für Blogger von Bedeutung. Natürlich sollen keine kompletten Texte aus Verlagsangeboten übernommen werden. Aber hey:

Das Internet lebt von Verlinkungen. Das Internet lebt von der Debatte. Das Internet lebt davon, auf andere Texte, Bilder, Grafiken, Videos, Musik, wasever Bezug zu nehmen. Das ist das Internet. Natürlich wird dabei die Quelle angegeben. Aber es kann doch nicht sein, dass die wunderbare Welt des Remix, die gelebte Mediendemokratie, das Teilen von Wissen, das Weitergeben von Inhalten nur deshalb ein jähes Ende erfahren soll, weil Verlage nicht wissen, wie sie im Netz Geld verdienen sollen. Ich kann schon die Horde an Abmahnanwälten vor mir sehen, die im Auftrag der Verlage standardisierte Briefe aufsetzen und sich die Finger lecken – um sich danach die Augenbraunen zu schniegeln.

Update, 11:15: Die Frage lautet, was ist kommerzielles Bloggen. Wo fängt das an, wo hört es auf?

Wer bei dem Thema weiter auf dem Laufenden bleiben will, dem empfehlen wir folgende Artikel, Blogs und Twitterati

Leistungsschutzrecht stoppen! from D64 on Vimeo.

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