Delaytantenstadl
Daniel Bröckerhoff

mache irgendwasmitmedien und sonst liebend gern samba.

DelaytantenstadlBild: Delaytantenstadl

Ich mochte Jan Delay und Die Beginner vom ersten Moment als das nasale „Ihr wollt ein Liebeslied, ihr kriegt ein Liebeslied“ aus dem Radio in meine Zivildienstwohnung quäkte.

Als Eißfeldt Jahre später ein Reggaealbum (die Älteren erinnern sich) aufnahm, war ich völlig geflasht. Deutscher Reggae – wie geil war das denn bitte? Doch dann folgten ein Soul- und ein Funk-Album und mir wurde sein Konzept klar.

Keine Frage: Die Idee „Ich mache jedes Album nach einer populären Musikrichtung und verkaufe es als Innovation“ ist so genial simpel und so kreativ langweilig, das muss einfach funktionieren. Keinem tut die Musik weh, sie ist zum Mitwippen und -gröhlen gemacht und verträgt sich daher 1a mit Juli oder anderen NullachtfuffzehnBands.

Dabei darf man nicht verkennen: Sie ist professionell geschrieben und produziert und es steckt soviel Eißfeldt drin, dass es gerade nicht mehr als Kopie durchgehen kann. Der Mann ist ein guter Mucker, dafür hab ich Gewährsleute, die mit ihm auf Tour waren.

Aber er ist für mich mittlerweile der Bausparvertrag unter den deutschen Musiker: Pragmatisch, praktisch, verläßlich, irgendwie spießig und das ist dann ja wieder so herrlich retro und ironisch. Aber Kunst ist das nicht.

Der gerade erschienene Song ist so eingängig wie alle Eißfeldt-Tracks davor. Und klingt auch fast so, nur halt jetzt gemischt mit Rock. In den Neunzigern sagte man übrigens „Crossover“ dazu. Sogar „Die fantastischen Vier“ nahmen damals so ein Album auf (mit Megalomaniac, die Älteren erinnern sich).

Dagegen war die Deichkind-Neuerfindung eine musikalische Revolution. Eißi ist hingegen mittlerweile so revolutionär wie Magerquark. Alles in allem gute Gebrauchsmusik für den „Ich hör gern das, was im Radio so läuft“-Musikliebhaber. Früher sagte man auch „Schlager“ dazu. Fazit: Gähn.

Aber ihn wird es reich machen, denn die Reeperbahn-Spacken werden drauf abgehen. Und die sind nun mal in der Mehrheit. Wie war das nochmal? „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ (die Älteren erinnern sich)? Lang, lang ist’s her.

Ich freu mich schon auf „Jan Delay – Balkanbeats“, „Eißfeldt und die Volksmusik“ und den Techno-Jan featuring Scooter. Und frage mich insgeheim, wie Eißfeldt wohl klingen würde, würde er mal einen eigenen Musikstil finden, statt lediglich wohletablierten Mainstreamstyles seinen nasalen Stempel aufzudrücken.

Jan-Delay-Friedhof-der-KuscheltiereDie Replik zu diesem Beitrag von Daniel Köhler: „Jan Delay – Friedhof der Kuscheltiere // Eine Geschichte vom Loslassen

share on twitter
NICHTS VERPASSEN - FOLGE UNS!
           
  1. thomas says:

    „Ich mochte Jan Delay und Die Beginner vom ersten Moment als das nasale “Ihr wollt ein Liebeslied, ihr kriegt ein Liebeslied” aus dem Radio in meine Zivildienstwohnung quäkte.“

    “ Alles in allem gute Gebrauchsmusik für den “Ich hör gern das, was im Radio so läuft”-Musikliebhaber.“

    du beklagst dich, dass aus radiomusik, oh schreck, radiomusik geworden ist?

  2. Marc says:

    Ich teile nicht unbedingt Deine Meinung, aber ich möchte zum Reggae-Album noch hinzufügen, dass mir die Texte damals doch wesentlich besser gefallen haben als heute.

    PS: Das Delaytantenstadl Bild ist großartig!

  3. Flasheck says:

    „Ich mochte Jan Delay und Die Beginner vom ersten Moment als das nasale “Ihr wollt ein Liebeslied, ihr kriegt ein Liebeslied” aus dem Radio in meine Zivildienstwohnung quäkte.“

    Hmm…. Und die Flashnizm war dann wohl nicht so dein Ding weil keine Chartlompatible Hitsingle a la „Liebeslied“ drauf war???

    Sorry aber du widersprichst dir arg selber. Das von dir so gefeierte Reggaealbum vom Jan kam genau zu der Zeit als Teutonischer Reggae gerade dabei war groß zu werden… Gut wenn das dem persönlichen Geschmack entspricht feiert man das, schon klar. Jetzt hat der Gute Jan verschiedene Genres durch, auf die er vermutlich Bock hat, haut jetzt in die Rock-Kerbe, das magst du nicht, und wirfst ihm deshalb Sell Out vor? Wicked! :D

    Ergänzend möchte ich noch erwähnen das so mancher Artikel in letzter Zeit, gerade die der neueren Rebellen, sehr an Qualitätsmängel leiden… Sorry wenn ich so hart mit euch ins Gericht gehe aber das hat halt teilweise schon deutsche Vice Niveau… Sehr Schade!!!

  4. Jens says:

    Ich sehe es auch eher wie Marc,
    wie Eisi klingt wenn er komplett „sein“ Ding macht wird das Beginner Album zeigen.
    Als Konzept empfinde ich die Entwicklung prakmatisch gelungen. Der Vergleich zu den Fantas mit Megalomaniax hinkt etwas – hier war war es eher Richtung Hardcore – als Megavier ( immerhin Platz 21 laut MediaControl). Jan unterscheidet sich da schon noch und kommt in diesem Konzept besser weg als damals die Fanta4, welche nur den Hype um Crossover in den 90ern nutze. Es schwingt mehr Ironie in den Texten mit und der Spagat zwischen Mainstream und Inhaltsfülle/Aussage stimmt noch)

    Eine Fortsetzung dieser Konzepte würde ich ihm (wenn ich A&R wäre) nicht mehr raten (FullAck), jetzt müssen wieder Beginner ran – die Hoffnung ist noch vorhanden.

  5. James says:

    Yo,
    Leider ist das eine völlig falsche Einschätzung der Musik von Jan. Davon mal abgesehen das deichkind nun wirklich in jeder Hinsicht der Musik von Delay nicht das Wasser rechen kann. Jan Delay ist von Grund auf Kool und hat eine richtige Einstellungen zum Leben… Fahr immernoch Bahn, fahr immernoch schwarz.. Der Musikstil ist halt das Vehikel. Kauf Dur das Album, sync es auf dein smartphone.. Nach 2-3 Jahren verstehst du das dieser Artikel Käse war.

kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *