Martin

Hi, ich bin Journalist & Blogger und schreibe hier vor allem darüber, wie das Digitale die Gesellschaft verändert. Manchmal droppe ich aber auch einfach nur übelste Basslines oder Einhörner, die Fallschirm springen.

too long, didn`t read: Weder der User (Web 2.0 Hurra!), noch der Journalist entscheiden darüber, welche Informationen den Leser erreichen sollten – das machen die Milliarden-Dollar-Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley via Algorithmen. Und wir Journalisten tun momentan alles dafür, uns in diese perverse Abhängigkeit zu stürzen.


Dieser internetzentristische Dauer-Konkurrenzkampf geht mir zunehmend auf den Saque. Das Problem: Egal wie sehr man sich anstrengt, am Ende gewinnen immer Facebook, Twitter und Google.

Ich arbeite beruflich als Redakteur beim ZDF in der Redaktion von heute.de. Dort kümmere ich mich um den steten Infostrom von Reportern, Agenturen und Social Media, sowie deren Aufbereitung und Verbreitung auf der Website, sowie in den sozialen Netzwerken.

Das ist mein Job. Wenn wir das Jahr 2005 schrieben, wäre hiermit meine Tätigkeit ausreichend beschrieben. Wir befinden uns aber im Jahr 2014 und mitten in einer Zeit, die InternetSocial-Media-Jünger als Informations-Revolution beschreiben. Und das hat Konsequenzen.

Wir nennen es Arbeit

Parallel zu meinem Job beim ZDF bin ich als Journalist-Privatperson-Hybrid auf Twitter unterwegs. Dort schreibe ich unter @martingiesler vornämlich Tweets rund um die Zukunft des Journalismus/Medien. Darüber mache ich mir freiwillig und im Charakter eines Zweitjobs Gedanken. Über 5.500 Follower und 1.000 Email-Abonnenten goutieren das.

Darüber hinaus betreibe ich mit Freunden aus Berlin zusammen dieses Blog hier zu News, Musik, Medien und Webkultur. Die Blogrebellen sind ein durchaus weitreichenstarkes und gut organisiertes Kollektiv, das mir die Möglichkeit bietet, all die Learnings zur Zukunft des Journalismus/Medien schnell auszuprobieren.

Ferner bin ich Herausgeber des Social Media Watchblogs, das ich im Jahr 2013 kurz vor den Snowden-Enthüllungen mit meinem Schweizer Journalisten-Kollegen @KonradWeber gegründet hatte, um Social Media kritisch zu beobachten und der oftmals viel zu wohlwollenden Berichterstattung der Techblogs etwas entgegenzusetzen. Mittlerweile ist das Watchblog zu einer Mehrautoren-Plattform gereift.

Zusammengefasst arbeite ich also durchschnittlich 8.5 Stunden pro Tag für das ZDF und davor und danach noch einmal gute 4-5 Stunden an den anderen Projekten. Macht also insgesamt rund 13 Stunden pro Tag – wir nennen es Arbeit. Aber eigentlich füttern wir die ganze Zeit nur die Monster.

Warum mache ich das?

Warum tue ich mir diesen Stress an? Warum lasse ich es nicht einfach bei dem 8.5-Stunden-Tag bewenden und all die anderen Projekte gut sein? Was macht für mich diese Faszination aus? Was ist meine Motivation dahinter? Warum komme ich gerade jetzt zu dem Punkt, mir darüber Gedanken zu machen? Was bringt es mir? Warum störe ich mich jetzt auf einmal daran?

Wer sich einmal mit der Zukunft der Medien und des Journalismus beschäftigt hat, kommt zu dem Schluss, dass einerseits mittels der neuen Kommunikations-Werkzeuge jeder zu jeder Zeit ein Millionenpublikum erreichen kann und andererseits dadurch aber auch jeder mit jedem zu jeder Zeit in Konkurrenz zueinander steht.

Theoretisch könnte also jeder, der sich gerade einen Twitter-Account zulegt, mit einer absolut großartigen Geschichte die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen. Praktisch ist es dann doch eher so, dass auch in den sozialen Netzwerken Filterbubbles entstehen, die durch neue Formen von Gatekeepern verwaltet werden.

Ohne Reichweite, keine Chance

Wer nicht eine entsprechend große Reichweite in den sozialen Netzwerken genießt, wird nicht beachtet. Die Mär von der Möglichkeit, dass die sozialen Netzwerke zu einer pluralistischen Debatte beitragen, wird gern und beständig von InternetSocial-Media-Jüngern wiederholt, nur empirisch nachgewiesen wurde es noch nicht. Das Internet ist einfach überlegen – so der rote Faden der Es-kommt-aus-dem-Internet-also-ist-es-besser-Erzählung.

Dass heute die Mehrzahl der Informationshungrigen über die sozialen Netzwerke Informationen konsumiert, ist hingegen mehrfach belegt (etwa hier, hier oder hier) und auf der einen Seiten natürlich total toll (Yay, Sender-Empfänger-Modell durchbrochen), auf der anderen Seite aber nicht im geringsten so selbstbestimmt, wie uns das die Claqueure der sozialen Netzwerke unaufhörlich einreden wollen.

Für meine tägliche Arbeit bedeutet das also, dass ich mir Reichweite aufbauen muss, um gehört zu werden. Ansonsten kann ich es auch gleich sein lassen, mich in den sozialen Netzwerken zu äußern – oder noch schlimmer: als Journalist generell Geschichten zu erzählen. Reichweite wiederum baue ich mir über gute Inhalte und aktives Kommunizieren dieser Inhalte auf. Für diese guten Inhalte muss ich recherchieren und stets aktuell informiert sein. Das kostet Zeit – und Nerven.

Dazu kommt der Druck, dass sich das Aufbauen von Reichweite bei Twitter und Facebook so verhält, dass mittelfristig nur der bekommt, der schon hat. Nicht anders jedenfalls ist zu erklären, dass sich über die letzen Jahre in Social-Media-Deutschland kaum neue Köpfe etablieren konnten. Und wer als Journalist nicht heute bereits eine solide Follower-Basis von mehreren Tausend Menschen aufgebaut hat, der wird es auch in den kommenden Monaten und Jahren wahrscheinlich nicht schaffen. Zu groß ist der Lemming-Effekt. Zu groß ist die Sättigung an Meinungs-Mandatsträgern auch hier erreicht. Pluralität hat klare Grenzen.

Mit 5.500 Followern auf Twitter gehöre ich in Deutschland unter den Journalisten schon zu den „Top-Marken“ im Netz. Mit Blick auf die niedrige Anzahl ist das natürlich ein Witz (Twitter-Deutschland ist ein Dorf). Aber bezugnehmend auf all die anderen Journalisten mit durchschnittlich 300 Followern und wenig Luft nach oben, sind 5.500 Follower ein echtes Pfund. Völlig absurde Aufmerksamkeitsökonomie.

Facebook, Twitter und Google gewinnen immer

Wenn wir uns also vor Augen führen, dass Journalismus den Leser künftig vor allem über soziale Netzwerke erreichen wird, dann kommen wir unweigerlich zu dem Schluss, dass Journalisten sich den Spielregeln der Platzhirschen Faebook, Twitter und Google unterwerfen: Reichweite aufbauen, Social-Media-Optimiert texten, exklusive und originäre Inhalte auf ihren Plattformen stattfinden lassen.

Zudem werden einem als Journalist heute Kontrollmöglichkeiten an die Hand gegeben, um zu überprüfen, welche Inhalte und welche Journalisten wie gut performen. 8 Likes für einen Artikel? Lachhaft. 4 Retweets? Fahr nach Hause! Was gut performt, entscheiden die Giganten aus dem Valley mit ihren Algorithmen. Alles wird auf maximale Verwertbarkeit getrimmt. Schwarz und Weiß. Die Debatten, die ich erlebe, kennen nur wenige Farben.

Ich werde als Journalist also zermürbt zwischen der ständigen Selbstkontrolle via Statistik-Tools, dem internationalen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeiten und der niemals endenden Informationsflut. Und wehe es wird ein Nano-Informationsbröckchen nicht berücksichtigt oder drüber berichtet. Journalismus passiert heutzutage viel zu selten, um wirklich Informationen zu transportieren als vielmehr um im steten Strom an Informationsgier oben zu schwimmen – wer nicht den Facebook-Algorithmus bezwingt, findet nicht statt.

Die Monster füttern

Mir kann keiner erzählen, dass die Milliarden-Dollar-Konzerne aus Kalifornien nicht Hundertschaften von Psychologen genau darauf ansetzen, an dieser spieltheoretischen Schraube immer weiter zu drehen. Und zwar solange, bis wir Journalisten komplett am Tropf der sozialen Netzwerke hängen und nur noch durch eine ordentlich Dosis Likes/Tweets/Plusse so etwas wie Leben spüren und Facebook-konforme Artikel schreiben, weil uns sonst keiner mehr liest.

Wir haben keine Antworten auf diese Herausforderungen – und ja, ich habe mir gefühlt Tausend Artikel zu dem Dilemma durchgelesen. Die Antworten aus dem Internet lauten: mehr Internet. Die immergleichen Köpfe, die sich zur Zukunft der Medien zu Wort melden und das Mantra – alles aus dem Internet ist besser – aufsagen, sind häufig diejenigen, die den etablierten Medien resignierend den Rücken gekehrt haben, gegangen worden oder gar mittlerweile gleich damit ihr Geld verdienen, Facebook und Co als Segnung der Moderne für gutes Geld an den Verlag zu bringen.

Mir geht dieser internetzentristische Dauer-Konkurrenzkampf ziemlich auf den Saque. Und ich kann nicht erkennen, dass er mir, meiner Filterbubble oder dem Journalismus insgesamt wirklich gut tun würde. Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich als Journalist in diesem Spiel immer verlieren werde und Facebook, Google und Twitter immer gewinnen.

Aktuell tue ich alles dafür, dass es genau so kommen wird.

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  1. dos says:

    Mir geht auch etwas auf den Saque. Dieses ewige Gerufe nach Markenbildung. Ein Journalist ist keine Marke, zumindest nicht in der Regel. Es geht hier darum ein Handwerk zu beherrschen und dazu gehört, dass die Geschichten und nicht die Person selbst im Vordergrund steht. Das verpönte „Ich“ in Texten hat schon seinen berechtigten Sinn.

    Der Kampf um Reichweite in den Netzwerken macht Objektivität und damit Qualität zunichte. Wir Journalisten sollten uns nicht um die Finanzierung und auch nicht um die Vermarktung des Journalismus kümmern müssen. Das nennt man Arbeitsteilung – ganz oldschool.

  2. Baba says:

    „Wir haben keine Antworten auf diese Herausforderungen“

    Nicht? Kollektiv abmelden, Share-Buttons entfernen und regulär auf der eigenen Website stattfinden, fertig.

    Statt auf Likes mehr Energie auf Qualität setzen, dann kommen die Likes von ganz alleine.

    Qualität findet immer ihre Abnehmer.

  3. drikkes says:

    Da gilt es halt, ein gutes Mittelmaß zu finden. Man kann nur hoffen, daß die Leute es merken, sobalb ein Journalist sich dermaßen um Vernetzung/Verbreitung kümmert, daß die eigentlichen Inhalte darunter leiden. Für mich als Leser ist das jedenfalls sehr angenehm, um sich die Rosinen herauszupicken, beispielsweise bei Platten- oder Filmkritiken. Da kennt man seine Pappenheimer und ihren Geschmack.

    Was andererseits natürlich zur Filterblasenbildung einlädt. Ein bißchen mehr Vertrauen auf das Gespür der Rezipienten kann da allerdings nicht schaden. Die euphorischen Netzbejubelperser weiß man in der Regel dann doch richtig einzuschätzen. Und diese klicksheischenden Upworthy-Headlines etwa ignoriere ich schon länger aus Prinzip.

    Solange man weder jede technische Neuerung als Sargnagel zum Printtod in den Himmel hebt, noch in mediale Dauernostalgie verfällt, wird nichts so heiß gegessen, wie es aufgekocht wird. Aber daß sagt sich als Leser wahrscheinlich wesentlich einfacher, denn als jemand, der seinen Lebensunterhalt mit diesem Journalismus bestreitet.

  4. martin says:

    Hi Drikkes, mir geht es bei der ganzen Betrachtung ja eigentlich auch weniger um mich, sondern eher um die Monster, die wir als Gesellschaft, als Journalisten und privat züchten. Das ist das eigentlich Problem. Da dürfen wir uns am Ende nicht beschweren, wenn wir uns alle ganz massiv anstrengen, die Monster zu füttern.

  5. majestyx says:

    Brainfuck?!

    wenn mensch den Artikel zu ende gelesen hat, scrollt mensch nach unten und sieht: „auf fratzenbuch/twitter teilen“ hä? – Warum nicht diaspora oder pump.io/identi.ca ?! – achso die reichweite… ja, wenn KEINER (wie ihr journalien!) mitmacht – wo solls den herkommen bitteschön? seit JAHREN wünschen wir uns community content für freifunk(netzwerke) ….

    ach, und noch was zu ZDF & ARD und den anderen „öffentlichen“ – das Ihr jahrelang die FREIE SOFTWARE ignoriert, damit hab ich mich ja abgefunden. aber nun auch noch difamieren? – auch FLOSS user zahlen rundfunkgebühren?!

    also, aufhöhren mit dem selbstmitleid, und statt „die monster“ weiter zu füttern mal SELBER „monster“ (auf) bauen! ….

    justmy5bitcoins

  6. Wir sind Funk says:

    Facebook, Google, Twitter gewinnen. Das stimmt, wir füttern sie mit unserer Präsenz und mit unseren Inhalten zum Nulltarif.

    Aber wenn wir schon über Medienmonster sprechen: Umso wichtiger wäre ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der alle Rundfunkbeitragszahler gleichermaßen und angemessen zufriedenzustellen kann und nicht nur 60+, die Politik und aufgeblähte Bürokratien. Immerhin knallen wir Beitragszahler da 7,5 Milliarden p.a. rein – und wenn man nicht zum Segment der älteren Vielseher und -hörer gehört, bekommt man da wenig raus.
    Ein entlobbysierter und entpolitisierter Rundfunk, in dem die Beitragszahler mitentscheiden, könnte die Bedürfnisse seiner Anteilseigner (sprich der Beitragszahler) wesentlich besser erfüllen und anderen Monstern entgegensteuern. Das käme auch den Medienschaffenden zu Gute.

  7. JMK says:

    „Mir kann keiner erzählen, dass die Milliarden-Dollar-Konzerne aus Kalifornien nicht Hundertschaften von Psychologen genau darauf ansetzen,“
    Gibts dazu auch Belege?

  8. aleglo says:

    Hmm, klingt für mich nach jammern auf hohem Niveau. Keiner zwingt dich nach knapp neun Stunden ZDF noch zu recherchieren, zu bloggen und in Selbstmitleid zu baden. Für mich klingt der Artikel nicht nach „die bösen Monster : Facebook, Google, Twitter“ sondern nach. „Warum hab ich nur 5000 Follower und warum werde ich für meine tolle Arbeit nicht gebauchpinselt?“

    Du hast nen wahrscheinlich tollen Job als Redakteur beim ZDF und nach nem stressigen Tag im Büro empfehle ich ne Runde joggen, ausgehen, ins Kino gehen oder einfach mal auf der Couch abhängen. Lass die Monster im Wandschrank, lösche deinen Twitter Account (ist eh alles böse da). Lösche dich bei Facebook und lebe glücklich bis ans ende aller ReTweets.

    Einen Lieben Gruß, und nimm es nicht so schwer.
    Alex

  9. martin says:

    Hi Aleglo, ich glaube, dass Du die Tragweite meines Jammerns nicht ganz verstanden hast. Ich will nicht gebauchpinselt werden. Ich will, dass wir den Journalismus nicht an Facebook und Co verraten. Aber anscheinend ist das eine Diskussions-Ebene, die bei Dir nicht ankommt, weil Du dafür noch kein Problembewusstsein entwickelt hast oder wir Journalisten es eben noch überhaupt nicht ausreichend als Problem dargestellt haben. Aber genau daran sollten wir Journalisten arbeiten – und nicht nur fleissig den Spielregeln der Tech-Giganten nacheifern.

  10. th0rs says:

    Von so einem Leben zwischen „Schaut her!“ und „Wie viele schauen?“ wäre ich auch genervt, aber deshalb den Brettern die Schuld geben, auf denen Du stehst? Das Problem verbirgt sich doch eher im Aufmacherbild ;)

  11. Socialdread says:

    Salut Martin, ich habe deinen Beitrag nun zweimal komplett gelesen, was für einen Internettext ziemlich häufig ist :) Trotzdem ist mir nicht klar, was genau du sagen oder bewirken möchtest.

    Ich halte es für vollkommen normal, dass sich Journalisten an aktuellen Entwicklungen orientieren. Und wenn die Leser / Zuhörer / Zuschauer nun mal bei den Riesen sind, sollten sie sich mit den Riesen arrangieren.

    „dass Journalisten sich den Spielregeln der Platzhirschen Faebook, Twitter und Google unterwerfen: Reichweite aufbauen, Social-Media-Optimiert texten, exklusive und originäre Inhalte auf ihren Plattformen stattfinden lassen.“

    Korrigiere mich gern, aber ist es nicht auch vor Internet und Social Media schon so gewesen, dass jede Zeitung exklusive und originäre Inhalte bieten wollte, um sich abzuheben und Leser zu gewinnen? Und das zu diesem Zweck Titel, Untertitel und Fotos optimiert wurden? Damals halt noch für den Kiosk, heute eben für Social Media und Internet (dieszüglich ein toller Artikel: http://www.lousypennies.de/2014/02/25/fuer-google-schreiben-heisst-fuer-den-leser-schreiben/). Gut, der Unterschied ist, dass der potentielle Leser am Kiosk alle Angebote sehen kann, im Internet hingegen häufig nur die optimierten. Wobei selbst am Kiosk einige Zeitungen präsenter platziert werden als andere. Dazu kommt dann noch Budget, um Reichweite via Ads zu kaufen. Aber dieses Budget gibt es auch für Außenwerbung.

    „Zudem werden einem als Journalist heute Kontrollmöglichkeiten an die Hand gegeben, um zu überprüfen, welche Inhalte und welche Journalisten wie gut performen.“

    Das ist der Hauptgrund, weshalb ich online arbeite: Kontrollmöglichkeiten. Ich stelle mir das Leben eines Druckjournalisten ein bisschen traurig vor, der immer schreibt, aber nie weiß, wie viele Leute seine Sachen lesen. Denn letztendlich sollte der Journalist für seine Leser schreiben und nicht für sich persönlich. Und wenn er ein Herzensthema hat, das nachweislich niemanden interessiert, dann hat er immerhin die Möglichkeit, darauf aufmerksam zu werden.

    „Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich als Journalist in diesem Spiel immer verlieren werden und Facebook, Google und Twitter immer gewinnen werden. “

    Dass Facebook, Google etc. gewinnen, ist klar. Aber warum verlierst du als Journalist? Mit ein paar zeitgemäßen Optimierungen gewinnst du die von dir gewünschte Reichweite und Leser, die dich vorher vielleicht gar nicht kannten.

    „Wir haben keine Antworten auf diese Herausforderungen …“

    Ein Vorschlag für 2015: Schaltet alle Social Plugins hier ab. Stellt eure Social Media Kanäle ein. Setzt Blogrebellen auf noindex – und guckt mal, was passiert. Fände ich sehr spannend und rebellisch. Da ihr hier eh nicht kommerziell arbeitet, könnt ihr nur Reichweite verlieren, was höchstens das Ego angreift ;)

  12. martin says:

    Hi Socialdread, Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Mir wird mit Blick auf die Kommentare immer klarer, dass das Problem, das ich in meinem Blogpost beschreibe, für viele Nicht-Journalisten überhaupt nicht klar ist oder gar: nicht existiert.

    Es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wie lange gibt es noch Journalismus, der nicht von einem Milliarden-Dollar-Technik-Konzern aus dem Silicon Valley bestimmt wird.

    Zur Zeit erleben wir überall, dass sich der Journalismus vermeintlich dem Leser/User öffnet, indem der User per Social-Media-Button darüber abstimmt, was ihn interessiert. Web 2.0, Hurra.

    Das ist aber nur eine verzerrte Wahrheit. In Wirklichkeit bestimmt nicht der User, sondern das Social-Media-Unternehmen via Algorithmen, über welche Inhalte der User überhaupt abstimmen kann – sprich, was bei ihm im Newsfeed auftaucht…

    Und um dort aufzutauchen, wo die Leute sind, nämlich bei Facebook/Twitter/etc. muss der Journalismus/der Journalist sich den Spielregeln von eben Facebook/Twitter/etc. unterwerfen – und den Journalismus so anbieten, dass ihn die Algorithmen lieb haben.

    Und aktuell ist es so, dass wir Journalisten uns mitten in dieser Entwicklung befinden und alles daran setzen, dass wir uns in diese Abhängigkeit stürzen – und uns damit selbst ein Grab schaufeln.

    Das ist das Problem.

  13. th0rs says:

    Ich denke das Problem ist, dass der Artikel interessant und sehr persönlich anfängt, in der Diskussion kommt von Dir dann aber nur „Facebook und Twitter sind zu mächtig – Problem!“. Man muss kein Journalist sein, um das komisch zu finden. Denn das ist ja allgemein bekannt. OK das sind Monster, aber warum fütterst DU sie? Warum muss das sein?

  14. martin says:

    Hi th0rs, warum ich sie füttere, dürfte der Artikel erklärt haben. Und warum ich den Artikel schreibe? Weil ich Journalist bin und auf dieses Thema aufmerksam machen möchte. Wenn wir uns alle hinsetzen und sagen: Och ja, die sind halt total mächtig, wo istdas nächste Mixtape, dann kommen wir nicht wirklich weiter. Die User müssen sich über dieses Thema sehr viel klarer werden als das bislang der Fall ist. Und deshalb freue ich mich riesig, hier auf dieser Plattform mit Dir und den anderen diese Diskussion zu führen.

  15. Wir sind Funk says:

    „Und um dort aufzutauchen, wo die Leute sind, nämlich bei Facebook/Twitter/etc. muss der Journalismus/der Journalist sich den Spielregeln von eben Facebook/Twitter/etc. unterwerfen – und den Journalismus so anbieten, dass ihn die Algorithmen lieb haben.“

    Ja, Journalisten müssen sich deb Spielregeln der Verbreitung unterwerfen. Es ist bitter, dass die Monster gratis gefüttert werden und mehr oder weniger als einzige daran verdienen, allerdings sind die durch Facebook, Google, Twitter etc. diktierten Regeln immer noch näher am Mediennutzer orientiert als die herrschenden Regeln der klassischen Medien. Beim TV führt der Quotenwahn dazu, dass sich beispielsweise die Öffentlich-Rechtlichen trotz der Beitragspflicht für alle nahezu ausschließlich auf das geriatrische Segment der Intensivseher und -hörer ausrichten, um nicht noch mehr an Marktanteilen zu verlieren: Über 30% der Zuschauer machen mit einer durchschnittlichen Sehdauer von über acht Stunden am Tag über 80% des TV-Konsums aus. Sie zeichnen sich durch ihr fortgeschrittenes Alter, durch relativ geringe Einkommen und Bildungsstände aus.

    Wurde der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender eigentlich von einem Algorithmus, den Zuschauern oder von den im Fernseh- und Verwaltungsrat bestimmenden Parteien abgesetzt, weil er den Journalismus nicht so anbot, dass ihn die Politiker lieb hatten?

  16. martin says:

    Hi Wir Sind Funk, Deiner Beschreibung, dass die ÖR häufig das senden, was uns nicht ineressiert, kann ich durchaus etwas abgewinnen. Nur: Facebook und Co sind gar nicht daran interessiert, dass überhaupt Journalismus passiert. Ihnen geht es lediglich darum, dass die User auf Ihrer Seite Zeit verbringen.

  17. Wir sind Funk says:

    Hi Martin, klar, es geht ihnen, wie allen werbefinanzierten Medien, um Reichweite und Kontakte, die sie an Werbetreibende verkaufen können. Wie sie die Reichweiten und Kontakte herstellen, ist ihnen vollkommen egal. Das Perverse am Geschäftsmodell FBs, Googles etc. ist, dass die Ersteller der Inhalte weniger profitieren, also kaum bis gar nichts von den durch sie ermöglichten Werbeeinnahmen abbekommen (ein Ausbeuter-Geschäftsmodell), wenn man mal vom Traffic absieht, den Inhalteerzeuger, also auch Journalisten, durch FB, Google auf ihre Plattformen erzeugen können, und dann dort auf ihren Plattformen bei ausreichender Reichweite zu Geld machen können, was allerdings den Wenigsten so gelingt, dass sie davon leben können. Die Algorithmen bevorzugen dann die Inhalte, die sich besser bezahlt machen, Netzwerkeffekte begünstigen die Inhalteanbieter, die schon einigermaßen etabliert sind, durch Follower etc.
    Also gilt es zu überlegen, wie sich unter diesen Bedingungen guter Journalismus und gute Inhalte schaffen lassen, so dass die Inhalteerzeuger auch davon leben können. Eine Rolle dabei spielen 7,5 Milliarden € Rundfunkbeitragseinnahmen p.a., die in einem obsoleten System versickern, und zwar so, dass sie die Bedürfnisse der meisten Beitragszahler kaum zu erfüllen vermögen.

  18. Jens Best says:

    RSS-Feed und die Auswahl derjenigen, denen ich auf Twitter zuhöre und nur denen ich in Interaktion trete, entscheide ich, kein Algorithmus. “Filterbubbles“ gab’s auch vor dem Internet schon. FAZ, Bild, FR – alles “Filterbubbles“, die von journalistischen Gatekeepern gestaltet wurden. Wenn diese gut waren, haben sie den Leser einen Blick über verschiedene Tellerränder gezeigt, wenn die schlecht waren, hiessen sie BILD. Die Kneipenrunde, die eigene Sportmannschaft, die Skatrunde, alles “Filterbubbles“, die auch durch soziale Auswahl gestalteten. Wenn sie sich aus selbstbewussten und gebildeten Bürgern zusammensetzten, konnten sich dort unter gegenseitigem Respekt (meist) ein Pluralismus von Meinungen entwickeln. Musikantenstadl, “Wetten, dass…“und die Tagesschau – “Filterbubblen“ großdeutscher Kultur- und Informationslagen, prädigitale mediale Kontrollwerkzeuge der diskursiven Großwetterlage im Land.
    Was ich sagen will, Martin, deine versuchte Kritik am Internet ist geschichtsvergessen und deswegen wenig bereichernd. Das kannst Du besser, oder?

  19. martin says:

    Hi Jens, Danke für Deine Ergänzungen, die ich alle so in den Text mit aufnehmen würde – ohne jede Frage.

    Allerdings kritisiere ich nicht das Internet, sondern die Schnittmengen von Journalismus und US-Tech-Konzernen, die kein Interesse an Journalismus, sondern an Macht und Geld haben – oder der Vernetzung von Menschen, wie sie es ausdrücken würden.

    Sicherlich haben auch Tagesschau, FAZ und Bild Interesse an Macht und Geld, jedoch mit einem journalistischen Auftrag versehen. Ob man diesen Auftrag goutiert, kann jeder für sich selbst entscheiden.

    Heute ist es aber so, dass im Zweifelsfall Facebook entscheidet, über welche Inhalte die User dann entscheiden dürfen. Das ist nicht selbstbestimmter (Web 2.0 Hurra!), sondern noch rückwärtsgewandter.

  20. Jens Best says:

    @Martin
    in aller Kürze: Dann würde ich dich wegen journalistischer Korrektheit doch bitten von “Facebook-Jüngern“ zu sprechen.
    Ich setze mein Werkzeug Internet weitestgehend ohne Kontrolle von “US-Tech-Konzernen“ ein. und es ist die Aufgabe von guten “Internetvermittlern“ aufzuzeigen, wie das Werkzeug Internet selbstbestimmt und aufgeklärt eingesetzt werden kann – individuell und gesellschaftlich. Deine versuchte Kritik ist so pauschal und undifferenziert, da könnte man auch gleich den Enzensberger zur besseren Internetnutzung befragen.

  21. martin says:

    … bevor Du meinen Text mit Enzensbergs Text vergleichst, habe ich Internet-Jünger in Social-Media-Jünger geändert. Mit Kritik muss man ja auch was anfangen… Deinen beleidigenden Unterton höre ich nicht, ist ja das Internet hier.

  22. Jens Best says:

    @Martin

    1. Es gibt auch Social Media Werkzeuge, die frei sind von Kontrolle durch unklare Algorithmen oder gar “niederträchtigen“ US-Techkonzernen.
    Dein Artikel bleibt wohlfeil.
    2. Du hörst keinen “beleidigenden Unterton“, weil da keiner ist. ;)

  23. ben_ says:

    Aus aufrichtiger Neugier: Was unterscheidet Deiner Meinung nach die Aufmerksamkeitskonzerne von heute wie Facebook, Twitter und Google von den Aufmerksamkeitskonzernen von gestern, wie Axel Springer, Holtzbrinck und Bertelsmann (und den Öffentlichrechtlichen, die ja von ihrem Wesen her, alle Nachteiles eines Konzernes mit allen Nachteilen einer Behörde verbinden)?

    Warum ich frage: Ich für meinen Teil kann nicht erkennen, dass die Aufmerksamkeitsökonomie in der Zeit vor den Netz wesentlich pluralistischer war. So lange ich denken kann (und als Jahrgang ’75 gibt’s da noch einiges an Zeit vor dem Internet), steht die taz mit dem Rücken an der Wand, arbeiten bei den Intro Idealisten und ist von den 11Freunden wohl keiner Millionär geworden – kurz, war es außerhalb der großen Häuser schwer wahrgenommen zu werden.

    Dass die neuen Herren der Aufmerksamkeitsökonomie ihre Wurzeln nicht mehr in der Publiziskitk haben sondern in der Technik, mag für Journalisten ärgerlich sein. Aber an der Mechanik, dass Konzerne den Markt beherrschen und danach streben, alle Marktwirtschaft abzuschaffen und Mitarbeiter zu Kunden soweit zu versklaven, wie das in unserer Gesellschaft noch verschleierbar ist – daran hat sich nicht das geringste geändert. Nur die Firmensitze und die Stellenausschreibungen haben sich etwas geändert.

    Woran sich überigens auch nichts geändert hat, ist dass Reichweite halt eben nicht alles ist. Sowie wie es vor dem Netz die taz, die Intro und die 11Freunde gab (und heute ja immer noch gibt), so gibt es auch im Netz latürnich die „erfolgreichen“ Nieschen-Magazine und Blogs. Natürlich finden die sich fast immer auch auf den Social Media Plattformen, aber ich wage mal zu behaupten, dass es diese auch ohne Social Media gäbe, denn es gab sie ja auch vor Facebook und Twitter schon.

    Das die Situation in Deinem Job Dir zu schaffen macht, verstehe ich allerdings ausgesprochen gut. Da kommen ja gleich zwei Katastrophen zusammen: Erstens in einem Konzern wie dem ZDF arbeiten, das ist ja unter normalen Umständen schon ein eigener Kreis der Hölle. Zweiten in einem Konzern arbeiten, der auf dem absteigenden Ast ist – das ist wie in einer Herde Elefanten geraten, die in die Enge gedrängt ist und keinen Ausweg mehr sieht.

  24. Sascha Stoltenow says:

    Mir ist weder klar, von welchem Machtbegriff Du ausgehst, noch welches Verständnis von Journalismus Du deinen Überlegungen zu Grunde legst, und am allerwenigsten, was wer tun soll.

  25. Mark says:

    Ich teile diese Gedanken und finde sie sehr gut dargestellt. Obwohl ich kein Journalist bin. Aber endlich bringt es einer aus dieser Zunft auf den Punkt.

    Die geschilderte Problematik betrifft aber bei Weitem nicht nur Journlisten.

  26. Socialdread says:

    „Und um dort aufzutauchen, wo die Leute sind, nämlich bei Facebook/Twitter/etc. muss der Journalismus/der Journalist sich den Spielregeln von eben Facebook/Twitter/etc. unterwerfen – und den Journalismus so anbieten, dass ihn die Algorithmen lieb haben.“

    Ich sehe nicht, dass sich der Journalismus allgemein den Spielregeln der Netzwerke unterwerfen muss. Wenn dann schon eher den neuen Lesegewohnheit, weil die Leser keine ellenlangen Texte auf dem Smartphone lesen wollen und zackig ihr Neuigkeiten konsumieren möchten (Hallo Upworthy). Die Inhalte finden hierzulande doch noch mehrheitlich auf den Internetseiten der Zeitungen etc. statt. Und das wird meiner Meinung nach auch noch lange so bleiben. Dort ist dann auch der Journalismus zuhause und gut aufgehoben.

    Journalisten und Medien müssen sich meiner Meinung nach den Spielregeln der Netzwerke nur unterwerfen, wenn sie ihre Inhalte an noch mehr Personen bringen wollen. Das heißt, sie müssen die richtige Überschrift wählen, die richtige Meta-Description, das richtige Bild, einen interessanten Posttext schreiben und den richtigen Zeitpunkt für den Post finden. Das sind aus meiner Sicht einfach zusätzliche Aufgaben, die den Journalismus an sich aber nicht umbringen.

  27. Fabien says:

    Journalisten erstellen nun mal keine originären Inhalte. Das machen Künstler und Tüftler. Journalisten sind in dieser Web2.0 Welt klar parasitär (erst recht für FB und Twitter). Es geht eben darum auf sie zu verzichten, was dem End-Nutzer nur Authentischer Informationen ermöglicht (sprich: Informationen völlig frei von Klickblödsinn, irreführenden Überschriften, Künstiliche Aufreger und „Fach“-Wissen auf Gallileo Niveau).

    Sei mir nicht böse.

    Offen gesagt geht mir genau dasselbe durch den Kopf wenn Blogger unsere Musik zum Download anbieten wollen (falls überhaupt gefragt wird). Soll ich die Monster füttern? Ich jedenfalls bin froh, dass immer mehr Leute unser Kontent auch ohne dritt, viert und fünftverwerter, also quasi Parasitenfrei im Internet finden können. RSS, Newsletter, FB und Twitter sind dabei eine große Entlastung. Daher: Vielleicht solltest Du Dich einfach auf „echten“ Kontent beschränken, statt dem copy & transalte & paste den man hier seit Wochen beobachten kann? ;)

  28. Julian Heck says:

    Hey Martin,
    spannende Gedanken, die ich auch schon hatte. Nur mal eine Überlegung? Würde sich der Trend fortsetzen und Facebook “out“ werden, weil Messenger-Dienste wie Whatsapp “ in“ werden, würden dann alle kleinen und großen Medien heftig an Reichweite verlieren? Wie ginge es zum Beispiel dem Postillon, der wohl den größten Trafficanteil über Facebook generiert? Ja, das ist die besagte Abhängigkeit.

    Aber: Vielleicht sollten wir Facebook, Google und Co. einfach mal positiv sehen. Dank ihnen sind wir näher an den Nutzen dran, dank ihnen können wir uns besser vernetzen, eine Marke aufbauen etc. Sie bieten und diese Plattform und verdienen etwas daran, was ja legitim ist. Du könntest eine Abhängigkeit ja sonst auf alles mögliche übertragen: WordPress, Notebooks, Papier,…

  29. ben_ says:

    Oder nochmal anders und ganz kurz: Ist Springer kein Monster? Ist Springer nicht immer ein Monster gewesen? Christian Wulff würde vermutlich auch sagen, dass am Ende immer nur Springer gewinnt.

    Die Antwort auf die Herausforderung, die Du siehst (und die ich im übrigen Teile) heißt von daher nicht mehr oder weniger Internet, sondern: Weniger Konzerne! Das heißt leider ziemlich zwangsläufig auch, dass man sich selber als aus beiden Teilen des Models rausnehmen muss, als Empfänger und als Sender. Oder dass man zumindest doch die Prämissen der Aufmerksamkeits Ökonomie mindestens für sich selber ändern muss. Vielleicht ist es ja befriedigender zu wissen, dass man Menschen erreicht, die man mag und deren Urteil einem etwas bedeutet, als zu wissen, dass man viele Menschen erreicht. Auch wenn das wirtschaftliche Einbußen bringt. Aber vielleicht sind die es ja wert.

  30. fabi says:

    Wer hat denn mit diesen blöden Like-Button angefangen? Die Like-Button spionieren die Nutzer aus, gleichzeitig haben sich die Medien damit ihr eigenes Grab geschaufelt. Irgendeine Zeitung (weiß leider nicht mehr welche) hat es recht früh erkennt, aber trotzdem mitgemacht…

    Kann man nur hoffen, dass der Facebook-Hype endlich vorbei ist (in den USA ist er es ja eigentlich schon, wir deutschen sind immer ein paar Jahre hinterher)und es dort aussieht wie bei MySpace und Studi VZ

  31. ben_ says:

    Sorry … eine Kleinigkeit noch, sorry … Algorithmen SIND redaktionelle Entscheidungen. Jede Zeile Code ist eine redaktionelle Entscheidung. Und sie ist für Außenstehende EXTAKT so intransparent, wie die Ausgestaltung der Titelseite einer Zeitung. Ob die Reihenfolge der Aufmacher von heute.de von jemandem von Hand festelegt wurde, oder ob jemand dafür einen Algorithmus festgelegt hat, ist exakt gleich intransparant und im exakt gleichen Maße eine redaktionelle Leistung. Und ich würde sogar um eine Flasche Whisky wetten, dass die Faktoren, die in beiden Fällen herangezogen werden in hohem Maße deckungsgleich sind.

    Ich weiß; wenn man nicht programmieren kann, sieht das nicht so aus. Es ist aber so. Alle Programmierer, die etwas anderes behaupten sind entweder feige, oder verstecken mit Absicht die Wahrheit.

  32. Kai Petzke says:

    Zu Zeiten des Goldrauschs wurden nur wenige Goldsucher reich. Aber die Händler, die Schaufeln und anderes Werkzeug lieferten, machten glänzende Geschäfte. Mit Google, Facebook, Youtube und Co., ist es ähnlich – sie lösen einen Content-Creation-Rausch aus, aber die meisten Inhalte-Kreatoren werden damit nicht reich.

  33. Juergen says:

    Dann lassen Sie das doch alles sein.
    Das hier ist ein Beruf und keine BErufung.
    Warum arbeiten Sie nicht einfach ihre 8,5 Std. beim ZDF und freuen sich über ihre sonstige Freizeit: Freunde, Partner, Kinder – sofern vorhanden – werden es goutieren.
    Scheiß doch auf die paar Twitter-Follower oder Facebook-Fans. Da gehe ich lieber fischen oder Ponos gucken.
    Das ist ja das Perverse: wer sich dem Social-Bullshit hingibt, ist schnell im 80-Stunden-Woche-Hamsterrad; wenn man aber tot umfällt merkt es keiner.

  34. Steffen Kutzner says:

    Hallo Martin,

    Dein ganzes Dilemma mit Facebook, Twitter und Co. kommt einzig und allein von einer seltsamen Einstellung Deinerseits: Der Einstellung, dass Du es ohne Reichweite gleich bleiben lassen kannst. Ich frage Dich: Weshalb bist Du eigentlich Journalist geworden? Wegen einer Zahl neben einem blauen Button unterhalb Deiner Ergüsse? Wohl kaum!
    Als Journalisten müssen wir Leidenschaft für unseren Beruf empfinden, vielleicht mehr als bei irgendeinem anderen Beruf. Bei Dir klingt es aber leider so, als wärst Du Journalist geworden, weil die Klickzahlen Dein Ego streicheln. Nur weil Dich ohne Reichweite keiner liest, heißt das doch nicht, dass Deine Aufgabe als Journalist damit hinfällig ist oder Deine Gedanken zu einem Thema auf einmal irrelevant sind!
    Und davon abgesehen: Nicht Facebook oder Twitter entscheiden, „was gut performt“, sondern der User – wenn Dein Text ihm gefällt, drückt ER den Button, nicht der Konzern. Nicht Facebook ist der böse Gatekeeper, der „immer gewinnt“, sondern die neue Aufmerksamkeit der Leser, die sich eben leider stark an Viralität orientiert und diese damit auch wechselseitig erzeugt. Wenn Dich das stört, dann lösche doch die Buttons unter Deiner Artikel und veröffentliche Deine Beiträge nur noch via Newsletter und auf Deiner Webseite. Social Media ist nur eine, wenn auch sicherlich die einfachste Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Aber Du hast doch auch 1000 Mail-Abonnenten! Und bestimmt auch eine Webseite. Dort kannst Du doch auch jener Hybrid sein – ganz ohne Facebook und Twitter und dem Joch der Viralität, bei dem Du Opfer und Täter gleichermaßen bist und das auch noch offen zugibst – und dann absolut nichts dagegen tust! Jammern und dann weiter mit dem Strom rudern? Ist es das, was einen Journalisten auszeichnet? Oder ist unser Job nicht vielmehr gegen solche Missstände anzugehen und darauf aufmerksam zu machen, auf dass sich etwas ändert – ganz unabhängig davon, wer das grade mal „liked“?

  35. majestyx says:

    apropos…. “US-Tech-Konzernen“ ….
    Springer und die Bertelsmänner sind „besser“ ?!
    @martin: du weisst schon was Adorno über „antiamerikanismus“ so meinte….
    Der journalisitsche Auftrag der von dir genannten (von o.g. gesteuerten) ham‘ wir ja alle in MUC präsentiert bekommen. Remillitarisierung als Journalistischer Auftrag?!

  36. Alexander says:

    Guter Artikel! Sehe viele Dinge ähnlich.
    ABER: Wie kann man dann hauptberuflich beim durch Zwangsgebühren finanzierten Staatsfernsehen arbeiten?

  37. martin says:

    Hi Steffen Kutzner, hast Du vor Deinem Kommentar eine Minute darüber nachgedacht, warum ich diesen Artikel geschrieben habe? Glaubst Du wirklich, dass es mir um Jammern geht? Das wäre lächerlich. Mir geht es um die massive und zum Großteil selbst verschuldete Abhängigkeit von uns Journalisten und Facebook/etc. -nichts Geringeres. Jammern kann ich bei meinen Freunden.

  38. Steffen Kutzner says:

    Hallo Martin,
    wenn dieses Abhängigkeitsverhältnis selbst verschuldet ist, warum resignierst Du dann und schaufelst Dir fröhlich schreibend Dein vermeintliches Grab? Genau das tust Du doch, wenn ich mir Dein Fazit ansehe. Das klingt schon nach Jammern. ;-)

  39. Diana says:

    Hi Martin,
    Du hast in vielen Punkten Recht. Wir füttern ein Monster, das uns am Ende vielleicht selbst genüsslich zerlegt und die besten Teile verspeist. Warum stellen wir gekonnt recherchierte, gut geschriebene Artikel kostenfrei ins Netz??? So verschenken wir nicht nur aktuelles Wissen, sondern unsere eigene Zukunft.

  40. Inna Ligum says:

    Die Entwicklung des Internets ist in der Tat manchmal sehr bedaurlich, aber… das was Sie machen ist ein sehr guter Weg der Suche nach der (ultimaitven) Wahrheit… Der kreative Content findet seinen Weg fast immer… und sehr oft findet man auch einen Weg eigene Kreativität zu monetarisieren..

  41. Robert says:

    Hehe, wie ich. Ich arbeit auch Fulltime 8h/Tag und an meinen Webseiten ca. 4-5 Stunden danach, Tag für Tag unter der Woche, am WE teilweise mehr. :-)

    Warum mach ich das?
    Weils einfach mein Hobby is und es mir Freude und Fun bereitet.^^

  42. Stephan Goldmann says:

    „Ohne Reichweite, keine Chance“ – Ach? Wann war das denn jemals anders? Und seit wann sind wir Journalisten keine Monopolisten oder Monster gewöhnt?

    Ich bin ehemaliger Printjournalist. Darum meine Frage für diesen Bereich: Hast schon mal jemand es erlebt, dass man mit dem Grosso andere Konditionen verhandeln kann? Dass man sich aussuchen kann, zu welchem Grossisten man geht?

    Wenn hier Facebook, Twitter und Google aufgezählt werden, dann habe ich die Wahl, worüber ich mich verbreite (theoretisch – das böse Buzzfeed macht es zum Beispiel nur über FB). Daneben existieren kleinere Möglichkeiten wie Pinterest. Und niemand hindert einen deutschen Programmierer daran, etwas Neues zu schaffen.

    Man fühlt sich diesen Monstern als Journalist ausgeliefert, nicht weil sie da sind, sondern weil man es als Journalist nur höchselten mit den anderen Monstern (Grosso, Kiosk, etc) zu tun hatte. Ich für meinen Teil empfinde den Umgang mit diesen neuen Monstern als Autonomie und eine spanende Möglichkeit.

    Was sind die Alternativen? Warum ist das böse Google und das Ganze Silikon-Valley denn hier in Deutschland so stark? Übrigens: Google Suche ist nicht einmal in den USA prozentual so häufig genutzt wie in in Deutschland.

    Weil sie etwas gut gemacht haben, als die meisten großen Verlagsunternehmen hier gepennt haben. Die meisten haben zu Zeiten von Altavista und Web.de (grauenhafte Suchergebnisse damals!) NICHTS gemacht. GAR NICHTS.

    Und genau da liegt der Punkt: Es ist so leicht auf die vermeintlichen Monster einzudreschen, aber so unendlich schwer in Deutschland selbst etwas aufzubauen.

    Wir hatten durchaus Chancen, wie bei StudiVZ. Aber auch das wurde krachend in den Sand gesetzt. Stattdessen bringt man hier lieber Monster durch wie das Leistungsschutzgesetz. Schaft gelich das nächste Monster: Ein weitere Verwertungsgesellschaft.

    Mauern statt Möglichkeit. Das machen wir huier. Alles Neuland für unsere Poltiker.

    Und übrigens: Am Ende des Monsters sitzt immer ein Leser. Und der sucht per Algorithmus das beste Ergebnis. Früher haben wir das mit Titeln am Kiosk gemacht und heute halt mit Snippets.

  43. Matthias says:

    @Martin

    Ich verstehe nicht so ganz dein Problem. Was du hier vorträgst ist für mich in etwa das gleiche, wie wenn sich eine Blumenverkäuferin im Ruhrgebiet beschwert, dass sich in den ganzen Fußballstadien dort Samstags keinen Blumenstand aufmachen darf / und wenn, dort keiner ihre Blumen möchte… Wieso betreibst du deinen Journalismus nicht dort wo er stattfindet und wo er von deiner Zielgruppe auch Beachtung findet wenn der Inhalt Relevanz besitzt?! Blogs, Zeitungsportale… wer hat Facebook oder Twitter zu einem Journalistischen Medium gemacht? Habe ich da etwas verpasst?

  44. Elmer says:

    Mag ja jeder gerne darüber lamentieren, dass ich ihn nicht lese – hat aber wahrscheinlich in Wechselwirkung damit zu tun, dass ich lese, was mich interessiert…

  45. Nicolas Scheidtweiler says:

    Als PR-Agentur stehen wir etwas zwischen den Stühlen. Wir wollen beide Kanäle – Journalismus und Social Media – für unsere Kunden mit Informationen versorgen. Aus meiner Sicht ist es aber nicht so dramatisch, den jeder Kommunikationskanal hat seinen eigenen Wert, den von Lesern, Hörern und Zuschauern, auch richtig eingeordnet wird.
    Der Gatekeeper-Begriff, den du einführst, kommt aus den Massenmedien. Also gab es schon da Journalisten, die schwarz-weiß gemalt haben.

  46. Unknown Error says:

    So, erstmal hab ich diesen link hier über FB bekommen… – (ich nutze FB als Nachrichtenportal, und finde es super das ich mir quasi aussuchen kann, von wem ich alles News bekomme…) (z.b. direkt vom Greenpeaceaktivistenschiff…) – der Filter bin ich (wenn mir jem. dann doch nicht gefällt wirds wieder abbestellt)…

    Sicherlich ist FB eine Datenkrake, und Totalüberwachung nicht so toll – aber wer ist schon so doof bei FB seinen Realnamen anzugeben oder sich da mit der eig Familie anzufreunden ? (Ich auf jeden Fall nicht)

    Normale Medien haben ausgesorgt (spätestens dann wenn die letzte „Pre-Internet-Generation“ ausgestorben ist) (das Gilt nicht für Bücher…)

    Auf jeden Fall decken sich die Nachrichten die ich mir so (Über FB, den Freitag, die Taz, etc…) selten mit denen der Öffentlich Rechtlichen – zumal der Größte Teil Nachrichten eh keinerlei Ethische Relevanz hat… – Nachrichten mit Relevanz würden am Beginn der Sendung zuerst die Aktuelle Tageszahl verhungerter Kinder melden, dann die Zahlen für die Ausbreitung von Umweltseuchen (z.b. : Guten Tag liebe Zuschauer, heute haben wir 187866 Kinder verhungern lassen, 3122311 km² mit Pestiziden verseucht (das ist ein Plus von 5% !!!), 7237336 Tiere getötet, und 2 Arten ausgerottet, Profite daraus machten (wie die Börse aufzeigt) vor allem Dax Konzerne… usw…

    Das sind echte NACHRICHTEN !!! Die mich darüber informieren, was los ist… Stattdessen bekomme ich irgendnen Blödsinn vorgesetzt (Steinschreiers Worte zur Prim, Ted Kargy´s sexuelle Vorlieben, eines Prinzen Haarausfall und was weis ich für blödsinn…) – genaugenommen empfinde ich es schon als Attacke gegen mein Unterbewusstsein (wie Werbung auch) [->Brainfuck] – stehts wird um Aufmerksamkeit gebuhlt (mit allen mitteln) – und da geht es dann nicht darum – mich über etwas wichtiges (was ich auch verändern kann) zu Informieren, sondern darum, mich von eben diesen abzulenken… – dabei bin ich ganz sicher, würde man ganz nüchtern alle Fakten nennen (mit Recherche/Analyse wer denn davon Profitiert) – würde man Menschen zum Nachdenken anregen – aber wer will das ?

    Die Macht des Konsumenten liegt in der Wahl des Konsums – dies ist die einzige Macht die ein Normalbürger in Kapitalismus hat ! – Und es ist eine Mächtige und Starke Waffe ! Nutzt Sie !

  47. Farlion says:

    Hallo Martin,
    ich bin weder Journalist, noch stehe ich der Medienbranche sonst in irgendeiner Form nahe. Ich bin Konsument, ein schlichter News-Junkie. Darum sehe ich die Situation wahrscheinlich auch etwas anders. Das Problem sind nicht die „US-Monster“ sondern die Unternehmenssandmännchen hier in Deutschland.
    Google, Twitter und Facebook sind zu mächtig und entscheiden mit ihren Algorithmen? Natürlich tun sie das. Aber das ist nicht die Schuld dieser Unternehmen. In Deutschland hätte man durchaus ähnliche, gute Projekte auf die Beine stellen können. Das diesbezügliche Problem ist zum einen, dass in Deutschland lange geschlafen wurde und teilweise noch immer wird. In kaum einem anderen westlichen Land ist man so technologiefeindlich wie hier und daran tragen unter anderem Verlage, für die Du ja als Journalist auch arbeitest, massiv bei. Verlage sehen im Netz eine Contentmonetarisierungsmaschine und nicht mehr. Dass sie dabei zu oft und zu weit übers Ziel hinaus schießen zeigt ja das LSR. Mal ehrlich, als Entwickler mit einer guten Idee zur Contentverbreitung würde ich nicht in Deutschland starten. Zu groß ist die Gefahr, wegen irgendetwas verklagt und reguliert zu werden und zu gering sind dagegen die Möglichkeiten, Investoren für ein solches Startup zu gewinnen. Und wenn tatsächlich mal ein Projekt in Deutschland läuft, wie bspw. der Facebook-Klon „Studi-VZ“, dann kauf ihn ein deutsches Unternehmen auf und fährt ihn innovationslos vor die Wand, wie Holtzbrinck es ja wunderbar gezeigt hat. So viel mal zu den US-Giganten.

    Jetzt zur Reichweite:
    Ich persönlich war nie bei Facebook, weil ich Zuckerbergs Einstellungen zur Privatsphäre der Nutzer nicht mag. Auf Twitter bin ich eher sporadisch, weil 140 Zeichen mir nicht reichen. Aber ich bin wenigstens bei G+ aktiv. Ich bin auch einer der Verrückten, die heute noch primär den RSS-Reader nutzen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Allerdings verderben die Verlagshäuser einem massiv den Spa? am Feed. Ich will im Feed-Teaser keine Werbung sehen, wenn die Seite, die ich besuche ohnehin Werbung enthält. Und ich will schon gar nicht durch den Artikellink des Feeds erst über eine Werbeeinstiegsseite geschickt werden. Durch dieses Verhalten habe ich im letzten Jahr einige Newsportale aus dem Reader verbannt, deren Nachrichtenübersicht ich jetzt eben über Google+ beziehe. Oder um es anders auszudrücken: Die Verlage tun ihr Bestes, um die Leser gerade in die Hände der von Dir kritisierten US-Monster zu treiben.
    Und da kommen wir zum zweiten Reichweitenproblem: Die Follower der Journalisten selbst.
    Ich bin auf Google+ zu Beginn über 60 Journalisten gefolgt, was für einen normalen Konsumenten schon eine recht stattliche Zahl ist. Mittlerweile hat sich die Zahl auf knapp 20 reduziert. Warum das so ist? Weil ein großer Teil der Journalisten das „Social“ in Social Network noch immer nicht verstanden haben. Sie promoten ihre Artikel, halten ellenlange Monologe, treten aber anschließend in ihrer Kommentarspalte nicht in den Dialog mit den Kommentatoren. Das ist wie ein Holzmedium auf dem Bildschirm. Ein Social Network ist nun mal eine Kommunikationsplattform, die gerade durch den Dialog mit den Autoren Sinn ergibt. Autoren, die sich dagegen sperren und nur in eine Richtung kommunizieren erfahren oftmals eben das Schicksal der nicht steigenden oder sogar sinkenden Followerzahl. Und oftmals fangen sie dann auch noch an, die falschen Schlüsse zu ziehen und in die Welt hinaus zu posaunen, wie es bspw. Sascha Lobo gemacht hat, der bei sehr vielen G+ Usern mittlerweile nur noch den Status der Lachnummer hat, nachdem er vorletztes Jahr Google+ medial zur Geisterstadt erklärte. Für ihn war es tatsächlich eine Geisterstadt. Das lag aber an seinem eigenen Verhalten. Er hat innerhalb von 4 Wochen 3 Posts losgelassen und dabei nicht ein einziges Mal auf die Kommentatoren reagiert, die seine ersten Posts sogar zahlreich kommentiert hatten. Dementsprechend wurden seine Posts kaum bis gar nicht mehr geteilt und seine Followerzahl sank. Und das passierte mit vielen Journalisten, die diese einseitige Art der Kommunikation abliefern. Das liegt nicht am US-Monster, das liegt schlicht am Verhalten der Journalisten selbst.
    Ein Phänomen, das sich dabei noch gesondert zeigt ist die Tatsache, dass je größer das Medium für das der Journalist schreibt, desto kleiner die Chance, dass er sich an der Interaktivität eines Social Networks beteiligt. Momentan sind es bei mir bspw. gerade Lokalzeitungen aus dem ganzen Bundesgebiet, von denen ich Redakteure und Autoren in meiner Liste habe. Ein gutes Beispiel ist da die Rhein-Zeitung. Bei ihr haben vom Autor bis zum Chefredakteur etliche Mitarbeiter einen G+ Account. Wird ein Beitrag der RZ gepostet, steht das Kürzel dahinter und man kann ihn zuordnen. Das personalisiert die ganze Meldung schon mal etwas. Kommentiert man dort, bekommt man nahezu immer auch Antworten. Geht es etwas tiefer in die Materie des Artikels, wird später auch noch unter den jeweiligen Accounts der Autoren weiter diskutiert. Das praktiziert sogar der Chefredakteur.
    Das ist Pflege der User, dadurch kommt es zu Empfehlungen und dadurch zu einer Reichweitensteigerung. Leider begreifen viele Journalisten und Verlage das einfach nicht und halten noch immer am Konzept der Printpresse fest. Und DAS ist das Hauptproblem, nicht die Monster aus den USA.
    Sorry, ist etwas länger geworden als beabsichtigt. :)

  48. Anne Kathrin Thüringer says:

    Hallo Martin, dein Blog-Post passt sehr gut zu der Interview-Kampagne, die wir gerade gestartet haben: „Journalisten unter Druck“:

    Anlass war eine Podiumsdiskussion, an der ich vergangene Woche mit Hans Leyendecker und Marcel Rosenbach (SPIEGEL) teilgenommen habe. Es ging um das Thema: „Journalisten unter Druck – wenn Recherche zum Luxus wird“.

    Für mich war das der ideale Anlass eine Debatte anzustoßen und Fragen zu stellen: Wie steht es um den Journalismus im Jahr 2014? Wie viel Wert legen Redaktionen noch auf gute Recherche und sind sie auch bereit, dafür zu zahlen? Wo gehen Entwicklungen in die falsche Richtung? Welche Arbeitsbedingungen sind wir Journalisten bereit zu akzeptieren? Wirken sich Arbeitsbedingungen negativ auf das Programm aus? Brauchen wir mehr Solidarität?

    Am Montag wurde dazu ein Artikel und ein Debatten-Aufruf auf http://www.vocer.org gelauncht. Unsere Hoffnung ist, dass die hier versammelten Filme als Anstoß zu einer Diskussion beitragen. Es sind Interviews mit Kollegen, die sich nicht scheuen, Probleme zu benennen und den Finger in die Wunde zu legen.

    Die Videos sind außerdem gehostet auf unserem vimeo account – mit Kommentarfunktion.
    https://vimeo.com/channels/journalistenunterdruck

    Wir freuen uns über kritische Kommentare und Gedanken, wie den Deinen!

  49. blabla says:

    Die Monster füttern? Warum jemand füttern der defacto schon an der Quelle sitzt? Die Zeiten sind vorbei als einschlägige Medien als alleinige Newsquellen dienten. Dienste wie Twitter und Facebook bzw deren Nutzer sind oftmals besser darin Meldungen auch ungefiltert an den Interessenten zu tragen. Dabei wird dieses Thema seit Äonen rundgelutscht wie ein Bonbon und endet immer wieder an den selben vermeintlichen Problem. Das Interwebz macht uns kapott!!1!!!

  50. Kerstin says:

    Da ich als Kollegin sogar geografisch ganz in der Nähe hocke, kenne ich Martins Gedanken und finde, er hat das Bashing, das hier teilweise stattfindet, nicht verdient, weil es einfach um die Realität geht. Was mir bei seinem Beitrag aber fehlt: ein paar Gedanken an den Inhalt. Denn Social Media ist ja noch nicht gleich Journalismus, und schon gar nicht Lokal- oder Investigativjournalismus. Social Media ist meistens zuerst einmal der Kanal, über den ich Inhalte transportiere. Und die müssen natürlich auch entsprechend (gut) sein. Und ganz ehrlich: Ich als Online-Tante habe, wenn ich wirklich eine umfassende Geschichte recherchiere und mache, keine Zeit, mich im Netz mit Nabelschauen zu beschäftigen und alles zu verfolgen, was innerhalb von 24 h Neues gefloatet ist. Denn dann stehen die im Mittelpunkt, um die es doch eigentlich im Journalimus gehen sollte: die anderen Menschen mit ihren tragischen, lustigen, außergewöhnlichen Geschichten. Und bilden dann damit auch die Tragfläche für mein journalistisches Ergebnis im Netz und in Social Media.

  51. knorke says:

    Hmm interessante Gedanken,
    aber so wirklich neu erscheinen diese mir nicht. Was dem Artikel vornehmlich fehlt, ist eine Abgrenzung zu Printmedien oder dem Fernsehgeschäft des letzten Jahrhunderts: Reichweite aufbauen als Voraussetzung gehört zu werden? Wie baut man denn eine Zeitung auf oder macht eine Zeitschrift lukrativ? Und wie bekommt RTL2 Werbemittel (durch Reichweite)?

    Auch wenn das nun ziemlich unfair ist, so drängt sich mir der Eindruck auf, als würde hier jemand, der von einer üblicherweise unvermeidlichen Wohnungssteuer (GEZ) bezahlt wird erkennen, dass überall sonst in der Medienlandschaft Konkurrenzdruck herrscht! Gleichgültig ob es um Geld geht oder um Aufmerksamkeit, denn ersteres wird aus letzterem generiert.

  52. Christoph v. Gallera (@mittelhesse) says:

    Hallo Martin,
    das Dilemma ist bekannt. SEO-Schreiben etc. Auf der anderen Seite: Twitter und Co, was sind sie zumindest für uns Medienmenschen etwas anderes als Marketing-Instrumente. Für uns freie Journalisten zumal. Und klar ist: Wer eine Marke hinter sich weiß, die Zugkraft oder durch eine breitstreuende Themensetzung ein Maximum an Aufmerksamkeit erzeugt, bekommt eher die Follower als der, der aus dem Off kommt. Im Zentrum steht die Geschichte, die Du erzählst: Ein Schutzhüttenstreit irgendwo in Deutschland dürfte nur einen überschaubaren Prozentsatz interessieren, egal wie optimiert und gut die Geschichte gebracht wird. Fliegt die gleiche Schutzhütte aber wegen eines Attentats in die Luft, hast Du, wenn Du als erster die Geschichte hast, möglichst noch mit Exklusivmaterial, einen Scoop, egal wie optimiert und handwerklich gut die Geschichte ist. Dann dürfte Dir die Aufmerksamkeit gewiss sein. Ganz ohne Monster…..ist meine bescheidene Meinung :-)

  53. Irene says:

    Was-mit-Medien-Sicht: Knackige Beschreibung der Lage. Die wir auch den Verlagen verdanken, die vor 15 Jahren lieber Offline-Reichweite erweitert haben, indem sie irgendwelche Fachverlage aufgekauft haben, anstatt im Internet was Neues aufzubauen. Die Kleinanzeigen (Auto, Wohnung, Partner) selbst digital umzusetzen hat man ja genauso verpennt.

    Privatmenschsicht: Wieso macht einer, der einen Vollzeitjob hat, hinterher noch vier Stunden Social-Media-Kram mit Profi-Anspruch? Was passiert, wenn du ohne Händi, ohne Gadgets, ohne Projekt im Kopf, ohne Gesprächspartner eine Stunde lang auf einer Parkbank sitzt und nur in die Botanik schaust? Schon lange nicht mehr gemacht? Dann ausprobieren und das Resultat aushalten …

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