Der Soundcloud-Zug ist abgefahren und kommt auch nicht wieder zurück

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DJs nicht die Zielgruppe

OK, ich habe jetzt begriffen, dass Soundcloud von Anfang an nicht wirklich scharf auf DJs als User war. Sie haben es halt jahrelang ein wenig doppeldeutig kommuniziert. Einerseits lehnten sie DJ-Sets in den AGB zwar ganz deutlich ab, taten aber lange nichts gegen Mixe und setzten -meiner ganz bescheidenen Meinung nach- am Anfang ganz massiv auf die DJs, die ihr Produkt kostenlos bewarben. Schlicht und einfach, weil praktisch alle DJs, die ich kenne, Riesenfans von Soundcloud waren (und immer noch wären, würden sie sich nicht so unwillkommen fühlen.)

Auch Blogger nicht mehr erwünscht?

Also wie gesagt, dass ich als DJ nicht willkommen bin, kann ich sogar verstehen. Warum Soundcloud es sich neuerdings auch noch mit Bloggern verscherzen will, ist mir allerdings ein Rätsel.
Ich dachte immer, Blogger sind eine der wichtigsten Zielgruppen von Soundcloud. Wozu sonst die ganzen Embed-Features?
Für Blogger sind unter anderem Bilder sehr wichtig. Das Auge des Lesers isst mit und der Facebook-Algorithmus lässt sich mit schönen größen Bildern ebenfalls sanfter stimmen. Früher war das auch kein Problem. Soundcloud ließ sehr große Coverbilder zu, an die man sehr leicht herankam. Seit der Kooperation mit Instagram ist die maximale Größe aber auf 500 x 500 Pixel geschrumpft, was in Zeiten seitenbreiter Titelbilder einfach mal ein Scherz ist. Dieser Scherz wird bei unserem ehemals liebsten Webdienst schön breit getreten, indem man neuerdings nicht mehr an die Bilder herankommt, ohne jedesmal den Quelltext der Seite anzusehen. Dafür verantwortlich sind angeblich “technische Gründe”, wie man in diesem Blogpost nachlesen kann. Bei Soundcloud entblödet man sich auch nicht, den “Trick” mit dem Quelltext als Workaround anzubieten. Anscheinend ist dort nichts zu peinlich…

save_artwork_screenshot-Soundcloud

Nochmal ganz langsam zum Mitmeißeln: Eine Webseite, die der Promotion und Verbreitung von Musik dient und die als wichtiges Feature für diese Promotion das Einbetten von Playern anbietet, deaktiviert die Möglichkeit, die Coverbilder der gefeatureten Musik in einer tauglichen Größe hochzuladen und beschränkt die technische Möglichkeit, die Coverbilder überhaupt von der Seite zu ziehen. Well done, aber echtmal jetzt!

Optik auf Schülerzeitungsniveau

Als ob das nicht genug wäre, wirkt der gesamte Umgang mit Bildern auf Soundcloud ungefähr so professionell wie eine Schülerzeitungsredaktion in den 80er Jahren. Wobei: Mit Schere und Klebstoff entstehen meist schönere Sachen, als das, was Soundcloud aktuell treibt. Wieso? Nun, ein jahrelang gelerntes Verhalten aller, die mit gespeicherter Musik zu tun haben, ist es, von quadratischen Covern auszugehen. Das ist bei runden Scheiben aller Art so und wurde auch für digital gespeicherte Musik immer so gehandhabt. Auch von Soundcloud, by the way…
Mit dem neuesten Update der Seite verschwanden die “normalen” Coverbilder und werden nun als Hintergrund hinter die Waveform gepackt. Die über eine ganze Seitenbreite gehen kann. Und rechteckig ist.
Das Ergebnis: Pixelige und abgeschnittene Bilder, denn die hochgeladenen Bilder sind ja instagramtauglich, also lächerlich klein und quadratisch. Und das bei einem Dienst, für den sehr viele User gutes Geld bezahlen.

Soundcloud-Background

Kommentare prominenter platziert als Trackinfo

Da ich schonmal so schön in Fahrt bin, noch ein feines Detail: Im neuen Design, wandert die Trackinfo verkürzt ganz oben an den rechten Rand und muss angeklickt werden, damit sie in einem Popup aufgeht.
Mit anderen Worten: Die Kommentare der User -die weiterhin prominent unter dem Track angezeigt werden- sind nach Soundclouds Meinung also wichtiger und zeigenswerter, als das, was die Musiker selbst zu ihrer Musik sagen wollen.
*slowclap*

Wenn man dazu noch die ständigen Seitenausfälle, Probleme mit den Uploads und den Copyrightshizzle betrachtet, den viele Musiker (nicht DJs!) beim Hochladen ihres eigenen (!) Materials erleben, muss die Frage schon erlaubt sein, warum Soundcloud eigentlich alle, die Musik lieben, so sehr hasst

Was ich euch in diesem Zusammenhang schon lange mal fragen wollte: Gibt es unter unseren Lazern irgendjemanden, der Next.Soundcloud besser findet, als die Classic-Variante?

wanted poster

(Das Bild hat uns der wunderbare Chrispop gebastelt. Danke dafür!)

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18 KOMMENTARE

  1. […] Walter hat drüben mal wieder einen Artikel darüber geschrieben, warum Soundcloud endgültig für’n Arsch sei. Das tut er öfters mal. Meistens sind mir die von ihm dafür angegebenen Gründe komplett egal gewesen. User beschwerten sich darüber, das irgendwelche Reposts mal gingen und mal nicht gingen. Darüber, dass irgendwelche Statistiken verloren gingen und irgendwas mit der Kommentarfunktion. All das war mir bisher komplett egal. Ärger darüber konnte ich nicht nachvollziehen. Ich mochte das, was ich hatte. Trotzdem hat Walter recht, wenn er sagt: […]

  2. Jo, alles wichtiger als die Mukke selbst. Früher war sowieso alles viel besser, als SC noch so übelst Underground war und nur die Coolen da rumgummelten… Aber jetzt, überall nur noch Casuales.

  3. […] Der Soundcloud-Zug ist abgefahren – Soundcloud ist durch So titelten gestern die beiden großen Boulevardzeitungen Blogs der alternativen elektronischen Musikszene. Die beiden Artikel von Marinelli und Ronny sprechen mir komplett aus der Seele, als ich vorgestern meinen Newsfeed bei soundcloud durchklickte war ich auch sehr verwundert über die umgestaltete Track Info Sektion, die gerade bei Mixen mit Tracklist zu einer längeren Klickorgie führt und einem die schnelle Information vorenthält. […]

  4. Hearthis hatte ich noch nicht gesehen. Vielen Dank für den Hinweis.

    Wir sind schon seit längerem dazu übergegangen unsere Mixtapes als Stream offiziell nur noch über Mixcloud (http://www.mixcloud.com/massaya/) anzubieten (die Erfahrung zeigt, dass viele dann meist auch noch auf anderem Weg zu Soundcloud gelangen). Zwar entwickelt sich Mixcloud langsamer und hat beiweitem nicht die Nutzerzahlen aufzubieten wie Soundcloud, aber es bietet DJs und Künstlern/Labels mE einen fairen und vor allem noch weniger grauzonigen Bereich für Mixtapes, eben weil die Lieder einzeln erfasst werden und entsprechende Abgabe an die britische Verwertungsgesellschaft fließen. Das finde ich gut und unterstützenswert.

  5. Etwas weniger Polemik ist manchmal mehr. Hearthis hat echt gute Ansätze, ohne Frage! Aber Fakt ist, dass Hearthis nach wie vor die Community fehlt. Egal wie man es auch dreht aber in diesem Punkt hat Soundcloud eindeutig die Nase vorn. Das ist es letztlich auch, was viele Leute bei Soundcloud hält und auch noch weiterhin halten wird. Zum Thema der Möglichkeit Bilder direkt von Soundcloud zu verlinken, sollte man nicht vergessen, dass hier auch Urheberrechte vorliegen und nur weil irgendwer ein Bild auf Soundcloud hochgeladen und damit die Nutzugnsrechte an Soundcloud übertragen hat, die aber nicht uneingeschränkt an jeden weitergegeben werden dürfen. Somit heißt es nicht im gleichem Atemzug, dass jeder Blogger diese Bilder für eigene Beiträge direkt verlinken darf. Ich vermute, dass die externen Player mitge-track-t werden und somit es natürlich mehr Sinn für Soundcloud macht, den gesamten externen Content darüber auszuliefern. Auch wenn man mich jetzt ggf. steinigen wird aber ich mag das next.soundcloud wirklich mehr als den alten Kram, auch wenn die aktuelle Trackansicht auch aus meiner Sicht etwas unglücklich gelöst wurde.

    • @neralex: Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Du bist tatsächlich der Erste, der mir begegnet, der Next mag. Immerhin weiß ich jetzt, dass es das auch gibt. 🙂

      Polemik ist für mich ein legitimes Stilmittel. Insbesondere in Überschriften. Allerdings habe ich in vielen Artikeln meine Ansichten über Soundcloud so ausführlich begründet, dass ich nicht ein Mal Polemik sehe.

      Die Nummer mit dem Urheberrecht mag formal so sein, wie du schreibst, aber glaube mir: Nach vielen Jahren der Bloggerei kann ich dir sicher sagen: Niemand hat ein Problem damit, wenn Coverbilder verbreitet werden. Im Gegenteil: genau dazu sind sie da und nicht mal die durchgeknalltesten Copyrightkrieger der Majorlabel haben IMHO je versucht, die Verbreitung zu verhindern.

      Natürlich hast du recht mit dem, was du über das Tracking schreibst. Nur, warum wurde das so unfassbar dilettantisch umgesetzt?
      Die Coverbildchen sind 500 x 500 Pixel groß und quadratisch. Soundcloud-Player sind rechteckig und können seitenbreit eingebunden werden.
      Das Ergebnis: total pixelige Hintergründe bei den Sopundcloudplayern, bei denen im schlimmsten Fall noch wichtige Infos abgeschnitten sind.
      Guck dir das hier an:
      http://www.blogrebellen.de/2014/10/04/funk-hunters-2014-shambhala-mix/

      Dabei sehen wir, die Funk Hunters und Soundcloud aus, als hätten wir alle keine Ahnung. Das ist doch Scheisse!

  6. […] Der Soundcloud-Zug ist abgefahren – Soundcloud ist durch So titelten gestern die beiden großen Boulevardzeitungen Blogs der alternativen elektronischen Musikszene. Die beiden Artikel von Marinelli und Ronny sprechen mir komplett aus der Seele, als ich vorgestern meinen Newsfeed bei soundcloud durchklickte war ich auch sehr verwundert über die umgestaltete Track Info Sektion, die gerade bei Mixen mit Tracklist zu einer längeren Klickorgie führt und einem die schnelle Information vorenthält. […]

  7. Ich bin bei Mixcloud & Hearthis und bin da glücklich. 🙂 Soundcloud hat mir zum letzten mal meine Mixes gelöscht. Seit fast einem Jahr war einer meiner Remixes als Vorschau für das fertige Project drin und vorigen Monat wurde es gelöscht, angeblich wegen Copyrightverstoß. Und ich habe da nur kleine Soundschnipsel eines Originals verwendet. Was völlig logisch ist wenn es ein Remix bzw. Bootleg werden soll. Und dann sowas. Dieser Affenverein kann mich mal.

  8. Ich bin auf diesen Artikel nur gestossen, weil ich versuchte, Coverbilder für free Tracks zu laden, und ich an die umständliche Methode mit dem Quelltext natürlich nicht dachte.
    Aber an und für sich bin ich mit Soundcloud recht glücklich. Ich habe dort viele Künstler / DJ’s / whatever you want to call it gefunden, deren Arbeiten ich gerne unterstütze und mir auch Tracks kaufe, wenn sie mir gefallen. Aber ich bin ja auch kein DJ, ich supporte ja nur die Künslter, erstelle Playlisten mit meinen liebsten Tracks und empfehle wiederum an meine Follower. Klappt bisher ganz gut. Ist für mich ja aber auch kein Arbeitsplatz, also von daher…

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