Die Katze ist aus dem Sack: Native Instruments Traktor Kontrol S8 ab 30. Oktober im Handel

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Alle in den Leaks spekulierten Features sind tatsächlich an Bord. Aber davon später mehr, denn die meisten Diskussionen werden die Features auslösen, die eben nicht an Bord sind. Es ist wahr, NI trennt sich beim neuen All-in-One-Controller-Flagshiff von den Jog-Wheels und den Pitchfadern. Das ist mehr als nur konsequent, aber es ist eben auch mutig. Auf jeden Fall wird es für Popcorn in den Kommentarspalten sorgen. Ich komme seit meinem Umstieg auf die Kombination aus Z1 und X1 vor über einem Jahr ganz hervorragend ohne die Beidenkonzepte aus der analogen Welt aus und wie ihr wisst, bin ich nicht unbedingt der klassische House-DJ und schon gar niemand, der ein Set lang an einem Genre klebt.. Ich kann also mit Fug und Recht aus Erfahrung sprechen, wenn ich sage: Ich brauche weder Wheels noch Pitchfader.

Am Besten guckt ihr jetzt erst ein mal das Promovideo, dann reden wir weiter, ok?

SHUT UP AND TAKE MY MONEY

Und? Also ich als alter Gadgetfreak muss ja sagen, dass das Video bei mir genau einen Impuls auslöst: SHUT UP AND TAKE MY MONEY!
Warum? Weil das Ding nach Zukunft schmeckt. Weil es schwer danach aussieht, als hätte NI ganz genau zugehört, wenn über die Limitierungen der S4 die Rede war.
Praktisch alles, was beim alten Flaggschiff kritikwürdig war, wurde angepackt.

Keine XLR-Ausgänge? Sind in der S8 verbaut.
Der fehlende Standalone-Mixer? Ist an Bord? Und zwar gründlich, denn es lassen sich 4 Plattenspieler anschließen.
Austauschbare Fader? Ich bin nicht sicher, aber die Schrauben auf der Oberfläche lassen hoffen…
Bessere Remix-Deck-Anbindung? Nun, was soll man sagen? Es wurden mehr oder weniger zwei komplette F1 integriert.
2 Mikrofoneingänge (davon einer mit XLR-Anschluß)? Check!
Anpassen der Crossfaderkurve auf der Hardware? Check!
Viel zu kurze und ungenaue LED-Ketten? Sind jetzt doppelt so fein aufgelöst und nicht mehr neben den Fadern, sondern weiter oben in der Klangreglersection untergebracht, was ich sehr viel besser finde.

Die Displays sind der Game-Changer

Dazu noch die hochauflösenden Farb-Displays die meines Erachtens echte Gamechanger sind. Im Video sieht man auch, dass z.B. die Effektregler berührungsempfindlich sind. Sobald man sie anfasst, wechseln die Displays auf die entsprechende Anzeige. Wer eine X1 MK2 hat, kennt diese praktische Funktionalität schon.
Die Screens zeigen ein oder wahlweise auch zwei Decks, den Browser und die Effekte und eine Übersicht der Remix-Decks-Slots. Es sieht wirklich danach auch, als könnte man mit der S8 den Rechner zuklappen. Ein Feature, dass sich sehr viele DJs lange gewünscht haben.

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BEAT JUMP + Touch Strips > Jog Wheels

Apropos X1 MK2. Auch die Touch Strips, die sowohl die Funktion der Jog Wheels übernehmen sollen, als auch zum Triggern von Effekten und Loop genutzt werden können, bin ich vom kleinen Wundercontroller X1 schon gewöhnt. Ich bin nicht der Meinung, dass sie im Alleingang die Jog Wheels ersetzen können. Aber das müssen sie auch nicht.
Die Kombination aus BEAT JUMP fürs grobe Springen im Track und Touch Strip für die feineren Anwendungen, wie zB ein Grid ganz genau zu setzen, hat bei mir die Jog Wheels schon lange ersetzt. Die andere Sache, für die ich früher Jog Wheels gebraucht habe, nämlich das Angleichen der Phasen zweier Tracks, geht mit den Touch Strips wunderbar. Und wer scratchen will, der tut das doch sowieso nicht mit den kleinen Tellern eines Controllers, sondern schließt einfach einen Plattensppieler an.

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Was mit SYNC und diesen Bedienelementen nicht geht, ist manuelles Mixen und Nachkorrigieren mit krummen Tracks wie zum Beispiel altem Funk. Aber mal ehrlich: Diese Zielgruppe interessiert sich doch sowieso nicht für All-In-One-Controller. Diese Sorte DJ geht entweder den DVS-Weg, oder spielt gleich Vinyl.

Die perfekte Zentrale für kleine Live-Acts

Aber nach dem Motto “Was kümmert mich mein Geschwätz von vor drei Sekunden” würde ich dennoch behaupten wollen, dass die S8 die ultimative Maschine für Hip Hop-Live Acts (aber nicht nur) ist. Stellt euch mal vor, was ein versierter DJ und Producer mit einer S8, Mikrofon(en) und Plattenspieler(n) anstellen könnte: Die Kombinationen, die möglich wären:
– 2 Mal Vocals, ein Remix-Deck und ein Plattenspieler zum Scratchen, oder
– 1 Mal Vocals, 2 Plattenspieler und ein Remix-Deck, oder
– 1 Mal Vocals, 1 Plattenspieler und 2 Remix-Decks.

NI_Traktor_Kontrol_S8_Rear

Der besondere Charme so eines Setups: Alle Quellen, auch die externen wären durch Traktordecks geroutet. Das bedeutet unter Anderem: Die Effekte stünden (beatsynchronisiert) auch für die Mikros zur Verfügung. Die interne Aufnahmefunktion von Traktor kann genutzt werden. Signale von externe Quellen wie Mikros lassen sich sampeln und sofort in den Remix-Decks weiterverarbeiten. Und last but not least: Das Setup wäre im Vergleich zu allen Alternativen spottbillig. (Zum Vergleich: Für den Preis eines Pioneer Nexus-Setups bekommt man leicht vier Mal die S8.)
So billig, dass es kein Poblem wäre, einfach zwei S8 auf Tour mitzunehmen. Denn das NI die S8 so gebaut hat, dass sie das Prädikat “roadtauglich” verdienen würde, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Dazu habe ich zu schlechte Erfahrungen gemacht. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen, sobald ich das Ding endlich in die Finger kriege. Apropos schlechte Erfahrungen: Das für mich größte Problem mit der S4, ist ihre schiere Größe. Ich habe keine Maße für die S8 gefunden, aber es sieht aus, als wäre sie noch größer. Das finde ich sehr schade. Der Mixer war auch vorher nicht zu klein, warum jetzt gar so viel Platz zwischen den Reglern ist, verstehe ich nicht so ganz.

NI_Traktor_Kontrol_S8_Topview

Was mir noch aufgefallen ist: Das Setzen von Beatgrids mit der S8 sieht mehr nach der iOS-App Traktor Dj, als nach der Rechnervariante aus. Offenbar kann man direkt aus der Hardware gridden, ohne den Rechner anzusehen. Das wäre ein echter Fortschritt!

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, die S8 sieht aus wie eine Mischung aus Z2, S4 und F1 (und ein wenig Traktor DJ) aus. Damit hat NI alle wesentlichen DJ Maschinen ihres Sortiments in eine schmucke Kiste gepackt. Mich überzeugt das auf den ersten Blick sehr. Alles weitere wird die Praxis zeigen. Bin schon extrem gespannt darauf, die Kiste in die Finger zu kriegen. Wir werden euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Die S8 wird ab dem 30. Oktober im Handel sein und 1199,- Euro kosten.
Eine Traktor Scratch Pro Vollversion ist inbegriffen.

(Ja, richtig gelesen. Da steht “Scratch”. Das Nutzen von Turntables mit dem Gerät ist nicht nur ein vage Möglichkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass NI mit der S8 auch auch die scratchende Zunft zielt.

Die Kollegen drüben bei DJTechTools haben natürgemäß ein besseres Standing bei NI als wir und durften schon ein Gerät testen. Hier der Video-Walkthrough, der einige interessante Details, wie zum Beispiel den neuen Freeze-Mode zeigt:



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12 KOMMENTARE

  1. Wow super Artikel, danke für die schöne Übersicht über den Mixer!
    Eine Frage hätte ich noch: Wie sieht es mit der klassischen Funktion des S4 aus, bei welcher man Beat Jumps vollführen kann, während der Track läuft und in den Beat-Größen, in denen man springen möchte? Oder wurde der “Drehregler” durch den Touch-Strip ersetzt?
    Wäre dankbar über jede Antwort 🙂

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