Wenn Brüste in Kirchen Traumata auslösen, gehört die Kirche vor Gericht, nicht die Besitzerin der Brüste

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Vor einem Jahr stieg eine FEMEN-Aktivistin während der Weihnachtsmesse auf den Altar des Kölner Doms und tat dort, was Femen eben tun. Auf ihrem Oberkörper prangte dabei “I am God”. Dass die Katholiken diese Aktion nicht ganz so gelungen fanden, liegt in der Natur der Sache und man kann davon ausgehen, dass es die Dame durchaus enttäuscht hätte, wäre es anders gelaufen.

Heute Nachmittag startet der Prozess deswegen. Die Anklage lautet “Störung der Religionsausübung”. Tjanun.

Was ich aber bemerkenswert finde: Im Zuge des heutigen Prozessbeginns hat Dompropst Norbert Feldhoff, der Hausherr im Kölner Dom, dem Focus ein Interview gegeben, in dem er erzählt, die Aktion habe auf Kinder und Jugendliche traumatisierend gewirkt. “Ein Messdiener hatte mehrere Wochen Angst zum Dienst zu kommen und wollte nur noch bei den Eltern schlafen.”
Vielleicht sollten wir uns mal fragen, ob wir wirklich in einer Welt leben wollen, in der der Anblick von menschlichen (nicht einmal ganz) unbekleideten Körpern Traumata auslösen kann, während die explizite bildliche Darstellung einer grausamen Foltermethode wie der Kreuzigung anscheinend kein Problem ist. Das ist doch krank!
Wenn der Anblick von Organen, aus denen für fast jeden von uns die Nahrung während unserer ersten Lebensmonate herauskam, eine solche Wirkung auf Kinder und Jugendliche haben kann, frage ich mich, ob wir das, was da passiert, nicht unbedingt “Gehirnwäsche” nennen sollten. Und dann stellt sich auch die Frage neu, wer hier eigentlich vor Gericht gehört.

Vielleicht haben sich ja die Zeiten auch tatsächlich geändert.
Meine eigene Vergangenheit als katholischer Messdiener ist lange her, aber meine Erinnerung geht eher in die Richtung, dass ich von Brüsten höchstens dann traumatisiert worden wäre, wenn eine ganz bestimmte Ministrantin mich an selbige nicht mehr rangelassen hätte…

[Update:]

Mittlerweile gibt es ein Urteil: Die Femen-Aktivistin muss 1200,- Strafe zahlen. Das Verfahren gegen den Mann, der sie in der Kirche ohrfeigte, wurde gegen eine Zahlung von 500,- eingestellt. Ich muss kotzen!


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