Kontrol D2 – Der neue modulare Traktorcontroller von Native Instruments [Update]

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Gestern Nacht übertrug Native Instruments einen einen Livestream von der WDC, bei der Uner einen neuen Traktorcontroller benutzte.
Das Gerät hört auf den Namen D2 und sieht auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick aus wie die Deck-Section der Kontrol S8.

Hier könnt ihr euch den einstündigen Stream ansehen.

Uner nutzt zwei der neuen D2s, eine Vierkanal Traktor-Soundkarte und einen Allen & Heath Xone 92 Mixer.

Wir legen uns fest: Der D2 ist ca. 18cm x 37cm groß.

Die Kollegen bei den einschlägigen DJ-Webseiten spekulieren viel über die Größe und das Gewicht der Unit. Ehrlich gesagt, ich glaube, das können wir uns komplett sparen. Native Instruments verbaut nicht mit jedem Gerät neue Bedienelemente. Das Ding sieht praktisch exakt so aus, wie eine Seite einer S8, die Tasten und Regler sehen scheinen identisch zu sein. Auch die Displays sind imho die gleichen. Ich denke nicht, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, der D2 wird ungefähr 18cm breit und 37cm tief sein, also ein gutes Stück größer, als die X1. Ausserdem wette ich darauf, dass der Controller genauso stabil und roadtauglich wie Z2 und S8, sein werden. Die Zeiten der Plastik-Toys von Native Instruments gehen damit hoffentlich ihrem Ende zu.

[Update: Hier stand ursprünglich, dass das Gerät 30 cm tief sein wird. Das war ein Fehler meinerseits. Keine Ahnung, wie das passieren konnte, ich war wohl schlicht unaufmerksam beim Vermessen der S8. Danke an Captain Clutch, der uns in den Kommentaren charmant darauf aufmerksam machte. Unsere Lazer sind halt sehr aufmerksam!

Größenvergleich: Ein Deck der S8 neben der X1. Ein deutlicher Unterschied, der Rückschlüsse auf dem neuen D2 zulässt.
Größenvergleich: Ein Deck der S8 neben der X1. Ein deutlicher Unterschied, der Rückschlüsse auf den neuen D2 zulässt.

Was können wir über das Gerät schon sagen?

Es handelt sich um eine Deck-Steuereinheit für Traktor, die ein modulares Setup mit einem externen Mixer ermöglicht, das alle Vorzüge der S8 in sich vereint:
– Große Pads für Hotcues, Freeze Mode und die Zellen der Remix-Decks.
– Das hervorragende Display, das auch 2 Decks gleichzeitig anzeigen kann.
– Die Funktionalität von X1 und F1 in einem Gerät vereint. (Zumindest fast. Mich überzeugt das Konzept mit den 8 Pads noch nicht ganz. Ich würde 16 vorziehen.)
– Es scheint eine Möglichkeit zu geben, das Gerät anzuwinkeln. Auch die S8 hat schon Schraubgewinde auf der Unterseite. Ich denke, wir können mit passenden Füßen zur Höhenanpassung (an Plattenspieler bzw. Mixer) oder zum Anwinkeln rechnen.
– Der D2 kann mindestens 2 Decks steuern und auch die Waveformen von 2 Decks im Display anzeigen. (Sieht man deutlich im Video.)
– Das Gerät wird deutlich teurer sein, als X1/Z1/F1, die im Moment bei knapp unter 200 Euro liegen. (Schon alleine wegen der Displays)

Was können wir vermuten?:

Da es keinerlei weiterführende Infos gibt, müssen wir uns auf das beschränken, was das Video hergibt. Das lässt viel Raum für Spekulationen:
Wird der D2 eine eingebaute Soundkarte haben? Digitaldjtips sagen ja, begründen ihre Vermutung aber nicht. Ich tippe darauf, dass es keine eingebaute Soundkarte gibt. Warum? Weil das Gerät meiner Meinung nach ein dedizierter Deck-Controller ohne Bedienelemente für Pegel und Klangregelung ist. Die Ausnahme sind 4 Lautstärkeregler für die Remix-Decks. Die hatte der F1 auch, aber keine Soundkarte. Ein Deck-Controller ohne Mixerfunktionen aber mit Soundkarte ist IMHO vollkommen sinnlos. Ausserdem scheint mir zum Konzept des Geräts zu gehören, einen Mixer zu ergänzen.

Eine weitere Spekulation auf den anderen DJism-Blogs betrifft einen eingebauten USB-Hub oder die Möglichkeit, mehrere Geräte in Serie zu schalten.
Ich kann das weder bestätigen, noch verneinen. Auf dem Bild oben sieht es so aus, als wäre am Rechner nur ein USB-Port belegt, aber wenn ich das Bild stark vergrößere, bin ich nicht mehr sicher. Ausserdem muss es ja auch eine USB-Verbindung zur Soundkarte geben. ALso entweder, da liegt noich ein Hub herum, den man nicht erkennen kann, oder am D2 gibt es mehrere USB-Ports. Ich habe mal einen Screenshot aus dem Video so hell wie möglich gemacht, aber das hilft auch nicht wirklich weiter.

Screenshot aus dem UNER-Video. Es ist leider nicht zu erkennen, über welche Anschlüsse der D2 verfügt.
Screenshot aus dem UNER-Video. Es ist leider nicht zu erkennen, über welche Anschlüsse der D2 verfügt.

[Update]

Ich hatte bei den Kollegen von Digitaldjtips nachgefragt, auf was sich ihre Aussage bezüglich der eingebauten Audiokarte bezog. Es stellte sich heraus, dass es ein Irrtum war. Es ist amtlich: Der Kontrol D2 verfügt nicht über eine Soundkarte. Dafür ist der USB-Hub tatsächlich eingebaut.

Die Rückseite der Kontrol D2. Offensichtlich ist KEINE Audiokarte verbaut, dafür aber ein USB-Hub.
Die Rückseite der Kontrol D2. Offensichtlich ist KEINE Audiokarte verbaut, dafür aber ein USB-Hub.

Was man auf dem obigen Bild (Bzw. auf den anderen Fotos der Galerie bei DigitalDJTips) noch sehen kann: Die vier kleinen Taster am oberen rechten Rand des D2, mit denen man die Steuerung zwischen allen 4 Decks umschalten kann. OK, hier könnte ich mich noch irren, evtl ist es auch nur die Effektzuweisung. Glaube ich aber nicht.
Was man ebenfalls auf dem Bild sehen kann: Die oben erwähnten Füße sind nicht zum Anschrauben, wie ich ich das für die S8 erwarte. Es scheint sich vielmehr um die gleichen Klappfüße zu handeln, die NI auch bei der Maschine verbaut. Sehr guter Move das!

Spekulativ aber IMHO gar nicht so sehr: Native Instruments geht konsequent den MASTER-TEMPO-Weg weiter. Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft noch ein ähnliches Deck, aber mit traditionelleren Elementen wie Jog-Wheels und Pitchfader sehen werden. Mich stört das nicht im Geringsten, denn mit dem S8 (und damit auch mit dem D2) kann ich ganz hervorragend “traditionell” auflegen. Mir persönlich ist es vollkommen egal, ob ich für das Tempo einen Schieberegler oder einen Drehregler habe. Noch dazu wenn dieser Drehregler dank SHIFT mit zwei unterschiedlichen Empfindlichkeiten arbeitet, wie er das bei der S8 tut. Und was die Jog-Wheels betrifft: Die Kombination aus Beatjump fürs grobe Navigieren und Touch-Strip für die Phasenangleichung halte ich mittlerweile für den Jogwheels mindestens ebenbürtig. Eigentlich kann sie so viel mehr.

Ich teile demnach auch nicht die Einstellung, dass die NI-Produkte nur für Sets, die auf einer Geschwindigkeit und einem Genre herumreiten, geeignet sind. Aber Teile der DJ-Zunft tun sich mit technischen Neuerungen traditionell schwer. Ich könnte euch lustige Geschichten vom Krieg von 1995 erzählen, als ich von einigen Kollegen gedisst wurde, weil ich einen der ersten Pioneer-CD-Player im Setup hatte. Was habe ich mir anhören müssen, das sei alles Fake und kein #realdjing. Heute sind CDJs Clubstandard…

Fazit

Ich bin sehr gespannt auf die Kiste und könnte mir sehr gut vorstellen, dass sie sowohl Turntabelisten als auch CDJ-User ansprechen wird, die bisher mit einer F1 oder X1 als Zusatzcontroller arbeiteten. Der D2 ist größer, aber immer noch klein genug, um in einen normalen Laptop-Rucksack zu passen. Ich denke also, diese Maschine soll den Profimarkt ansprechen. Allerdings sehe ich diese Zielgruppe nur dann passgenau bedient, wenn man den D2 auch frei mappen kann, was mit dem S8 ja (noch) nicht geht. (Und mit den Displays vielleicht auch nie gehen wird.)
Richtig rocken wird so ein Gerät meiner Meinung aber erst, wenn man auf den Rechner verzichten und es mit Musik vom USB-Stick versorgen kann.

Eine zweite Zielgruppe sehe ich bei den DJs, denen ein ganz kleines Setup genügt. Ich spiele z.B. oft nur mit einer X1 und dem Clubmixer oder der Z1 als Mixer/Soundkarte. Das würde mit einem Gerät wie dem D2 noch viel besser funktionieren.

Basierend auf der Erfahrung mit dem X1 prophezeie ich dem Ding eine glänzende Zukunft.

Über Preis und Verfügbarkeit können wir noch nichts sage. Wir halten euch auf den Laufenden. (Und selbstverständlich auch darüber, welche Spekulationen zutreffen, oder auch nicht.)



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5 KOMMENTARE

  1. Also ich möchte ja deine Prognosen was das Format angeht nicht zerstören – aber falls der D2 genauso groß ist wie ein S8 Deck – wovon ich mal ausgehe dann darf ich dich wieder in dein Fenster zurück schubsen aus dem du dich lehnst denn dann wird das Ding gut 7,5 cm länger und wird ein geschätztes Gesamtformat haben von 19 x 37,5 cm
    und damit 25% länger als nach deiner Schätzung 😉

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