In Neuland dürfen jugendgefährdende Ebooks nur nachts verkauft werden

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Wusstet ihr, das Schilda die Haupstadt von Neuland ist? Es muss einfach so sein. Immer wenn in Neuland Gesetze zum Thema digitale Gesellschaft gemacht werden, drängt sich das Wort Schildbürgerstreich geradezu auf. Ich dachte ja, der Unfug namens Leistungsschutzrecht für Verlage könne gar nicht mehr getoppt werden, aber das ist leider Wunschdenken.

Im aktuellen Fall ist es so, dass jugendgefährdende Ebooks in Deutschland nur nachts verkauft werden dürden. Warum? Weil Ebooks wie Fernsehen und Kino unter den Begriff “Telemedien” fallen. Und die dürfen nur so angeboten werden, dass Kinder und Jugendliche sie “üblicherweise nicht wahrnehmen”, um deren Entwicklung nicht zu gefährden. Das legt der Jugendmedienstaatsvertrag so fest.

OK, so etwas passiert halt, wenn Technologien sich schneller ändern, als die Gesetzgebung sich daran anpassen kann. Als der Jugendmedienstaatsvertrag gemacht wurde, gab es das Medium eBook einfach noch nicht. Man kann sich hervorragend über so etwas aufregen und sich an der Rückständigkeit unserer Gesetzgebung aufgeilen. Ist prima fürs Selbstwertgefühl, bringt nur leider niemanden weiter. Ich lasse das also lieber mal.

Aber die Schildbürgerei geht weiter und dafür habe ich keinerlei Verständnis mehr, denn man

“sei nun dabei, mit der Jugendschutzbehörde einen Weg zu finden, damit Onlineshops und Barsortimente nicht jedes Buch selbst inhaltlich prüfen müssen. Im neuen Verzeichnis lieferbarer Bücher soll es für E-Books ein Pflichtfeld geben, in dem jugendgefährdende E-Books gekennzeichnet werden müssen. Auch werde überlegt, wie die Angebote von Online-Buchhändlern so strukturiert werden können, dass inkriminierte Bücher nur in einer bestimmten Rubrik erscheinen, die dann mithilfe einer Jugendschutzsoftware ausgeblendet werden kann.”

Obwohl es allen klar ist, dass der Jugendmedienstaatsvertrag nicht auf eBooks passt, obwohl es sonnenklar ist, dass er seiner Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu schützen, nicht gerecht wird, obwohl es keinerlei Zweifel geben kann, dass diese Regelung niemandem hilft, ausser vielleicht den Händlern von Papierbüchern, wird nicht zuallererst versucht, die lächerliche Einstufung von Elektrobüchern als Telemedien zu ändern, sondern ein gesetzeskonformer Bullshit von einem technischen Workaround angestrebt, von dem jetzt schon klar ist, dass er nicht funktionieren kann. Dieses sehenden-Auges-das-Falsche-tun, meine sehr verehrten Damen und Herren, kotzt mich an. Und zwar ganz gewaltig.

(via heise)

(Bild via ActuaLitté, CC-BY-SA 2.0)


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