Während #Merkelstreichelt, machen andere die harte Arbeit!

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Merkel-Bashing geht irgendwie immer im Netz, zumindest in einigen Kreisen. In unseren Kreisen. Nun ja, ihr Auftritt vorgestern und ihre hölzerne Art Emotion zu zeigen, ist auch uns etwas sauer aufgestoßen.

Klar möchte sie die Asylverfahren von seit Jahren hier festsitzenden Menschen voran bringen, das ist ja ganz gut, für die Regierung zumindest. Denn man kann sich das so vorstellen, dass nun geschaut wird, wer sehr lange auf der Wartebank sitzt und den Platz für andere Verfahren frei machen kann. Die Entscheidung hier liegt in der Fähigkeit und Einsatzbereitschaft der einzelnen VerwalterIn und RichterIn. Nicht umsonst nehmen sich die Asylsuchenden, die es sich leisten können, einen Anwalt sobald sie hier um ihr Bleiberecht kämpfen. Schon allein das ist eine Vorselektion, denn es ist wahrlich eine Frage der Kosten und auch irgendwie der Bildung.

Zahlreiche NGOs versuchen, so gut es geht, Flüchtlinge an den europäischen Grenzen aufzufangen und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Aufklärung, ärztliche Versorgung, ihre Familien zusammenzuführen und einige zu Suchen, die auf der Flucht irgendwo verschwunden sind. Eine Arbeit in der Hölle, wenn ich das so metaphorisch ausdrücken darf.
Vor über einem Jahr habe ich hier bereits die Doku „L’escale“ gebloggt. Zu dieser Zeit hatte ich noch sehr aktiv bei einer NGO in verschiedenen Flüchtlingsheimen als Übersetzerin gearbeitet und die Geschichten der Menschen mitbekommen, die von den zuständen in der Türkei und Griechenland erzählen.

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Sie stimmen mit dieser Doku sehr überein. Was mich noch trauriger macht.

Laut einer Statistik von Statista lebten ende 2014 rund 1,59 Millionen Flüchtlinge in der Türkei. Damit ist das Land führend in Sachen Flüchtlingsaufnahme.
Stasia
Während also #Merkelstreichelt und Dinge in die Gänge bringen möchte, sind diese Länder tatsächlich von einer Flüchtlingsflut betroffen und überfordert.
Betrachten wir das mal aus der Vogelperspektive: Gerade Griechenland, die Türkei und auch Italien werden mit den Problemen alleine gelassen und die wirkliche Arbeit macht nicht die Politik sondern Menschenrechtsorganisationen und kirchliche Vereine, die letztendlich an die Gesetze und Entscheidungen von lebensfremden Menschen gebunden sind. Crazy world, sag ick nur!
Emotionale Ausbrüche, dafür ist Frau Merkel nicht ausgebildet. Sie ist eine Ratio-Figur, die sich stets in ihrer Bubble voller Politiker, Lobbyisten, Journalisten und PR-Menschen bewegt. Sie kennt noch nicht mal die Stimmung vor ihrer eigenen Haustür, die U Bahnlinie U8 oder U7. Nur Berichte erreichen sie. Dann kommt sie auf unerwartete Weise in eine Situation, wo sie als Mensch gefragt ist und man kauft ihr das nicht ab und verspottet sie!

Frau Merkel werden wir nicht ändern können, müssen wir auch nicht. Eigentlich muss sie ihr Land und die Menschen vertreten und für sie handeln, die Mutti.  Aber wir können uns fragen, wie wir unsere Politik und unsere Vertreter auswählen. Wer soll uns vertreten und wie wollen wir Demokratie leben?
Deshalb sehe ich diese Verspottung an dieser Stelle erstmal als etwas positives, denn ich glaube wirklich, dass Frau Merkel und ihre Regierung es verdient haben.

Klammer am Rande: Wie wäre es, wenn Frau Merkel im Zuge ihrer Wahlkampagne in die verlassenen Orte nach Sachsen oder einem anderen Brennpunkt zieht und anfängt leerstehende Gebäuden und Schulen zu streicheln, vielleicht füllt sich das ganze wieder mit Leben und es entstehen tatsächlich blühende Landschaften.

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