Wo sind denn alle hin?
Frieder Kreezy

Quodoard Flolke a.k.a. Frieder Kreezy ist Opinion Leader, Lifestyle Afficionado,Anti-Normcore Fashionista, Target Market Influencer, Multichannel Hip Hop Airhorn, Early USB Adapter aka Fl. Qu. aka Fr. Kr. und schreibt supergute Beschreibungen über sich selbst. Als Prager treibt er die Expansion Ost der Blogrebellen voran und schreibt über dies, das, verschiedene Dinge.

R.I.P. StudiVZ in blau. Facebook hat sich gestern um 15:00 Uhr vor meinen Augen endgültig in eine Contentschleuder-Feedreader App verwandelt. Zwischenmenschliche Freundschaften und Unterhaltungen (mit echten Menschen, so auf Fleischbasis, ohne Pages, Groups etc…) fanden schon seit Monaten mehr und mehr nur noch im Messenger/FB-Chat statt. Aber nun ist mir eines klargeworden. Facebook ist schon lange kein soziales Netzwerk mehr.

Wie konnte es dazu kommen? Nun, gestern morgen klickte ich auf „Like“ bei „UNILAD“, dem größten Video-Verteiler bei Facebook. Um 14 Uhr betätigte ich das gleiche Knöpfchen bei UPROXX. Das brachte das Fass wohl zum überlaufen.

Mit dem Medium, dem ich vor fast einem Jahrzehnt zum Zweck der zwischenmenschlichen Interaktionen beigetreten bin, hat diese blaue Contentschleuder nichts mehr zu tun.

Facebook: 96% asozial

Ich habe nachgezählt:

Von 100 Beiträgen in meinem News Stream wurden nur 4 von echten, mir persönlich bekannten Menschen verfasst und veröffentlicht. 4%. Die restlichen 96% sind News, Werbung, Artikel, Zeugs, professionelle Inhalte.

Ich weiß noch, wie Facebook als StudiVZ-Wettbewerber in mein Leben schlich. Pages und Groups waren eine Seltenheit…jahrelang war Facebook das soziale Netzwerk der Wahl. Überall nur Amateure, kaum Profis. Erst seit ein paar Jahren versumpft die echte soziale Interaktion mit richtigen Menschen im Schmodderschlamm der Pages und Groups. Tatsächlich sind die letzten noch schwach glimmenden Glühbirnchen des sozialen Netzwerks nur noch die ganz großen Ereignisse: Hochzeiten, Geburtstage und ganz selten zweitverwendete, besonders viel Neid erweckende Instagram Urlaubsbilder.

Wo sind denn alle hin?

Facebook ist kein soziales Netzwerk mehr. Und das liegt aktuell nicht (mehr) am Filter/Algorithmus, mit dem Facebook bestimmt, was mir gezeigt wird, sondern daran, dass meine sozialen Kontakte aufgehört haben, Facebook als soziales Netzwerk wahrzunehmen. Wie gesagt stechen eigentlich nur noch Hochzeiten und Jahrestage heraus – Events, die Facebook automatisch erstellt und publiziert. Dazu gehören auch diese von FB vorgeschlagenen Freundschaftsjubiläen, die einem automatisch dargereicht werden, dass man ab und zu doch mal einen sozialen „Piep“ von sich gibt.

Facebook: Gähnende Leere

Persönliche, zwischenmenschliche Kommunikation findet über den Messenger, Snapchat, Whatsapp oder Mail (old school aber effektiv) statt.

Selbstdarstellung, früher eine exklusive Facebook-Domäne, wird auf Instagram oder teils auch auf Snapchat verlagert.

Mein Stream wird „bevölkert“ von Unmengen von UPROXX und UNILAD Artikeln, teils 4 aus einem Outlet am Stück. Eine Prise Vice-Medien mit Noisy und Motherboard, Blogrebellen, ein Hauch Bundesregierung, Postillon, SPON, Deutschrap-Boulevard und ein paar verifizierte „Pages“ von Berühmtheiten und Musikern.

Die Bilanz ist erschütternd. Aber im Grunde bin ich der Depp. Bei Facebook steht ja eindeutig „News Feed“ – von Social Network wird mir seitens FB eigentlich nichts vorgemacht…hm. Selber doof.

Aber was ist es denn jetzt eigentlich, wenn es offenbar kein „soziales Netzwerk“ mehr ist? Ein Newsreader mit pseudosozialem Filter? Vorgefiltert fast nur noch auf der Basis von Like-Entscheidungen, die entfernte Bekannte teils vor Jahren mal halbbewusst getroffen haben? „Geteilt“ wird mehr und mehr über Messenger-Anwendungen, was Facebook langsam aber sicher die empirische Basis für aktuell adäquate Entscheidungen über Relevanz einzelner Inhalte entzieht.

Die ominöse Ultimate Fighting Veranstaltung in München, die mir Facebook ans Herz legt, weil vier Freunde aus München (wahrscheinlich im Rahmen irgendeines Like-Baiting-Gewinnspiels) da irgendwann mal den „Gefällt mir“-Button gedrückt haben, geht mir so extrem weit an meinem Steißbein vorbei wie 9 von 10 der volkstümlichen Rührbröckchen, mit denen die großen Contentschleudern so um sich werfen.

Drei Thesen zum Ende des größten sozialen Netzwerks der Welt

1. Es gibt mehr denn je eine Marktlücke für einen Feedreader mit Social-Network-Filter, der wirklich funktioniert.

2. Es gibt mehr denn je eine Marktlücke für ein plattform- und medienübergreifendes Social Network ohne professionelle Unterwanderung durch Verlage, Marketing-Agenturen und sonstige Profi-Kommunikatoren. Auch Blogs und blogähnliche Opinion Leader Persönlichkeiten müssten außen vor bleiben, damit das Konzept nicht direkt verwässert.

3. Bald werden mehr und mehr FB Nutzer merken, dass es sich bei Facebook aussozialisiert hat und mehr und mehr die aktive Teilnahme verweigern…

Vor zwei, drei Jahren hab‘ ich mal eine Kühlschrankmetapher gehört, die zum damaligen Zustand von Facebook vorzüglich passte:

Mit dem Scrollen durch den News Stream verhält es sich wie mit dem Öffnen des eigenen Kühlschranks spät nachts, wenn man eigentlich keinen Hunger hat. Man hofft auf einen leckeren Mitternachtssnack, findet aber irgendwie nur Kram, auf den man nicht so richtig Lust hat.

Facebook Kühlschrank

Aktuell kommt es mir so vor, als sei mein Kühlschrank zwar übervoll, aber halt nur zu 4% von mir gefüllt. Die 4% Selbstgekauftes machen mich nicht so richtig an. Die 96% die mir irgendein Mitbewohner da reingestellt haben muss, lassen mich erst recht kalt. Ich brauche einen neuen Kühlschrank, auf den nicht alle Welt Zugriff hat. Den bestücke ich mir ganz von vorne. Alleine. Mit Rat&Tat von echten Freunden.

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  1. Thomas Dalichow says:

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dein Problem korrekt überblicke, aber es scheint mir eines der Informationsbeschaffung und Filterung zu sein. Ich werde (in leider noch nicht genau absehbarer Zeit) hier einen Artikel schreiben zu genau diesem Thema in Zeiten sozialer Netzwerke bzw. eben genau ohne diese.

    Mich würde zu 1. noch interessieren wie genau du dir das vorstellst. Als zentraler Dienst den irgendwer betreibt, oder etwas zum selbst hosten?

    Zu 2.: Halte ich für kaum machbar. Dort wo viele Menschen direkt erreichbar sind, wird leider auch ein Markt für Werbung entstehen.

    Cheers
    Thomas

    • Flodoard Quolke says:

      Na, da bin ich mal gespannt!

      Zu deiner Frage zu 1.: Schön wäre doch ein Feedly/Feedreader-Ding, bei dem ich nicht nur selbst vermerken kann, wofür ich mich interessiere, sondern mir zusätzlich noch Vorschläge über Inhalte gemacht werden, mit denen sich meine Freunde/Filterbubblepeople auseinandersetzen. Meine Freunde/Filterbubblepeople bekommen wiederum Empfehlungen auf Basis meiner Interessen. Ein „zentraler“ Dienst klingt so nach Amt…mir schwebt halt eine Pocket/Feedly-mäßige plattformunabhängige App vor.

      Zu 2.: Da kann ich nur zustimmen. Allerdings könnte das Ganze ja meeeehr oder weniger unbehelligt von „Profis“ erst einmal ein paar Jahre lang ganz gut funktionieren…wie Facebook, als es noch Sinn und Spaß gemacht hat.

  2. severin says:

    Hm, ich kann das so für mich nicht bestätigen. Ich habe inspiriert von diesen Artikel mal in meinem Newsfeed gezählt:

    40 Beiträge von Freunden
    38 Beiträge von Medien, denen ich bewusst folge (hauptsächlich Artikel-Links)
    12 Beiträge aus Gruppen, denen ich bewusst folge
    11 Werbebeiträge / Sonstige

    Insowei kann ich Deine Schwarzmalerei nicht so ganz nachvollziehen.

    • Flodoard Quolke says:

      Ich merke schon…wer bewusst filtert hat immer noch Spaß mit Facebook. Leider hab‘ ich das versäumt. Peter und der Rest der Redaktion haben Tipps für mich, die hier auch demnächst als Artikel veröffentlicht werden. Mal schauen, wie mein Feed nach Pimp My Stream aussieht. Die von dir genannten Zahlen würden mir sehr gut gefallen.

    • Flodoard Quolke says:

      Och, lass mich doch nostalgisch sein! ;)

      Nein, ernsthaft, ich habe das Gefühl als hätte die Mischung vor ein paar Jahren noch gestimmt. Und alle News-Seiten zu entliken wäre für mich opportun, weil ich eh viel mit Feedly arbeite…aber für den Normalnutzer?

  3. Thomas Matterne says:

    Dahinter steckt ja mehr oder weniger Methode bzw. Absicht. Wie will Facebook denn sonst sein (inoffizielles) Ziel erreichen, an die Stelle des Internets zu treten – oder zumindest das Surfen außerhalb des Netzwerkes zur Ausnahme von der Regel zu machen. Ob man dann am Ende wirklich noch ein soziales Netzwerk ist, oder doch eher eine Alles-und-Nichts-Plattform mit einem stärkerem sozialem Feeling, als etwa die Suchergebnisse, die einem Google ausspuckt, ist Mark Zuckerberg am Ende wahrscheinlich ziemlich egal. Einen Richtungswechsel könnte hier sicherlich nur ein massenweiser Exodus zu einem Konkurrenten einleiten, aber den sehe ich im Augenblick nicht.

  4. Markus Sowada says:

    *Seufz* Alsooooooo, ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt antworten soll, weil diese Diskussion was von „Dinner for One“ hat. Sie kommt pünktlich einmal pro Jahr neu auf, mit immer denselben Argumenten. Wenn es denn überhaupt Argumente sind und nicht „nur“ (bitte nicht falsch verstehen) Meinung. Ich fange mal als altgedienter Nutzer Nich-Kommerzieler Netzwerke an (die übrigens auch nur so social sind wie ich sie mir mit den anderen mache). Diaspora, Gnusocial, Friendica, dass sind nur drei Möglichkeiten, vollkommen kommerzfrei miteinander zu kommunizieren. Das Problem ist, dass die, die am lautesten schreien, dort die ersten waren und sind, die wieder weg sind nach einigen Wochen. Es sind dann dieselben Leute, die nach Reichweite schreien, wo vorher großartig von social und nicht manipulierter Kommunikation geschrien wurde. Man könnte das jetzt alles noch ausführen, aber, ich denke, der erste Aspekt meiner Einlassungen ist klar geworden.

    Der zweite Aspekt ist: Ihr seid freie Menschen. Niemand wird gewzungen, bei Facebook zu bleiben. Ich hatte meinen Account selber schon über Jahre still gelegt (was nach wie vor immer noch geht). Seltsamerweise kommen die meisten Leute wieder (ich selber auch). Als ich wiederkam, habe ich für mich strikte Leitlinien beschlossen, was ich suche auf FB und was nicht. Ich will den Kontakt zu Freunden halten. Ich kenne weite Teile meiner „Freundesliste“ tatsächlich persönlich. Es sind viele dabei, die ich nicht tagtäglich sehe, dass ist klar, aber, ich interessiere mich für sie und will dran bleiben und FB ist da eben einer der großen Klammern, neben der lieben alten Mail, dem Chat und dem Telefon. Und ansonsten besucht man sich. Neben diesen persönlichen Kontakten und engen Freundschaften will ich Information und ich will mehr als nur aggregierte News von DPA & Co.. Zeitungen habe ich genauso wie Politiker und Parteien alle rausgeschmissen. Ich setzre auf NGO’s, Initiativen und themengebundenen Netzwerken (also FB-Seiten). Ich bekomme nur extrem wenig, was mich nicht interessiert. Was soll ich sagen. Ach, ich klaue mal bei Ikea: Entdecke die Möglichkeiten.

    Zu Facebook als Firma: Ich halte nicht sooo viel von Herrn Zuckerberg und seinem blauen Verein. Übrigens halte ich auch wenig von Mercedes, Audi & Co. (nein, nicht wegen dem jüngsten Skandal). Ich halte von all diesen Firmen wenig, weil sie für Dinge stehen, die ich für falsch halte und die ich nicht mag. Bei den Autofirmen führt das dazu, dass ich mir Produkte suche, mit denen ich mich mehr identifizieren kann (oft bin ich schlicht weniger angekotzt ;) ) oder Bahn fahre. Bei Facebook habe ich gelernt, dass es für mich einen Nutzen hat. Ist es deshalb total toll. NEIN! Es ist eine schlichte Kosten- Nutzenanalyse. Die kann jeder für sich anstellen. Übrigens: Mein Lieblingsnetzwerk ist schon seit lange Zeit gnusocial. Kennt ihr nicht? Seht ihr, es sind nicht immer die dicksten Kühe, die die beste Milch geben.

    • Flodoard Quolke says:

      Gnusocial check‘ ich mal aus, danke! Allerdings dringe ich da natürlich wieder in eine ganz andere Filterblase ein :)

      Im Grunde weiß ich, wie ich mir meine User Experience binnen weniger Stunden aufpimpen könnte. Allerdings bin ich halt der Meinung, dass ein Netzwerk, das seinen Usern immer vorgibt zu wissen, was für sie richtig ist, das eigentlich vollautomatisch für mich – und für alle Nutzer – so einstellen sollte, dass für alle das Kosten/Nutzen-Verhältnis dauerhaft stimmig bleibt.

      • Markus Sowada says:

        Am Ende gibt etwas den Ausschlag, dass wir alle nur sehr bedingt in der Hand haben, nämlich die Gruppe von Leuten, mit denen wir es zu tun haben. Bei mir ist es so wie mit den meisten: Meine Gesamttruppe an Leuten in ziemlich inhomogen. Ich habe die viel besagten „digital natives“ (nicht nur in Bezug auf das Alter), die meisten sind digital emigrants (wegen Alter und Lebensstil), ich habe aber auch richtiggehende Offliner als Freunde. Alle mit einem Netzwerk zu erreichen ist ein frommer Wunsch, es wird aber wohl ein Wunsch bleiben. ;-) Es ist vielmehr ein diffuser, beweglicher Nebel. Jemand aus den Kommentaren führte noch die Messenger ein. Auch die tragen dazu bei, dass es gar nicht mehr den einen Dienst geben kann, der für alle gut ist. Und jetzt haben wir im Grunde noch gar nicht über die (glaubhafte) Respektierung meiner Privatsphäre gesprochen. An die glaube ich bei FB nur noch zu 0 Prozent. Deshalb landet da eben auch nix wirklich Privates (weder im geschriebenen Wort, noch Bilder, noch sonstwas). Jetzt aber zu was anderem..

        ..das Netzwerk, das vorgibt zu wissen, was für mich richtig ist. Ich bin aus Gründen, die hier nicht hergehören umgezogen. Es ging zurück in die Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Also, eigentlich hatte und hab ich ein gewisses Grundwissen. Andererseits war ich mehr als 15 Jahre weg. Da ändert sich viel. Facebook macht Angebote (will sagen, die nennen wir Seiten, events uvm.), die ich aktuell ein wenig forciere. Ich habe über ein lokale Such-, Tausch- und Angebotsseite, die nicht kommerziell ist, einige Dinge gefunden. Alles ging geldlos. Andere Dinge, die ich nicht mehr brauchte, die oft aber noch beinahe neuwertig sind, wurde ich los (das Stichwort auf Facebook dazu ist ja seit einiger Zeit „Free Your Stuff“. Sicher könnte ich Dinge auch auf andere Art und Weise finden bzw. loswerden, aber, diese Plattformen sind schlicht effektiv. Eine andere Ecke ist, dass ich über Veranstaltungen informiert werde in meiner Region, über Konzerte, kleine Messen und Ausstellungen etc.. Ich bin sicher, ich würde beinahe alles auch anderswo finden. Meine Entscheidung ist, dass ich der Effektivität dieser Sachen mehr Gewicht verleihe als der „political correctness“ Facebook zu vermeiden bzw. zu verlassen. Als ich neulich über diese Art der Nutzung bloggte, erhielt ich Stunden später eine beinahe schon wütende Mail eines Freundes, der, sagen wir mal (und das meine ich wirklich nicht hämisch) seinerseits entrüstet war, dass ich mich so einfach so zu Facebook bekennen könnte. Ähnliches gilt für andere Dienste und Netzwerke. Ich führe ein Leben, in dem ich mir von diesen vielen kleinen Helferlein helfen lasse. Gleichzeitig mache ich mir keinerlei falsche Hoffnungen: Ich bin für facebook, Google & Co. Datenvieh, nicht mehr. Was wir da übrigens benötigen sind wirksame Datenschutzbestimmungen. Facebook anblaffen wegen Sachen, die gesetzlich erlaubt sind ist meiner Meinung nach das Anschreien des falschen Hundes. Die Politik muss das lösen und weil sie es erst gar nicht angehen will, brauchen die Druck, und zwar an 365 Tagen im Jahr.

        Ein letzter Gedanke zur Filterbubble und zum „dauerhaft richtigen eingestellt sein“. Filterbubbles hast Du überall. Wenn Du morgens in Deine Firma gehst und dort alles mit bestimmten Sichtweisen gesehen wird ist das eine Filterbubble. Nach dem Job gehst Du vllt ins Fitnessstudio. Ihr unterhaltet euch dort auch oft über ähnliche Sachen mit denselben Leuten. Schon bist Du mitten drin in einer anderen Filterbubble. Undsoweiter undsoweiter. Was nun das dauerhafte richtig eingestellt sein angeht, so ist meine Erfahrung, dass es eine solche Einstellung nicht gibt. Die Einstellungen und Verabredungen und Werte, die man gerade hat, verändern sich. Vielleicht halten sie ein paar Jahre, dann lernt man dazu oder Dein Leben ändert sich und die Sicht auf die Dinge ändert sich damit auch (oft). Ich meine: Systeme, von denen es gerade Inn ist zu sagen, dass sie intelligent sind, sind gemessen an wirklicher Intelligenz, relativ dumm. Deshalb muss man sie immer wieder neu justieren, auf seine eigenen Lebensverhältnisse und Wünsche hin. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

  5. Calliope says:

    Ich habe meinen Facebook-Account aus exakt diesen Gründen vor ca 1,5 Jahren komplett eingestampft. Für mich war es auch die Erkenntnis, das ich selber nicht wirklich etwas zum Facebook-Ökosystem beizutragen hatte außer ein paar Links zu Seiten, die kaum jemanden interessieren. Ich vermisse Facebook nicht und kann den Ausstieg nur empfehlen :-)

    In meinem „sozialen Umfeld“ kann ich außerdem beobachten, wie längst nicht mehr alle über Facebook kommunizieren, sondern über irgendwelche Apps, für die man ein Smartphone benötigt.

    Das Unterhalten mit Smileys oder Emoticons ist auch unter 25+jährigen völlig normal geworden… Jaja, die Technik und der Fortschritt, jaja…

    Danke für den schönen Artikel, ich würde ihn gern bei Facebook teilen, aber…

  6. Dagger says:

    Gefühlt ist das bei mir ähnlich. Dass das Ökosystem Facebook sich in vielerlei Hinsichtsicht professionalisiert ist ja erst einmal nichts schlimmes, führt aber zu der beschriebenen Beobachtung und Änderung der Anmutung. Zur Verbesserung des eigenen Streams gab es schon einige Vorschläge. Konsequentes Nicht-liken von Seiten gehört dazu. Oder einfach mal gar nicht liken über Wochen und nur noch bei echten Freunden kommentieren. Ich probiere das mal aus.

  7. tux. says:

    1. Bei Spamfirmen auf „Folgen“ / „Gefällt mir“ drücken.
    2. Aufregen, dass man Spam von diesen Spamfirmen zu lesen bekommt.

    Als Facebooknutzer muss man ein bisschen doof sein, oder?

    (Übrigens: Warum genau möchte Facebook hier auf dieser Seite ein Javascript laden? …)

    • Flodoard Quolke says:

      Zu deiner Klammer kann ich dir nicht viel sagen, bin hier reine Contentschleuder :)

      Und zum Thema „dumm“ und so. Jo. Phasenweise spaziere ich dumm durch die Gegend. Turnschuhe von Kinderarbeit-Enablern, Inhaltsfilter von werbegeldgierigen Weltkonzernen, Fleisch ess‘ ich auch zu viel. Isso.

      Und zum Thema „Aufregen“ und so. Der Artikel sollte einen eher reflektiert-nostalgischen Eindruck erwecken. Sollte er bei dir „aufgreregt“ rüber gekommen sein, hab‘ ich meine Enttäuschung evtl. falsch formuliert.

  8. Flaneur says:

    Ich habe meinen Facebook Account im Februar 2014 deaktiviert und seitdem auch nicht mehr benutzt, ich verspüre auch keinerlei Drang danach.
    Vereinsamt bin ich deswegen trotzdem nicht, ich kommuniziere mit meinen Freunden, Verwandten & Bekannten über WhatsApp, Threema, Skype, Mail, selten auch per Twitter.
    Das klappt auch prima mit Freunden aus den USA, Japan, und dem Rest der Welt.
    Ohne Facebook geht´s auch, völlig verlustfrei. Informationen über anstehende Events gibt es auch woanders…
    Instagram & Snapchat begeistern mich auch nicht, da über 90% der dort veröffentlichten Bilder auch nur der Selbstdarstellung dienen und es mich bspw. schlichtweg nicht interessiert, wer wann, wo, was isst, wie es im Urlaub aussieht, oder welche Klamotten neu gekauft wurden, oder wie verliebt jemand momentan mal wieder ist, oder halt unglücklich.

    Mein Hauptgrund Facebook zu verlassen war nicht der mies sortierte Newsfeed, sondern, dass es mich am Tag 1-2 Std. Lebenszeit gekostet hat, verschwendet für vollkommen unrelevante Informationen. Zudem habe ich die App am Handy immer automatisch geöffnet, vollkommen unterbewusst. Erschreckend ;-)!

    Also, einmal ein Herz gefasst, Einstellungen geöffnet, deaktiviert und gut war´s.
    Facebook nervt dann regelmäßig per Mail, so nach dem Motto „Komm zurück, verlass mich nicht, ich kann mich ändern“, aber auch das lässt sich ja deaktivieren…

  9. Markus says:

    Da kann ich Feedly empfehlen. Das ist eigentlich ein RSS-Feed Reader ( also ein News-Reader ), den man zunächst selbst mit RSS-Feeds bestückt (hier gehen auch z.B. Youtube-Kanäle, etc. falls man daran Interesse zeigt).
    Jedoch kann man einzelne Einträge auch zu öffentlichen Feeds hinzufügen (das entspricht dem Teilen), die andere wiederum explizit abbonieren müssen.
    Da man davon wiederum mehrere haben kann, kann man so kategorisiert von seinen Freunden kurierte Newsfeeds abbonieren.

  10. Teppiche says:

    DANKE, DANKE – das endlich jemand dieses abartige Phänomen Facebook anspricht. Habe mich schon kurz nach dem Beginn wieder abgemeldet, nichts weiter als eine riesige Datenkrake und Zeitvernichtungsmaschine.

  11. Victor says:

    So funktioniert Facebook. Wenn du eine Page likst, dann heißt das doch eigentlich, dass du an dieser Page gerade interessiert bist, oder? :) Dann ist es doch an sich schön, dass Facebook dir in den ersten Tagen viel Content von dieser Page sichtbar macht. Was die Freunde angehen, funktioniert Facebook eigentlich ähnlich: wenn du viel mit deinen Freunden interagierst (liken, kommentieren usw.), sollte man mehr Inhalte von diesen auf die Timeline bekommen. Wie ist denn dein Verhalten diesbezüglich?
    Die Frage, die man eigentlich stellen sollte, ist nicht ob Facebook noch oder eigentlich ein soziales Netzwerk ist, sondern ob die Nutzer sich nicht eher unsozial auf der Plattform verhalten. Viele tendieren dazu die Beiträge der Freunde aufzunehmen, jedoch weniger auf diese zu reagieren. Wie siehst du denn das?
    Des Weiteren kann ihr dir eins empfehlen: Listen! ?

      • Victor says:

        Ich glaube nicht. Ich glaube das hängt ein bisschen mit der deutschen Mentalität zusammen. Wir – oder die meisten – sind einfach so, dass wir gerne aufnehmen, aber nicht unseren Senf dazu geben (liken vorallem, aber auch wenig oder gar nicht kommentieren, was unsere „Freunde“ schreiben aka posten…) Das – sehe ich zumindest so – ist bei den Amerikanern, Engländern und vor allem aus Erfahrung bei Brasilianern (da komme ich her) einfach anders. Und ich gehöre da zu dem brasilianischem Verhalten. Alles was ich gut finde, like ich automatisch. So bekomme ich von allen, auch immer mal wieder was zu sehen und like weiter. Andere sehen am Anfang vieles, finden es an sich cool oder schön, liken es aber nicht. somit denkt FB: „ok, wird nicht für interessant befunden, wird also nicht mehr angezeigt.“ – Deutschland neigt wohl eher dazu, interessante Nachrichten oder heftig.co Videos und LInks zu liken. In deinem Fall Unilad und uproxx und SPON und wat weiß ich, und deshalb siehst du nur noch das. Muss jetzt nicht stimmen, kann aber. Weisste was ich generell meine? Wie ist denn dein verhalten diesbezüglich? Likst du vieles von Freunden oder nichts, oder nur interessante Links von SPON usw…. Das interessiert mich eher :) LG

  12. Norman says:

    Ach ja ein „soziales Netzwerk“ wäre toll. Aber im Ernst, dass war das Facebook je?! Ist es nicht eher der ultimative Gartenzaun, an dem man prima sehen kann ob der eigene Rasen nun grüner ist als der des Nachbarn. Will man nicht eigentlich nur schauen, was Freunde, Bekannte schaffen oder geschafft haben und ob man es nicht eigentlich viel cooler getroffen hat. Sowas soziales wie Kommunikation und austauschen ist doch eher ein Nebenprodukt, zu dem es auch kommen kann, aber nicht muss. Wie richtig geschrieben dafür gibt es bessere Kanäle und diejenigen die wir wirklich mögen, zu den haben wir doch immer Kontakt und wissen wie es ihnen geht – oder?

    Also bleibt uns ein riesen Marktplatz, denn irgendwie muss man die Leute ja auf Facebook halten. Sonderangebote und Katzen(-videos-)bilder. Das geht immer ;)

    Tatsächlich hat sich hier Facebook leider schon überholt. Ich persönlich fänd richtige Filter oder Kanäle ähnlich der bei Google Plus wären eine echte Bereicherung.

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