Artikelbild basiert auf "Protest Against DSK at the Cambridge Union Society" von Devon Buchanan (CC BY 2.0)
Maxi Marie

Maxi Marie ist Zugezogen Feminin aus Köln. Synchronsprecherin und Deutschrap-Liebhaberin, hier und da zu sehen und hören als Goldkehlchen Marie Gold, als kleiner Indianer bei „Dragon Balls" oder wenn man die Augen schließt, im ein oder anderen französichen Arthouse-Lesbenporno.

Letzte Woche hat mich ein Motz-Verkäufer zu dem ich „Nein, Danke“ gesagt habe, „dumme Nutte“ genannt. Bei der Arbeit hat mir jemand diese Woche auf den Hintern geklapst, aber es ging so schnell dass ich viel zu verdutzt und genervt war um etwas zu sagen. Ich wurde „Mäuschen“ und „Süße“ genannt, was ich in den meisten Fällen ganz lieb, aber auch im professionellen Kontext nicht unbedingt nötig finde. Ich bin, wie wahrscheinlich jede Frau, schon unzählige Male in Clubs angefasst worden, wie man es von Fremden nicht möchte. Letztes Jahr in einer Berliner Bar hat mich ein Typ ohne Grund „hässliche Fotze“ genannt. Danach hatte er meinen Drink auf seinem Kaschmirpulli. Immer wenn ich schnell genug war, oder mutig genug, oder genügend helfende Leute drum herum waren, habe ich mich nach Möglichkeiten gewehrt. Aber manchmal schafft man es alleine nicht.

Ich habe zum Beispiel auch mal mitbekommen wie eine Frau von einem komplett Fremden beschimpft und angerotzt worden ist. Nachmittags! Inmitten von Leuten. Keiner der umstehenden Leute hat’s gepeilt oder sich vor sie gestellt, bis ein Mann mit gebrochenem Arm(!) uns zu Hilfe kam. Jeder zweiten meiner Freundinnen ist, so würde ich behaupten, schon ähnliches passiert. Und wir haben das Glück in Deutschland zu wohnen und uns die meiste Zeit ziemlich frei zu fühlen. Aber wir sind vorsichtig. Wir passen auf. Wir denken darüber nach was wir wann wo anziehen und wie wir nach Hause kommen. Das ist nicht immer schön, aber man lebt eben damit. Es gehört zum Leben dazu. Das IST die Wahrheit. Und die meiste Zeit interessiert das die „Öffentlichkeit“ herzlich wenig. Wir sind ja schon so weit gekommen in Deutschland. Junge Frauen sind „angeekelt vom Feminismus“ (Hey, Ronja von Rönne) oder weisen andere darauf hin, was sie zu tun haben („Mach doch die Bluse zu“, Birgit Kelle)

„Gewalt gegen Frauen ist so normal, ist so alltäglich, dass nur noch selten echte Empörung aufkommt. Nun ist sie da. Aber vor allem, weil diese Gewalt eine neue Dimension und damit einen Neuigkeitswert erreicht hat. Und es ist in der Tat beängstigend: Männer schließen sich in Horden zusammen, organisiert oder nicht, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Da muss man keine Frau sein. Die Angst kann jeder nachfühlen, ob Frau, Mann, jung, alt, schwul oder sonst was. Und ich darf wie jede andere Bürgerin und jeder andere Bürger dieses Landes erwarten, dass ich vor solchen Übergriffen geschützt werde. Ebenso dürfen Schutz Suchende, die sich hier völlig legal aufhalten, von diesem Land erwarten, dass sie nicht von Waffenträgern, Feuerlegern oder anderen Gewalttätigen bedroht werden. Worte können auch schwer verletzen. Das ist kein Kavaliersdelikt. Wir sind alle gleich. Verwundbar.“
Dunja Hayali

Es wäre schön, wenn man jetzt – nach Köln (ausgerechnet meine fröhlich-liberale Heimatstadt, es bricht mir das Herz) – die Ursachen bekämpfen würde und nicht die Symptome. Stichworte sind Integration. Bildung. Soziale Arbeit. Wenn Augen nicht mehr verschlossen würden, Polizisten geschult wären, Frauen ernst zu nehmen, die so etwas anzeigen. Wenn man sich als Frau nicht mehr schämen müsste, an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sexuelle Belästigung und Gewalt endlich nicht mehr bagatellisiert und entschuldigt bzw. das Opfer beschuldigt würde sich falsch verhalten zu haben. Oder wenn: wie es jetzt gerade passiert die Opfer nicht auf so perfide Art und Weise politisch instrumentalisiert werden würden. Ihnen wird in der ganzen Debatte weder Aufmerksamkeit geschenkt, noch Recht geschehen.

Aber was haben wir auf einmal viele Frauenrechtler in Deutschland, wow!

Es macht mich wirklich krank.

Artikelbild basiert auf „Protest Against DSK at the Cambridge Union Society“ von Devon Buchanan (CC BY 2.0)

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