Alle Jahre wieder: Blog-Mimimi 2016

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blogger mimimi
Foto basiert auf "Crying girl" von daily sunny (CC BY 2.0)
Foto basiert auf "Crying girl" von daily sunny (CC BY 2.0)

Der jährliche “Früher war alles besser”-Artikel ist gestern wieder aufgetaucht. Begleitet vom dem Wort “Blogosphäre”, das in diesem Zusammenhang wohl ebenfalls verpflichtend genutzt werden muss, schreibt Maik von Langweildich.net seinen Frust von der Seele und damit einen Abgesang auf selbige.

Früher™

Natürlich war früher™ alles vieles anders. Es gab gefühlt mehr Blogs, die im selben Gewässer fischten wie man selbst. Es gab nicht die Übermacht von Facebook, die heute bei vielen Blog für über 50% des Traffics sorgt. Doch Zeiten ändern sich, Ansprüche ändern sich, Ziele ändern sich.
Schaut man sich heute mal die Blogs an, die schon seit mehr als 7/8 Jahren veröffentlichen, fällt einem schnell auf, dass es sehr viele der damaligen Blogs heute einfach nicht mehr gibt. Das ist auch verständlich, denn nicht jede_r hat die Zeit dieses aufwändige Hobby zu betreiben. Man wächst (haupt)beruflich, steht vor anderen, persönlichen Herausforderungen und findet einfach keine Zeit mehr.
Die Blogger_innen, die am Ball blieben, standen irgendwann vor einer Entscheidung. War ihre Arbeit erfolgreich (im Sinne von Abonnenten, Lesern und Traffic) entschieden sich viele der heutigen (Achtung, jetzt kommt noch so eine Wortwahl von Früher) A-Blogger aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen. Unter enormen Geschrei einiger Leser und anderen Blogs fingen sie an Werbebanner einzubauen und Advertorials zu schalten. Sie professionalisierten sich, machten ihr Hobby zum Beruf und kündigten ihren Job. Was kann es denn bitte tolleres geben als mit dem was man liebt auch noch seine Familie versorgen zu können. Ich finde das großartig und habe das, gemeinsam mit unserem Redaktionsteam, selbst als Ziel vor Augen.

Fehlende Vernetzung!?

Maik fehlt die Vernetzung unter den Bloggern, gemeinsame Aktionen und gegenseitiges Kommentieren. Zugegeben, früher™ wurde mehr in Blogs kommentiert, heute passiert das auf Facebook. Früher™ gab es “Blogstöckchen”, die sich die Blogger gegenseitig zuschmissen um irgend,welche Fragen zu beantworten. Und es gab sowas wie “Ein Herz für Blogs“. Aber mal ganz ehrlich, wen interessiert sowas heute noch, außer vielleicht die Blogger selbst!? Das zumindest ist mir zu wenig, denn ich möchte in erster Linie für unsere Leser schreiben.

Wir Blogrebellen sind gut vernetzt mit Bloggern “aller Klassen”, also sowohl mit den großen, als auch mit den kleinen Blogs, und das schon seitdem es uns gibt. Daran hat sich nichts geändert, es ist eher mehr geworden. Um sich zu vernetzen muss man auch nicht auf das ehemalige Blogger-Klassentreffen Republica rennen oder eigene, aufwändige Treffen planen und veranstalten. (Was ich übrigens toll fände wenn sowas jemand in die Hand nehmen würde. Allerdings kann solch eine Planung schnell zum Fulltime-Job werden, was wohl die meisten letztendlich davon abhält). Nein, man kann sich auch 1zu1 vernetzten, persönliche Gespräche mit anderen Bloggern suchen. Es muss nicht immer die große Lösung sein. Uns findet ihr zum Beispiel regelmäßig auf unseren eigenen Veranstaltungen wie kommenden Sonntag im Klunkerkranich, oder bei einer Tassebier, oder bei vielen anderen Veranstaltungen.

Konkurrenz belebt und ist alles andere als stupide

Wer bloggt, möchte gelesen werden, möchte verlinkt und kommentiert werden. Doch wenn das ausbleibt dann sollte man sich Gedanken machen. Das hat Maik auch gemacht, doch kommt er meiner Meinung nach zu falschen Schlussfolgerung. Sinngemäß sagt er, dass zwar viele Gleichgesinnte im digitalen Sandkasten sitzen, aber im Gegensatz zu früher™ keine Förmchen mehr geteilt werden, sondern eher weggenommen und Mitspieler verbannt werden. Das sehe ich anders.

Ein “Problem”, oder sagen wir lieber ein Fakt ist nämlich, dass früher™ mehr Individualismus in den Blogs zu lesen war. Es gab weniger Quellen, es gab noch nicht die Macht von Facebook, die Virales in nullkommanix nach oben schleudert. Dafür gab es mehr eigenen Content, eigene, selbst geschriebene Geschichten, Meinung, Rants, Unbequemes und Lustiges, das nicht überall auf Facebook, in den Blogs und auf SpiegelSternFocusHuffpost zu finden war. Heute geht das alles viel schneller, die großen Medienhäuser haben aufgeholt und jagen in den selben Wäldern. Auch wir Blogger spielen bei dem Spielchen meist gerne mit, wollen die Ersten sein, die ein Ding bringen.

Ich weiß ja nicht wie es anderen Bloggern außerhalb der Blogrebellen so geht, bei mir und bei einigen unserer Autoren gibt genau so etwas den Kick, macht genau das, was das Bloggen so aufregend macht. Man möchte der
Erste sein, der etwas bringt und dafür Aufmerksamkeit, Backlinks und schließlich Traffic bekommt. Ich sehe das sportlich und auf der anderen Seite macht es auch nix, wenn man eben mal nicht der Erste ist. Geschenkt.
Wobei ich Maik allerdings Recht gebe ist, dass auch virale “Lumpen” im besten Fall mit eigener Meinung, oder dem eigenen Dreh ausgeschmückt sein sollten. Funktioniert nicht bei jeden Thema, macht das Kuratieren aber viel interessanter für die Leser. Womit wir zu der eigentlichen Message kommen, die ich hier in dieser epischen Reaktion auf Maiks Artikel droppen wollte:

Unique Content is King!

Wenn man sich die Frage stellt, warum Blogger sich angeblich nicht mehr untereinander verlinken und kommentieren, dann muss man sich nur einmal ansehen, was dort so veröffentlicht wird. Zum einen muss man bedenken, dass nicht jeder die gleichen Blogs im Feedreader hat und (auch ich) ganz bestimmt vieles Lesenswerte und damit Verlink- und Kommentierbare verpasse. Schaue ich mir an, was die von mir abonnierten Blogs so verfassen wird schnell klar, dass das meiste “schnelle Kost” ist, die lustig ist und von den Lesern gerne aufgenommen und geteilt wird. Einige der Top-Blogs haben sich auf diese Viral-Schleuderei spezialisiert und hauen nur noch annähernd umkommentierte Lumpen raus, die gut laufen und Traffic bringen. Kann man nun finden wie man will, wem das zu doof ist bestellt den Feed einfach ab. So einfach ist das.

Viele der von mir gelesenen Blogs machen “Misch-Content”, also eine Melange aus viralen Selbstläufern und individuellen Geschichten. So wie auch wir hier bei den Blogrebellen. Und nun ratet mal, welche Artikel die nachhaltigsten sind und gerade von den Bloggerkollegen diskutiert und geteilt werden? Richtig, die eigenen Geschichten mit viel Meinung und/oder Emotionen. So wie eben der Artikel von Maik, der zum einen viele Blogger zum Kommentieren in seinem Blog animierte und zum Beispiel mich triggerte, diesen Artikel hier zu schreiben. Und siehe da, all das was Maik blöd findet löst sich Augenscheinlich in Wohlgefallen auf, sobald man mal etwas bringt, was andere nicht machen. Etwas eigenes, was einen ärgert und was man mit vielen Worten, einer starken Meinung und Emotionen veredelt und Menschen – okay, in diesem Fall wohl eher die “Blogossphäre” – anspricht und die Gestalten aus ihren Löchern hinter ihrem MacBooks hervorholt.

Einfach machen!

Der Slogan “Just do it” ist nicht umsonst so erfolgreich um die Welt gegangen. Es geht darum sich nicht auf den alten Erfolgen auszuruhen, sondern Ideen anzupacken und umzusetzen. Ausprobieren. Vor allem das “Produkt” immer weiter entwickeln.
Ihr habt es doch alle selbst in der Hand, dann macht doch auch etwas draus! Sprecht mit den Bloggern, beschwert euch und lobt euch. Schreibt emotionale Artikel und fettet sie mit starker Meinung an. Beschwert euch nicht über zu wenig Feedback wenn ihr 0815-Content bringt. Fordert keine Kooperationen wenn ihr selbst keine Idee habt. Macht was, traut euch was! Dann kommen auch Reaktionen von anderen Bloggern und eure Leser werden es euch ebenfalls danken.

Zuletzt danke ich noch Maik für seinen Artikel, der viele gute Ansätze und Ideen beinhaltet, den ich aber nicht (komplett) unterschreibe, der mich aber dazu animierte diesen Text hier zu verfassen. 1 <3


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6 KOMMENTARE

  1. Hehe, auf das erste “mimimi” hatte ich nach dem Absenden des Beitrags nur gewartet. 😉 Aber keine Bange, der Gedanke ist an sich ja direkt da. Wir unterscheiden uns aber eigentlich gar nicht in den Punkten finde ich, vielleicht habe ich mich da auch falsch ausgedrückt. Mir geht es nicht darum, dass wir alle Hei-ti-tei machen und konkurrenzlos denken. Das belebt wie du sagst das Geschäft, die Zeiten ändern sich, bla-blubb. Mir geht es auch nicht ums Vernetzen, was viele irgendwie derart prominent hochhängen – mir geht es um das Miteinander. Das hat dann nichts mit Kommentieren oder Verlinken oder so primär zu tun, sondern Respekt und dem Willen, gemeinsam “Unique stuff” zu schaffen. Denn genau das ist ja meine Meinung – Originaler Content muss her und gemeinsam kann man eben noch cooleren Scheiß machen. Stupide ist falsches Konkurrenzdenken in absoluten SEO-Tiefen und bockiger Selbstbeweihräucherung, statt Chancen zu erkennen und ergreifen. Vielleicht abstrahiere ich da auch zu sehr von Einzelfällen aufs große Ganze und wie im Beitrag geschrieben, ist es eben eine verklärte Vergangenheitssicht. Dass Blogs und Blogger und Leser sich ändern, ist klar und das mimimi wird auch nächstes Jahr wieder auftauchen.
    Und verstehe mich nicht falsch – ihr seid da absolut eine der positiven Aufnahmen, aber das weißt du hoffentlich, dass ich so denke. Finde es gerade spannend, wie alle ihre positiven Beispiele heran führen… Und wenn es auch “nur” das ist, was dieser neuerliche mimimi-Beitrag gebracht hat, bin ich doch zufrieden. 🙂

    • Hey Maik, auf das “Mimimi” in der Headline und auf die saftige Einleitung konnte ich nicht verzichten. Das reißerische sorgt halt für die nötige Aufmerksamkeit. Und ja, unterm Strich liegen wir nicht weit auseinander und das ist auch gut und richtig so. Wie schon angedeutet bringen solche Beiträge wie der von dir genau das, was eigentlich bemängelt wurde, nämlich den Austausch unter Bloggern, sich aus der Reserve locken und Ideen angehen. Insofern ist das “Mimimi-Thema” imho gelungen, es rüttelt mal wieder wach und sorgt für Aufmerksamkeit und damit für die Möglichkeit, gemeinsam etwas anzugehen. Toll! 🙂

  2. Ich mag beide Artikel sehr. Sowohl das vom Maik als auch Peters Geschreibsel macht durchaus ja Spaß. Ich würde vom bloggen auch sehr gerne leben, aber dafür habe ich zu wenig Output und es ist ja wirklich so, dass man alles irgendwo schon einmal bei Twitter oder Facebook gesehen hat. René fasst ja die Contentverwertung und den viralen Quark auch gut unter “dasgeileneueInternet” zusammen.

    Dennoch würde ich immer das Blogging einem Post beim Fratzenbuch vorziehen. Denn trancefish.de ist meine Seite und ich bin hier niemandem Rechenschaft schuldig. Und das ist mir wichtig.

    So wichtig, dass ich gerade mit ein paar Leuten eine Art Mini-Republica in Oldenburg aufziehen will.

  3. Ich wurde gerade von einem Leser meines “Anti-Mimimi”-Artikels auf diesen Beitrag hier aufmerksam gemacht und musste gewaltig schmunzeln.
    Denn ohne von diesem Artikel (oder dem von Maik) zu wissen, hat sich bei mir gerade etwas sehr ähnliches abgespielt. Ich habe Emotionen gezeigt, mich ausgekotzt ;), und habe auf einmal unglaublich viele Reaktionen die mich bestärken und es auch so sehen.
    Schon interessant, wie sich alles immer irgendwie wiederholt.
    LG Lexa

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