Wie sich Autofahren nach 10 Jahren Abstinenz anfühlt.

1
Bild: "Karmann Gia", Walter Marinelli
Bild: "Karmann Gia", Walter Marinelli

Nach geschätzt 10 Jahren, in denen ich nicht mehr am Steuer eines Autos saß, ergab es sich, dass ich letztes Wochenende zusammen mit meiner Tochter mit dem Mietauto nach Niederbayern auf eine Familienfeier fuhr. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich gerne hier zusammenschreiben möchte.
Vorweg: Autofahren ist Gottseidank wie Schwimmen, man verlernt es anscheinend nicht.

Rennsemmeln

Unser Mietauto ist ein Fiat Panda. Vor zig Schrillionen Jahren bin ich mal mit einem Panda bis nach Südfrankreich gefahren. Seitdem hat sich ein bisschen was getan im Autobau, muss ich feststellen, als beim Anfahren zum ersten Mal die Reifen durchdrehen. Die Karre ist eine flinke Rennsemmel, die bei 170km/h immer noch sowas wie Beschleunigung draufhat.
Airbags, Bordcomputer und Zentralverriegelung fand man bei meinem letzten Erlebnis als Fahrer noch nicht in dieser Fahrzeugklasse.

Kleine Anekdote am Rande: Es hat ein bisschen gedauert, bis ich gepeilt hatte, dass ich den Wagen nicht an jeder Kreuzung abgewürgt habe. Coole Sache so eine Abschaltautomatik….

Kampfradler

Normalerweise bin ich mit dem Fahrrad in Berlin unterwegs und bin grundsätzlich der Meinung, dass Radler in der Stadt mehr Platz, mehr Rechte und vor allem mehr Rücksichtnahme seitens der motorisierten Verkehrsteilnehmer bekommen. Aber meine Fresse, was ich als Autofahrer für eine Sicht auf viele Radler in Berlin auftut, ist ein einziger Abgrund! Viele Radfahrer bewegen sich durch den Strassenverkehr, als seien sie vollkommen unzerstörbar. Schulterblick muss irgendwie ohne mein Wissen verboten worden sein, sich ohne auch nur einen Blick auf den Verkehr zu werfen auf Vorfahrtstraßen zu stürzen, ist ein ganz normales Verhalten, Ampeln scheinen maximal freundliche Empfehlungen zu sein. Fazit: Wenn meine Erlebnisse repräsentativ sind, dann überleben viele Radler ihr Kamikazeverhalten nur, weil die motorisierten Verkehrsteilnehmer vorausschauender und rücksichtsvoller sind, als wir Radfahrer uns einbilden.

Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn

Ich bin auch deswegen lange nicht Auto gefahren, weil ich das, was auf deutschen Autobahnen abging, immer für absolut gefährlichen Wahnsinn hielt. Vielleicht bin ich heute insgesamt entspannter als früher, aber gefühlt wird weniger gedrängelt und weniger dicht aufgefahren.
Auf tausend Kilometer Autobahn bin nur einmal von der linken Spur gelichthupt worden. Das allerdings, während ich selbst 170 km/h fuhr…

Johanna und die Blues-Brothers

Nach wie vor das beste am Autofahren: Richtig laut Musik hören. Mit der kleinen Chefin zusammen den Blues-Brothers-Soundtrack rauf- und runterhören: Unbezahlbar! Mindestens genauso unbezahlbar: Ihre Spotify-Playliste laufen lassen und lernen, was sie ohne Papa gerne hört. Ich mag nicht alles, aber mit Ohrwürmern wie Stressed Out kann ich gut leben, Sido gefällt mir immer besser und dass ich sie mit Käptn Peng infiziert habe, macht mich ein bisschen stolz.

Der Theme-Song unserer kleinen Reise ist aber definitiv “Johanna” von muc3. Gefühlt die halbe Fahrt singen wir den herrlich stumpfen Gstanzl-House-Tune , den ich nur kenne, weil ein alter Kumpel von mir da mitmacht.

Die Bahn kommt

Ich fahre ziemlich oft mit der Bahn quer durch Deutschland und zu einhundert Prozent pünktlich beginne oder beende ich meine Fahrten eher selten. Und natürlich schimpfe ich dann auch gerne. Nach über 100km auf deutschen Autobahnen, werde ich wieder etwas demütiger sein, denn Dank jeder Menge Baustellen und einem Unfall auf der Strecke, habe ich mit dem Auto mindestens genauso viel Verzögerungen im Betriebsablauf erlebt.

Fazit

Ja, Autofahren kann enormen Spaß bringen. Bei Sonnenschein mit lauter Musik auf der Landstraße durch die wundervolle niederbayerische Landschaft zu cruisen hat schon was. Aber stundenlang auf der Autobahn stupide geradeheraus zu fahren, ist genauso öde und letzendlich gefährlich, wie ich es in Erinnerung hatte.
Mit dem Auto durch die Stadt zu fahren, ist purer Stress und macht -insbesondere in Berlin- überhaupt keinen Spaß. Ganz im Gegenteil: Permanent darauf achten zu müssen, keine lebensmüden Fahrradfahrer zu überfahren und das ständige Stop-and-go, werde ich mir so schnell sicher nicht mehr antun.
Ausserdem steht für mich fest, dass ich in Zukunft auf dem Rad noch wesentlich defensiver als bisher unterwegs sein werde.


Flipboard
Folge uns auf Flipboard @Blogrebellen

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.