Das Interview zum ersten Mai mit Fotograf Andreas Markus

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 Feuerwehr löscht brennendes Auto

Update: Andreas Markus nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen ihn.

Der erste Mai steht vor der Tür und ich habe mir darüber Gedanken gemacht, was ich dieses Jahr zum Tag der Arbeit schreiben möchte.
Und so fiel mir ein, das es doch schön wäre, die Aktivitäten rund um den 1. Mai in Berlin einmal aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren.
Wie erlebt ein Fotograf den ersten Mai, der mit der Kamera bewaffnet, auf Veranstaltungen und Demonstrationen fotografiert?

Andreas Markus ist Fotograf. Er fotografiert Brandanschläge, Verkehrsunfälle, Verfolgungsjagden, Festnahmen, Demonstrationen und sonstige Feuerwehr- und Polizeieinsätze. Die meisten seiner Bilder entstehen mitten in der Nacht, da darf man nicht zimperlich sein.

pEtEr: Wie erfährst du von solchen Vorfällen und was sind deine Kriterien, nach denen du entschiedest, ob du losziehst und fotografierst?

Andreas Markus: Eine zuverlässige Quelle meldet die Geschichten und ich entscheide ob sich die Geschichte sich von alltäglichen Dingen abhebt. Natürlich spielt es auch eine Rolle wie weit man Fahren muss.

Brandanschlag auf Auto in Berlin

pEtEr: Berlin, 1.Mai. Und wie jedes Jahr werden sich in Berlin wieder tausende Menschen in Bewegung setzten: Mayday, NPD-Gegendemo, 13-Uhr-Demo, Myfest, 18-Uhr-Demo und Gewerkschaftsdemo. Schon im Vorfeld ist die Stimmung aggressiv, fast jede Nacht brennt in Kreuzberg, Mitte oder Friedrichshain ein Auto. Die Polizei befürchtet starke Krawalle und Ausschreitungen.
Welche Pläne hast du für den ersten Mai?

Andreas Markus: Die Walpurghisnacht hoffentlich überstehen, die Technik in Ordnung bringen und dann ab 15 Uhr zum Mayfest fahren. Bereits in der Walpurghisnacht werde ich an altbekannten Plätzen (aus den Jahren zuvor) präsent sein.
Am ersten Mai werde ich nach dem Ende des Myfestes das weitere Geschehen beobachten und spontan entscheiden zu welchem Brennpunkt man eilt. Wie in jedem Jahr werde ich mich dabei auf meine gute Spürnase verlassen.

Festnahme durch Polizei BerlinpEtEr: Spricht man sich vor solchen Demonstration mit der Polizei und den Einsatzkräften ab?

Andreas Markus: War es bis vor 5 Jahren noch möglich sich mit Einsatzkräften abzusprechen, so ist das heute unklug, denn die Presse wird häufig bei Ausführung ihrer Tätigkeiten gestört. Ein möglicher Grund ist, dass viele Polizisten ihre teilweise rechtswidrigen Übergriffe auf Demonstranten oder gar Unbeteiligte nicht Dokumentiert haben wollen.

pEtEr: Wird man von den Beamten und Demonstranten als neutraler Berichterstatter akzeptiert, oder ist eher das Gegenteil der Fall?

Andreas Markus: Häufig wird die Presse als Störfaktor angesehen.
Ist die Pressearbeit für die  Polizei dienlich, werden gern Pressemitarbeiter vor Ort gesehen.  Zeigt sie die Polizei jedoch in einer unglücklichen Situation (bsw. zu viele brennende Autos in einer kurzen Zeit), wird eine Berichterstattung nur ungern gesehen und versucht zu verhindern.

pEtEr: In TV-Berichten sieht man sehr oft Fotografen, die sich auf Demonstrationen zwischen den Fronten bewegen und dort fotografieren. Wie gefährlich ist ein solcher Einsatz?

Andreas Markus: Kurz und knapp: (manchmal) Lebensgefährlich.

Krawall Boxhagener Platz Friedrichshain Walpurgisnacht

pEtEr: Wie weit gehst du um DAS Bild zu bekommen?

Andreas Markus: Wie weit geht man schon, um sich für 50€ vor einen geworfenen Stein zu schmeißen, um diesen zu fotografieren? Geht etwas kaputt, bleibt man auf den Kosten sitzen (Kamera mit Objektiv und Blitz ca. 8000€) und ob DAS Bild dann gedruckt wird steht auf einem anderen Blatt.

pEtEr: Bist du bei deinen Einsätzen (nicht nur Demonstrationen) schon einmal angegangen worden, oder hast du dich schon einmal verletzt? Wenn ja, wann war das und wie kam es dazu?

Andreas Markus: Mehrere Male wurde ich schon Opfer von Übergriffen durch Polizisten, die ihre Maßnahmen nicht Dokumentiert haben wollten. Andererseits sind es meistens Verwandte oder Freunde. Bei Demonstrationen sind es meistens nicht die richtigen
Teilnehmer der Demo, sondern krawallorientierte Jugendliche, die eigentlich kein Ziel haben, sondern nur Steine schmeißen wollen – egal auf was.

Festnahme nach Verfolgungsjagd BerlinpEtEr: Einige deiner Bilder sind bei den großen Fotoagenturen wie DPA, DDP & Getty Images zu finden. Einen großen Teil deiner Bilder kann man sich bei Flickr anschauen. Nutzt du Flickr um deine Bilder zu vermarkten?

Andreas Markus: Ja, Flickr ist eine prima weltweite Werbeplatform, um den eigenen Namen bekannter zu machen. Agenturen machen hiervon häufig Gebrauch.

pEtEr: Arbeitest du für Agenturen, machst du auch Auftragsarbeiten für Redaktionen oder Werbeaufnahmen?

Andreas Markus: Bis vor zwei Jahren war es noch möglich, aber mittlerweile wird noch mehr gespart und die Auftragslage ist weitestgehend zurück gegangen.  (vor zwei Jahren gab es eine Tagespauschale von 395€ für 8 Stunden arbeit + Kilometerpauschale + Verpflegungspauschale, Heute gibt es vielleicht 100-150€ für 12 Stunden und länger. Die oben genannten Pauschalen entfallen ganz und das Geld gibt es  3 bis 4 Monaten nach Rechnungslegung).

pEtEr: Wo sind deine Bilder zu sehen?

Andreas Markus:  Bei richtig guten Geschichten sieht die ganze Welt meine Bilder in den Zeitungen (hauptsächlich Promigeschichten – z.B. Katie und Suri Holmes – Cruise 2006 in Berlin). Bei Kriminalgeschichten eher Regional und bei einigen Ausnahmen Deutschlandweit.
Im Internet natürlich hauptsächlich bei Flickr und in diversen Blogs.

Matt Damon und Nicole Kidman auf der Berlinale

pEtEr: Nutzt du bei deiner Arbeit die Vorteile einer Digitalkamera, also z.B. große Kapazitäten, Serienbilder, kein Filmwechsel etc., oder arbeitest du mit einer analogen Kamera?

Andreas Markus: Die Vorteile einer digitalen Kamera sind nicht mehr wegzudenken, da sich alles nur noch um Schnelligkeit dreht.
Meine Kamera ist in der Lage die Bilder aus der Kamera an den Kunden zu senden. Analoge Fotografie ist eher etwas für die Freizeit geworden.

pEtEr: Equipment mit geringem Gewicht bringt bei deiner Arbeit sicher enorme Vorteile. Wie viel Equipment nimmst du bei deinen Einsätzen mit? Nutzt du ein sog. „Reporterobjektiv“ und/oder hast du auch Wechselobjektive mit dabei?

Andreas Markus: Die Nikon D3 als Kamera, ein 24-70 mm als Reporterobjektiv, ein 70-200mm als Standard Teleobjektiv und ein 300mm Festbrennweite für lange Distanzen.

Bankraeuber SEK Einsatz Berlin

pEtEr: Als web-affiner Blogger interessiert es mich natürlich auch, wie du die Bilder zum Kunden bringst. Lädst du die Bilder direkt vor Ort mit einem Laptop auf den Server, oder ist der Großraum Berlin übersichtlich genug, um die Bilder im Büro, oder beim Kunden zu übermitteln?

Andreas Markus: Je nachdem wie schnell die Bilder beim Kunden sein müssen, sende ich via. Laptop von vor Ort, hat es etwas Zeit mache ich das auch gern vom Büro aus.

pEtEr: Andreas, vielen Dank für das Interview!

Alle Bilder von Andreas Markus.


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10 KOMMENTARE

  1. Hi Peter,

    hoffe alles klar bei dir!? Sehr schönes Interview aus ner ungewohnten Perspektive vom 1. Mai. Sowas kann sehr gerne öfters kommen. Und der neue Hintegrund ist schön gediegen und weniger stressig als das gelbe.
    Grüße:-)

  2. […] vielleicht sogar von Hassbrennern die in der Wanne sitzen. Nach ein wenig Recherche nun, fand ich hier ein Interview was mit ihm geführt wurde zum ersten Mai, sein Flickr Stream findet sich im übrigen hier. Da er […]

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