Boohgaloo Zoo – Boohgaloo Zoo

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Die Rapszene Hollands ist ja so Untergrund, dass sie quasi unterhalb des Meeresspiegels existiert, und die Belgier wissen noch nicht, ob sie nun ins flanderische Lager gehören oder eben nicht. Aber lassen wir ma die lauen Gags über unsere überflutungsbedrohte Nachbarnation und dessen spaltungsbereiten, südlichen Anrainerstaat und kommen zurück zu den Fakten.

Mit Boohgaloo Zoo haben sich zwei Meister K’Bonus (Antwerpen) & U-Gene (Amsterdam) zusammengetan, um zu exemplifizieren wie dickflüssig, drall, slick und groovy europäischer Funk daher kommen kann, hier stillstehen – ein vergeblicher Versuch.

Beide sind keine Traditionalisten und daher wird in den schweren süssen Brei hier & da etwas (Nu-)Disco und House eingemischt, die Vocals bleiben immer schön geschmeidig und dope und der Funk P’t vor sich hin, als wäre es 1969. Nimmt man nun noch die wuchtig wummernden Beats hinzu, die ihre Hip Hopherkunft ganz bewusst ausstellen – fragt man sich … ist diese Platte tatsächlich ein Debüt?

Und ja, ist sie und wenn jede weitere Veröffentlichung diesen Monstersoundtraum fortschreibt, will ich mehr!

Gastmusiker?

Aber sicher, als ersten will ich den belgischen 1210er-Wizard Grazzhoppa nennen, der der ersten Single „No Joke“ die gekonnten Scratchs mitgab. Und Cuts sind ja leider heute eher rar gesät. Für mich, der in ihnen einen der zentralen, ästhetischen Effekte von Hip Hop sieht, ist diese Entwicklung natürlich ein eher harter Kanten Brot.

Klar, man kann jetzt auch abwinken und lauthals Anachronismus! schreien, aber wer stampfende Breaks nicht feiern & ehren kann – ist ohnehin verloren. Dessen Beatkarma ist sicherlich leer gefuttert und wahrscheinlich verkümmert auch gerade seine Pobewegmuskulatur.

Den anderen jetzt etwas unruhig gewordenen Handclappern kann ich nur die vier Tracks, die Replife mit seinem herrlich unzeitgemässen Flow veredelt hat, ans Herz legen. Der Clevelander MC ist nicht grundlos Gilles Petersons erste Wahl und erinnert nicht selten an eine Schnittmenge aus Q-Tip & Perquisite und dürfte somit als Methadon für alle Native Tongue-Romantiker durchgehen, funky slick – dope!

Der Rest der Platte erhält selbstsprechend die gleiche Wertung.

Und weil man Ärsche besser zu Tönen als zu Worten bewegen kann, hier mal die erste Single mit extrem schickem Vintagevidoe, Grazzhoppa an den Cuts & Replife am Mic. Europe – yes, we can (rock)!

Und weil dieses lustige Video natürlich soviel Lust auf mehr macht, hier noch ne Draufgabe, der digitale Fischhändler legt noch einen Goldbarsch nach!

Die Nummer ist ein reines Instrumental und ja wächst & wächst & wächst, obwohl „Dead Wood“ sowas ja eigentlich nicht mehr können sollte! Aber egal. Los! Tanzt zum Zombieholz.

Boohgaloo Zoo – Boohgaloo Zoo (Lovemonk / VÖ: 11.06.2010)

Über den Autor:
Markus Dewes ist freier Journalist/Kulturblogger und betreibt den Blog „Der digitale Flaneur

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