12.06.2009 – Meine grüne Bewegung

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Vor einem Jahr verbreitete sich über Facebook die Videokampagne von dem Kandidaten Moussavi. Zu sehen waren junge Iraner, Intellektuelle und Künstler des Landes, die der Regierung Ahmadinejads entschlossen entgegen standen und sich pro ’sabz‘ (grün) aussprachen. Videos von Demonstranten die ‚Ahmadi bye bye‘ sangen erweckten eine heitere Stimmung und Zuversicht, dass diese Wahlen anders werden würden.

Es waren diese Bilder, welche die Exil Iraner mit Zuversicht dazu brachten selbst wählen zu gehen. Ich selbst schnappte mir mein Telefon und versuchte alle meine iranischen Freunde und Bekanntschaften zu mobilisieren. Verschiedenes bekam ich zu hören, wie: ‚Na meinst du wirklich? Das bringt doch eh nix! Das letzte Mal haben sie sich von Khatami auch soviel erhofft und waren doch nicht zufrieden.“ Oder „Ja ich gehe hin! Aber dieser ganze Medienrummel drumherum nervt mich.“

Mir war das alles egal. Ich spürte, dass da was in der Luft liegt und mir war bewusst, dass es eine historische Bedeutung haben wird. So schnallte ich mir mein 8 Monate altes Baby an, nahm meinen Kopftuch und fuhr nach Dahlem zur iranischen Botschaft. Ich bekam Herzklopfen, als ich die Menge sah die mit grünen Kopftüchern und Kind und Kegel ankamen. Drin erkannte mich der Angestellte von der Passport Abteilung sofort, da ich zwei Wochen zuvor meinen iranischen Pass abgeholt hatte. Er grüßte mich sehr freundlich und sagte:“Na siehst du, dein Pass ist doch zu etwas zu gebrauchen.“ Hier muss ich noch erwähnen, dass ich mein Pass ein Jahr nach Beantragung abgeholt hatte.

Die Stimmung war gut, die Wähler wurden mit Plätzchen und Getränken empfangen. Eine Mutter versuchte mit einem Mitarbeiter zu Verhandeln, weil sie Ihrer Tochter beim Ausfüllen der Zettel helfen wollte, ’sie kann doch nicht persisch schreiben‘ sagte sie flehend. Ein anderer vergewisserte sich nochmals, ob er es richtig verstanden habe: „Erst die Listen Nummer dann der Name.“
Ich setzte mich hin. Mit zitternden Händen trug ich ein: Listennummer, Name. Einmal falten, dann in die Box.
Aufgeregt wartete ich auf die Ergebnisse. Es muss Moussavi sein. Was anderes war nicht logisch, durfte nicht sein.

Als dann das Ergebnis durchkam – Ahamdinejads Sieg mit eine zweidrittel Mehrheit – viel die ganze Spannung von mir und machte platz für Trauer und Wut. Ich hatte das Bedürfnis zu schreien. Betrüger! Das war mir sofort klar.
Via Facebook chattete ich mit meiner Freundin im Iran, die in der Presseabteilung einer japanischen Firma arbeitet. Sie bedauerte die betrogenen jungen Iraner. Daraufhin antwortete ich, dass ich hoffe, dass sie es nicht auf sich sitzen lassen. Wie gefesselt klebte ich an meinem Laptop und schließlich kamen auch die ersten Bilder der Menschen, die auf die Straße gingen. Erleichtert sah ich zu und bedauerte, dass ich nur zusehen konnte.

Und ehe ich mich versah, saß ich am Abend mit pEtEr auf der Couch und verbreiteten Nachrichten und Bilder, die uns die Menschen vor Ort über Twitter verschickten. Leiteten alternative Server für die Leute vor Ort weiter, da sowohl das Internet als auch die Mobilfunknetze lahm gelegt wurden. Es vergingen Wochen, mit dieser Tätigkeit. Da das Fernsehen und andere Medien hier keine Reporter mehr vor Ort hatten und auf Grund der Prüfbarkeit zögerten Nachrichten über Twitter zu bearbeiten, sah ich meine Aufgabe darin, Menschen die sich in meinem Facebook Umfeld befinden mit Neuigkeiten zu versogen. Selbst Iraner vor Ort waren Teilweise auf uns angewiesen, da sie keine Ahnung hatten was los war.
An dieser Stelle möchte ich Bilder sprechen lassen, denn diese sind es, die diese grüne Welle über die Grenzen Irans haben überschwappen lassen und Menschen aus allen Nationen bewegten.

Diese Zusammenfassung der Geschehnisse von Al Jazeera English bring es gut auf den Punkt:

Fortsetzung folgt…

Foto (cc) mohammadali

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