Dubstep.net wird Eins – Der Anfang vom Ende?

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DJing als Kulturtechnik
DJs sind ja meistens etwas bekloppt. Sie wollen, dass alle zur Party kommen, hart abfeiern, sich keiner irgendwelche dämlichen Tracks wünscht, die Hater in der Ecke zufrieden mit dem Kopf nicken und die große Masse möglichst keinen einzigen Chune kennt. Ganz eventuell darf sich vielleicht der eine oder andere Partybesucher an das Original erinnert fühlen, damit man auf die Frage „Kannst Du mal das Original spielen“ kurz und knapp mit einem Lächeln antworten kann: Nope!

Klingt bescheuert? Jo, ist es ja auch. Wehe, wehe, es spielt einer nur die ganzen Hits – da kann man ja gleich in die Disse gehen. Wer sich wirklich mit Musik auskennt, spielt Musik, die keiner kennt. Das ist doch gerade die Aufgabe von DJs – neue Tracks präsentieren, die möglichst vertraute Gefühle ansprechen, aber eben doch ganz anders, viel fresher und sowieso derbe viel geiler sind. Immer wieder „Simm simma, who got the keys to my bimma!“ ist wie Schwarzbrot. Macht satt, schmeckt nicht.

Tracks für alle!
Bleibt also die Frage, wie man an die immer neuen, immer fetteren Tracks kommt. Seit Emule und CoKG ist es ja ein leichtes, Tracks einfach aus dem Netz zu saugen, sich auf seinen Rechner zu schieben und ein DJ zu sein. Soweit so gut. Die Demokratisierung des Auflegens kann ich nur ausdrücklich begrüßen! Meistens krankte es aber an der Qualität und der Übersichtlichkeit – mal ganz abgesehen von den rechtlichen Aspekten und moralischen Fragen wie „Sollte der Künstler nicht wenigstens auch was vom Kuchen abbekommen?“.

Das haben sich die Macher von Dubstep.net wohl auch gedacht und eine Plattform ins Leben gerufen, die etwas an Soundcloud erinnert und davon lebt, dass Remixe und neue Tracks in wirklich korrekter Qualität vorgehört, runtergeladen und bewertert werden können. Dadurch weiß der geneigte Dubstep-Frischling direkt, was so angesagt ist, was er sich saugen sollte, was so auf den Teller gehören könnte. Ganz nebenbei vernetzt die Plattform und formt sich eine krasse Community – der Erfolg gibt ihnen recht: 170.000 Fans auf Facebook in einem Jahr!

Aber bitte mit Herz!
Das Problem an der Nummer: Es macht die Musik irgendwie kaputt. Es entwertet die Musik, wenn ich am Tag Hunderte neue Tracks runterladen kann/muss. Mich erinnert das stark an die Entwicklung von Reggae/Dancehall in den letzten Jahren. Auch dort wurden quasi direkt nach Erscheinen des Riddims, die ersten Versions durch das Netz gepustet. Die jungen Sounds saugten sich den Scheiss und hauten am Abend wie herzlose Vampire die Bretter raus – ohne Rücksicht auf Verluste. Next tune. Wenn ich mich jetzt anhöre, wie mein eigener Opa, dann haut es mir doch hier in den Kommentaren um die Ohren!

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5 KOMMENTARE

  1. So… tollles Topic: Die Vergänglichkeit von Musik durch Mainstream 🙂 Ich für mich hab da ein ganz gutes Motto: „Research and Destroy“
    D.h. ich finde etwas, das ich ganz doll mag. Dann hör ich das bei mir rauf und runter, mach Mixe etc.., bis die Masse das auch mag ab dann ist für mich der Drop gelutscht.. und ich finde wieder etwas Neues, Tolles was sich aus dem Vorherigen entwickelt hat. Ne Zeitlang versucht man das dann zu vermischen, bis man wirklich irgendwo anders landet. Verständlich? Hmm..
    Ich nenne es Evolution.

  2. Ich kann da nur zustimmen.
    Als ich Dubstep.net auf soundcloud gefunden habe, war das anfänglich wie Weihnachten für mich. Da gibt es einen permanenten output mit den krassesten songs für den dancefloor, kostenlos als download und die songs werden auch noch massenhaft bewertet! was kann es schöneres geben? – so die anfängliche stimmung.
    recht schnell merkte ich, dass es zu einem äußerst zeitaufwendigen nebenjob werden kann, um dem workflow der seite nur halbwegs zu folgen, schließlich soll der DJ up to date sein. Mittlerweile ist meine Stimmung komplett gekippt und ich ignorriere deren Output momentan komplett.

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