#ProjektiTunes 1: Ein iCloud Workaround

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Kürzlich ist eine aktualisierte Version der Musikverwaltungssoftware iTunes (10.7) als Download bei Apple erschienen. Für den einen ist das Programm ein unnötiges Beiwerk zum Smartphone, das aber trotz Ausweitung der iCloud-Funktionen nach wie vor obligatorisch ist. Für den anderen ist iTunes seit Jahren eine treue Musik-Mediathek, mit Zählwerk und Playlisten.

Am vergangenen Wochenende habe ich mir, sozusagen als #ProjektiTunes, meine Mediathek vorgenommen und einer Aufräumaktion, was Cover und Genre-Tags angeht, vorgenommen. Als Krönung sollten BPM-Zahlen und zusätzliche Schlagwörter, zur Aufteilung der Musik in Creative-Commons und andere Lizenzierungen, an die Musikdateien angehängt werden. Seit Dezember des vergangenen Jahres, nutze ich iTunes Match als Cloudservice, um meine Musik mit der iTunes Mediathek abzugleichen, sowie meine Inhalte auf weitere Geräte zu laden und den Datenbestand gleich zu halten. Dieser Dienst soll die gewünschten Änderungen an der Mediathek auf zwei Rechnern synchron halten.

Der Einfachheit halber werde ich mich in der Zusammenfassung also auf die drei wesentlichen Bestandteile des #ProjektiTunes beschränken, die da wären: iTunes Match, der Abgleich der ID3-Tags, BPM-Infos zu den Tracks sowie Weitere Tags, wie z.B. Creative-Commons.

iTunes Match

Was kann und macht iTunes Match und wie habe ich es bis zum letzten Wochenende genutzt? Als im Dezember des vergangenen Jahres iTunes Match angekündigt und überraschenderweise, trotz anhaltender Unklarheiten in Sachen Urheberrecht und GEMA, in Deutschland gestartet wurde, hörte sich das Preis-Leistungs Verhältnis des Dienstes gar nicht mal so übel an.

Für 24,99€ pro Jahr, kann man die Musik-Dateien der iTunes Mediathek mit den Daten der Server von Apple abgleichen lassen und:

  • insgesamt 25.000 Songs hochladen (ausgenommen Einkäufe aus dem iTunes-Store)
  • Dateien mit niedriger Bitrate nach Abgleich besserer Qualität (256 KBit/s AAC ohne DRM) laden
  • Playlisten und Alben auf insgesamt 10 Geräten Herunterladen und Abgleichen
  • Tracks die größer als 200 MB sind werden nicht zu iCloud hochgeladen

Der Abgleich der Mediathek mit iCloud ging beim ersten Start verhältnismäßig schnell, bei ca. 14000 Dateien sollte man aber je nach Breitband-Anbindung auch ein bisschen verständnisvoller mit den iTunes-Servern umgehen. Als erstes befütterte ich das iPhone mit den Songs aus der Cloud. Dazu muss im Menü der iTunes-Match Schalter umgelegt werden. Vorsicht! – die bestehende Mediathek auf dem iOS-Gerät wird gelöscht. Die Dateien aus der iCloud müssen nicht immer zwingend komplett geladen werden, Musikstreaming, sowohl über das mobile Netz, als auch im WLAN sind möglich.

iCloud und iTunes Match

Mangels Speicherplatz auf meinem bisherigen MacBook beschränkte sich die Musik also auf den stationären Rechner im heimischen Netzwerk. Dieser war sozusagen die Basisstation für die Musik. Mit dem Wechsel des Rechners, mehr Speicherplatz und dem Vorhaben, die Mediathek auch mobil und ohne Internet z.B. zum Auflegen verfügbar zu haben kam die Frage auf, ob ein Abgleich der Mediathek auf beiden Geräten möglich sei.

Vorraussetzung für dieses Vorhaben war:

  • von beiden Endgeräten sollen Dateien zur Mediathek hinzugefügt werden können
  • geänderte Meta-Informationen umgehend auf dem anderen Gerät verfügbar sein
  • automatischer Download der vom anderen Rechner hinzugefügten Dateien

Zum Abgleich von einer iTunes-Musiksammlung mit zwei Rechnern, Konfigurationen mit NAS-Speichern und Mac-Minis als heimische Mediathek, gibt es im Netz unzählige, komplizierte Installations-Tutorials. Die Überlegung, ob so etwas nicht einfacher mit iTunes-Match zu machen sein sollte lag nahe, ich hatte bis zum letzten Wochenende nur noch nichts in diese Richtung ausprobiert. Ein einfacher Test lieferte die Antwort.

Ich habe eine Datei mit falschen Meta-Informationen mit iTunes-Match abgeglichen, am anderen Rechner korrigiert und erneut abgeglichen. Fazit: Die jeweils aktuellste Information vor dem Abgleich mit den iCloud-Servern landet auf allen Geräten. Ein neu hinzugefügtes Album, Musikstück oder eine EP konnte nach der Synchronisation an beiden Geräten heruntergeladen, bzw. angezeigt werden. Ein automatischer Download funktioniert, leider, nach wie vor nur mit Einkäufen aus dem iTunes-Store.

Tags in den Kommentaren (z.B. #ccmusic)

Als nächster Schritt sollten einzelne Alben oder Compilations in den Kommentaren mit Tags markiert und somit durchsuchbar gemacht werden. In den Ansichtseinstellungen (am Mac – Apfel + J) kann man die einzelnen Spalten auswählen, die sowohl in der Gesamtübersicht anzeigt werden und somit auch durchsuchbar sein sollen.


Darstellungsoptionen in iTunes – ? + J

Die optimale Auswahl an Spalten habe ich noch nicht gefunden, aber zunächst einmal als zusätzliche Felder Kommentar und BPM ausgewählt. Trage ich nun in den Metainformationen der unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlichten Alben oder EP’s, den von mir gewählten Begriff #ccmusic ein, kann ich schnell und übersichtlich auf meine Sammlung an CC-Musik zugreifen.

BPM-Infos

Nachdem die Anzeige der einzelnen Spalten geklärt ist, bleibt nun noch zu klären, wie ich die BPM-Infos in die Meta-Informationen meiner Musikdateien bekomme. Da wären zum einen kleine Tools wie der BPMer, oder der BPM Analyzer von Mixmeister, da aber eher davon auszugehen ist, dass derjenige der Wert auf BPM-Infos legt, sich in irgendeiner Form mit Deejaying beschäftigt, können die klassischen Begleiter wie Traktor oder Serato hier prima aushelfen.


Analyse der Musikdateien mit Traktor

Nach Abgleich der iTunes-Mediathek mit Traktor werden die BPM-Tags in der iTunes-Mediathek unter dem gewählten Feld angezeigt.

Abgleich der Metainformationen (ID3-Tags)

iTunes Match bietet mir neben dem Zugriff auf meine Musik von allen Devices, die unter einer Apple-ID angemeldet sind, auch die Option des Abgleichs von Metainformationen aus der Wolke. Ändere ich am mobilen Rechner ein Cover, eine Genre-Information oder füge ein Schlagwort in die Kommentare des Tracks wie z.B. #ccmusic ein, erfolgt mit der nächsten Synchronisation ein Abgleich mit den Daten in der Wolke. Der Vorteil? Zwei Mediatheken, lokal auf den Rechnern, beide mit den gleichen Meta-Informationen und daher keine komplette Abhängigkeit von der iCloud.

Fazit

Wenn man von den teilweise langen Ladezeiten, insbesondere beim ersten Abgleich der Mediathek mit iCloud, absieht, kann man wirklich Gefallen an einer Cloud-Lösung wie iTunes-Match finden. Einige alte Mp3-Alben, die noch zu Winamp-Zeiten an alten Rechnern von CD komprimiert wurden, sind durch frische AAC-Dateien abgeglichen. Die Durchsuchbarkeit der Kommentare ermöglicht mir erstmals, sämtliche CC-Titel von meinem Rechner, bzw. den externen Festplatten, ebenfalls zu meiner Mediathek hinzuzufügen. Dank der beigefügten BPM-Infos kann man auch ohne DJ-Software unterwegs Playlists mit BPM-Orientierung erstellen. Auf Programme, wie z.B. Songgenie, die Metainformationen automatisch ergänzen, verzichte ich bewusst. Ein Abgleich mit einer alten Mediathek brachte sämtliche Cover-Infos, Releasedaten etc. durcheinander.

Der Beitrag war kürzer geplant, sollte aber am Ende doch ausführlich und zusammenfassend für alle Änderungen an meiner Mediathek stehen. Erfahrungsberichte, Meinungen etc. dürfen gerne in den Kommentaren untergebracht werden. Feedback ausdrücklich erwünscht.

Disclaimer: Gestern habe ich diesen Post hier veröffentlicht. Mein Beitrag bei den Blogrebellen hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Dies ist ein Crossposting. Es wurde zuerst auf Progolog veröffentlicht.

10 KOMMENTARE

  1. Danke Johannes, cooler und informativer Artikel!

    Hast Du wirklich die Spalte „Hinzugefügt an“ nicht aktiv?
    Die ist das A und O bei mir. Eigentlich höre ich ständig meine Bib die meiste Zeit einfach angefangen bei den neusten Tunes und dann rückwärts in der Zeit…

  2. Dito, hier auch! Ohne „Hinzugefügt am“ würde ich komplett den Überblick verlieren 😉

    @Johannes: Zu iTunes Match: War das aktivieren von Match wirklich so problemlos? Spiele schon lange mit dem Gedanken auch die 25 Euronen zu investieren, habe mich bisher aber nicht wirklich getraut.

  3. Gude Peter,

    seit dem ersten Tag MusicMatch Benutzer, auch um den alten 128kbps Kram mal zu updaten. Wenn Du viel Zeugs hast was sich im iTunes Store nicht findet, wird das natürlich alles erstmal in die iCloud hochgeladen, falls nicht jemand anders den Track auch schon mal hochgeladen hat.. naja und das dauert dann halt mal ein paar Stunden ..oder ne ganze Nacht. Danach ist die Musik halt überall zum streamen verfügbar und ich glaube sogar bei mehr als 5 Geräten möglich (evtl. zählen iPhones/iPads einfach nicht). Wer nicht streamen kann oder will, kann dann einfach noch den download knopf klicken und dann wird das AAC file runtergeladen (auch aufs iPhone z.Bsp.)..

    Alles in allem ne runde Sache.. hatte aber auch gelesen das Amazon auch sowas anbietet und da gibts mehr als 25.000 Songs..

  4. sehr guter Artikel, bin zwar selbst keiner von den iTunes Nutzern, doch den Tip mit dem #ccmusic Tag in den Kommentaren ist super und ich werde gleich mal schauen ob das mein Player auch unterstützt. oder ist die Tag Sache ein iTunes feature?
    Cheers Panoni

  5. Also ich find deinen Artikel auch Klasse. Er deckt sich weitgehend mit meinen Erfahrungen. Mich persönlich begeistert iTunes Match geradezu. Deswegen habe ich vor ein paar Tagen einen ähnlichen Artikel in meinem Blog veröffentlicht.

    Eine Sache ist mir oben noch ins Auge gesprungen. Wenn man iTunes Match auf einem iOS-Gerät aktiviert, dann wird die vorhandene Mediathek nicht gelöscht. iTunes Match erkennt, was schon da ist und was noch fehlt, und ergänzt nur die fehlenden Verknüpfungen.

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