Digitales Auflegen ist real, auch ohne den Hawtin zu machen!

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Immer wieder, wenn über DJing mit Traktor, Serato und Co diskutiert wird, kommt als Argument, digitales Auflegen sei so viel besser, wegen der vielen Möglichkeiten, die es dem Auflegen mit Vinyl voraus hätte. (Kann man zB sehr schön, an diesem Facebook-Kommentar sehen.) Ja, auch ich habe das schon gesagt und es stimmt natürlich. Ich schätze diese Möglichkeiten sehr. Cue-Punkte und Loops bereichern mein DJing unglaublich, so ein kleines Echo Freeze rettet jeden Übergang usw usf.

ABER: Das Argument mit den erweiterten Möglichkeiten ist doch nicht zentral. Es ist vorgeschoben. Mittlerweile halte ich die ganze Frage für total überflüssig. Als ob digitales Auflegen keine Berechtigung hätte, wenn man dabei nicht den Hawtin macht. Was für ein Bullshit!

Selbst wenn ich einfach nur einen Tune nach dem anderen spielte. Ohne Effekte, Loops, ja von mir aus sogar ohne Beatmixing, würde ich es lieber mit Traktor tun, als mir den Rücken mit Platten rundzuschleppen, um dann doch nur eine sehr beschränkte Auswahl dabei zu haben.

Es gibt keinen Realnessvorsprung bei physikalischen Tonträgern, den man mit Effekten, Loops und Live-Remixing übertünchen müßte, damit digitales Auflegen eine Berechtigung erhält.

Habt ihr das jetzt alle mal gerafft? Ich sags sonst gerne noch ein Mal:
Fucking Vinyl ist kein beschissenes Fitzelchen mehr real als jedes andere Tool, das zum Auflegen verwendet werden kann und deswegen muß man mit den anderen Tools auch nicht mehr rumspielen, um sich über den Umweg des Controllerism irgendeine Credibility herbeizuhalluzinieren!

Deswegen ist es auch komplett egal, WIE ihr euren Trekker fahrt.
Einfach nur die richtigen Tunes für die Crowd zum richtigen Zeitpunkt zu spielen ist die Kernkompetenz des DJs und wird sie immer bleiben. Dafür ist es völlig unerheblich, von welchem Medium die Musik kommt.

Checkt das endlich, all ihr Digitaljocks und lasst euch nicht mehr auf die Scheindiskussionen mit dem Pseudoargument ein, digitales DJing wäre nur dann ok, wenn man dabei ständig den Traktor (und das Publikum) an seine Grenzen treibt! Es ist okay. Punkt!

20 KOMMENTARE

  1. Naja, wie Du schon sagst, „es ist ok“, aber mehr auch nicht. Und mal ehrlich, für ein paar Stunden gute Action braucht ein Vinyl DJ nicht mehr Platz an Platten in seiner Tasche mitzunehmen, als Du mit Deinem:

    Laptop
    Kabel
    Netzteil
    Festplatte
    Laptopstand
    Traktor-Interface
    und was sonst noch alles…

    Alter, dieser ganze Scheiß ist die Antwort auf Deine geforderte, aber nicht vorhandene Credibility. Nicht zu vergessen die ganzen Nerds, die nur auf ihren Laptop glotzen 😀 Grauenhaft!

    Das Argument mit der großen Auswahl, die sowieso niemals in einem Set vernünftig genutzt werden kann, zieht da leider auch nicht. Ich meine wie willst Du denn Deine 100 GB Musik in einem Set unterbringen 😀

    Und ein Vinyl DJ braucht seine Platte einfach nur auf den Teller zu legen und los geht’s. Nicht noch vorher die letzten 15 Minuten des anderen DJs kaputt machen. Uähhrghh!

  2. totaler müll, sorry. beleg: vinyl macht mehr spaß, fässt sich anders an und hat andere möglichkeiten. außerdem ist es exklusiver.

  3. @Armin:
    Hm, bin genau mit Rechner, Controller und einem Netzteil unterwegs. Ich bin in unter drei Minuten aufgebaut und startbereit. Ich pfusche dem DJ vor mir auch nicht ins Set, weil ich nur einen Lineeingang des Mischers belege. Bißchen viel Vorurteile hast Du da…

    Natürlich kann ich keine 100 GB spielen, aber welche Tunes ich spiele, muß ich nicht zu Hause entscheiden. Der Vinyl-DJ mit einer Tasche schon. Mehr als 40 Paltten gehen in kaum eine Tasche….

  4. doch, es geht um skills und alle vinyl jockey, die kein turntableism betreiben kann ich deshlab nicht ernst nehmen. also 99,99%. die anderen sind DJs. mehr als musik aneinander reihen ist weder bei vinyl- noch bei digital-djs der cluballtag. der rest ist halt dümmliches distinktionsgehabe, wie man an bemerkungen wie „ist exklusiver“ (auch sachlich großer unsinn, vinyl releases sind nicht exclusiv, wenn schon wären dubplates das exlusivmedium) sieht.

  5. Es geht dabei nicht um Digital vs. Vinyl, sondern um DJ vs. mp3-Abspieler. Die digitalen DJ-Systeme haben die Eintrittsbarriere extrem gesenkt. Der Reiz, vor Leuten in einem Club Musik abzuspielen, ist sehr hoch. Früher war dies mit einem gewissen Aufwand verbunden, Platten kaufen, die richtigen Platten kaufen, ausreichende Mixingskills wie Beatmatching und Übergänge. D.h. der Selektionsprozess war stärker, man musste mehr investieren um eine Gratifikation zu erlangen, die Zahl der Leute auf dem Weg zum DJ-Olymp war kleiner. 🙂
    Heute kann, um es mal salopp zu formulieren, jeder Depp ziemlich schnell „auflegen“ lernen, ohne dass es brutal scheiße klingt. Der Sync-Button übernimmt die Beatmatching-Arbeit, und die oft kostenlose ständige Verfügbarkeit immenser digitaler Musiksammlungen hat den früheren Selektionsprozess schon im Plattenladen verdrängt.
    Ich persönlich lege gerne mit Platten auf, bin aber mittlerweile auch von der Kombination Traktor + Controller überzeugt. Alleine die Verfügbarkeit der Effekte ist unschlagbar. Ich vertraue allerdings immer noch auf die Kombination von beidem, Traktor Scratch und ein Täschen mit Platten, denn wenn der Rechner streikt, dann ist die Kacke am danpfen 😉

  6. doch peter, gerade die subjektivität macht das erlebnis. egal ob digital oder vinyl. wer das nicht ernst nimmt, wird diese fights nicht verstehen. mir machts mehr spaß daher mache ich es. das ist der grund. skp scheint auch seine privaten distinktionsgründe zu haben, das müssen noch lange nicht meine sein, aber sie sind da.

  7. @skp: Das, was du da wegen der benötigten Skills erst ernst nimmst, hat mit dem ursprünglichen DJing ja wenig zu tun. Turntabelisten sind Musiker, bei denen im Zweifelsfall relativ egal ist, was sie auf dem Plattenteller liegen haben. Das ist große Kunst, keine Frage.
    Nur, was hat das mit Auflegen im Sinne von Party zu tun? Niemand möchte 3 Stunden lang jemandem zuhören, wie er sich einen abscratcht. Das ist eher etwas für eine Konzertsituation und passt auch beileibe nicht zu jeder Sorte Musik.

    Wenn für Dich Skills wie Crowdreading und Setprogrammierung nicht zählen, weil Du Fan von Turntabelism bist, ok. Nur geht das, wie gesagt, am Thema vorbei….

    @seroc:
    Ich verstehe Dein Problem, ich komme ja auch vom Vinyl und bin manchmal fast ein wenig beleidigt, wie leicht es heute ist. Ich sehe darin allerdings kein Problem. Müssen halt Booker und Publikum härter filtern.

  8. Danke Walter für das Statement. Es wird Zeit das die Leute wieder Diskussionen über Musik und nicht über die Medien mit denen das präsentiert wird führen….

  9. das statement war ironisch, dachte das merkt man an den widersprüchen.

    wer an digital djs den edit-loop-feature-skill-overkill anspruch stellt, der sollte das analog auch an vinyl djs stellen, da nur turntableist alle möglichkeiten von vinyl ausreizen. macht aber keiner – 😉

    was das aussortieren von beskillten djs durch vinyl betrifft – also ich kann mich an anfang der 90er erinnern und wie das das auflegen war, das hatte nichts mit sauberem beatmatching oder sonst was zu tun. das ist eben auch bei vinyl nur bedingt ein kriterium, je nachdem wie die umstände sind.

  10. … der DJ macht die Show und ein Laptop gibt optisch schonmal nix her!
    Es denken ja eh alle, das elektronische Musik der Computer macht und nicht, das der Producer da möglicherweise was komponiert, BPMs auszählts, in die Drums reinhaut und unmengen an Liedern hört bis er überhaupt mal ein Sample findet, Effekte bastelt usw. Das ganze lässt sich eben auch auf das DJ-Auftreten übertragen, es fehlt einfach das gewisse etwas, das magische geht verloren!
    Scratches machen jede Show rund und als Zuhörer einfach unmengen spaß! Ob Techno oder Hip Hop, das ist so ein all-time-favorite Schmankerl auf das doch kein Ohr verzichten will!
    Und ihr Djs seid doch eh immer genervt wenn man euch nach den Tracks fragt, bei Plattencovern muss ich nur glotzen und schon weiß ich welcher Interpret da gespielt wurde!
    Klar wenn ein Laptop in der Ecke steht hab ich nix dagegen, wenn mir der Rest auch geboten wird, aber wirklich nur wenn er so in der Ecke steht.( und da kein faulender, weil angebissener Apfel drauf leuchtet! kihi)

  11. hmmm.

    real … real ?
    Fühlen sich hier digitalreiter zu recht minderwertig weil tatsächlich weniger befähigt !?
    *lol*

    aus ner Kuh macht man kein Schwein durch ein paar emotionale, unsachliche Worte… Beides ist was es ist.
    locker machen und weniger brüllen 😉

    Alles ist gut.

    • ich werde das. Wo soll das Problem sein? Altbestände werden pauschal mit 125,- lizenziert und fertig. Meine files sind gekauft oder Promo oder cc-lizenziert, nach GEMA-Logik also Originale.

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