Berlin verkauft Berlin – Die rbb Reporter

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Es ist ein Graus und mir tut es im Herzen weh zuzuschauen, wie Berlin verramscht wird. Orte die zu Wahrzeichen Berlins geworden sind wie das “Tacheles”, die C/O Galerie im alten Kaiserlichen Postfuhramt oder auch die East-Side-Gallery entstanden, weil Menschen eine Vision hatten und viel Herzblut reinsteckten, um diese Plätze zu etwas besonderem zu machen. Weltweit kommen Menschen her, um sich genau diese Plätze anzuschauen. Was passiert, wenn nur im Sinne des Geldes gehandelt wird, Fehlplanung und Missachtung der lokalen Bedürfnisse zum Antrieb von Geschäfte machen werden?

Berlin will arm sein und sexy. Was seit dieser Äußerung passiert ist: Berlin ist zum Party-Ballermann Nordeuropas geworden. Viele kommen her, weil die Lebensunterhaltungskosten im globalen Vergleich gering sind. Das sehen viele Arbeitgeber als Grund die Löhne weiterhin gering zu halten. Nach 20 Jahren haben wir nach wie vor Ost und Westgehälter und sprechen von den ‘neuen Bundesländern’. Wird es nicht Zeit unsere Sprache und unseren Anspruch auf Grund und Boden zu überdenken?

Berlin-verkauft-Berlin

Sei Berlin‘ lautet die Kampagne, die Identitätsstiftend wirken soll, nur hab ich schlicht und weg das Gefühl, dass diese  Kampagne nur das Image der Stadt nach außen tragen soll, um weiter die Tourismusbranche zu fördern.
Menschen die hier leben wollen, kommen wegen Ideen und Inspirationen her. Die Bewohner, die seit ein paar Jahrzehnten hier wohnen, fühlen sich ausgegrenzt und im Stich gelassen. Gut ausgebildete Fachkräfte kommen aus dem Süden, weil dort in Bildung und Wirtschaft investiert wird. Die Stadt ist innovativ, so schmückt sich der regierende Bürgermeister. Doch denkt Herr Wowereit nicht daran, dass Innovation auch Geld kostet. Kredite unter dem Deckmantel der Innovation zu vergeben kann dennoch nicht die Lösung der Probleme sein.
Durch den Ausverkauf (aus Not) der Stadt hat er sich seit langem sehr unsexy gemacht. Wowereit ist in vieler Augen verantwortlich für die kollektive, politische Verantwortungslosigkeit, was er mitunter als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Berlin Brandenburg bewiesen hat.

Berlin war auf dem besten Wege zu beweisen, dass es zu der Rolle des Globalplayers nicht immer dazu gehört eine geleckte Skyline zu haben, sondern viel mehr eine Seele und der Antrieb der Menschen ihre Lebensräume selbst zu gestallten. Demokratie par excellence!

Berlin verkauft Stück für Stück seine “Unikate”, die es so besonders machen für Millionen von Touristen und seine Bewohner. Alles, was nicht genug Geld bringt, wird achtlos zum Verkauf frei gegeben. Und was kommt dann – eine langweilige, glattgebügelte Metropole, der es an Seele fehlt?

(Danke an Shahram, der mich gestern auf diese Reportage aufmerksam gemacht hat. Empört stellte er fest, dass nur knapp 400 Leute diesen Beitrag gesehen haben. Das geht definitiv noch mehr Menschen was an!!!)


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