Und es war Sommer Teil 2

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Ich traf @_miel zum ersten Mal in der C-Base. Es war Liebe. Und um uns dies zu zeigen, hatten wir entschlossen unsere Geschichten auszutauschen. Irgendwie musste das gehen…schließlich bot sie mir den ersten Teil ihrer Geschichte als Vorlage an. Darauf hin entstand dies:

Der beißende Geruch nach gegorenem Käse und ein nasses Gefühl im Gesicht ließ ihn wach werden. Die Sonne schlich sich durch den Vorhang und legte sich wärmend auf seinem Kopf
Es war Kotze. Überall in seinem Gesicht, auf seinem Kissen. Die letzte Nacht war ein Traum. Nichts ist mehr da, woran er sich erinnern kann. Auf dem Bauch liegend wollte er sich mit einem Satz nach oben stützen aber irgendwas hielt ihn unten. Irgendwas lag wie ein Stein in seinem Kreuz. WTF? Dachte er. Wie eine riesige Eidechse streckte er seinen Hals über die Schulter und sah Louise nackt alle Viere von sich gestreckt quer neben sich liegen. Aus der Vogelperspektive sahen sie wohl aus wie viertel nach acht. Ihr Bein lag schwer in seinem Kreuz.
Der Weg zur Dusche kam ihm wie ein Lauf durch einen Tunnel vor. Das kalte Wasser in seinem Gesicht befreite ihn. Lange stand er noch da bis er eine Hand auf seinem Rücken spürte. Louisa hatte sich auch befreit und kam zu ihm. Er hatte kein Bock. Ein leichtes Lächeln ein Blick in ihre Augen und ein: „ Ich brauch ganz dringend einen Kaffe!“ sollte reichen. Schnell stieg er raus.
Der Geruch von frischem Kaffe zog ihn in Richtung Küche. Kurz vor der Küchentür machte er halt. Ava saß mit dem Rücken zur Tür auf dem Stuhl und las in der Zeitung. Ihre fransigen von der Bastelschere gezeichneten Haare zu einem kleinen Pferdeschwänzchen hochgesteckt, so dass ihr Nacken frei lag, der von dem weiten zerfransten Ausschnitt ihres T-Shirts unterstrichen wurde. Atemlos und still.
Ein tiefes Brummen riss ihn aus diesem Moment. Martin stand in seiner Tür. „Alter! Krasse Scheiße! Was war das denn?“ Ein Schulterzucken, mehr ging nicht in diesem Moment. Was er meinte, war ihm nicht klar. Sicher hatte es was mit der vergangenen Nacht zutun. „Bist anscheinend immer noch im Delirium. Ich hab noch gesagt; Mischkonsum ist scheiße!“
Er kratzte sich am Hintern und ließ Martin in seiner Tür stehen. Mittlerweile hatte Ava ihre Vorderseite zur Tür gedreht und schaute durch ihre Brille, deren schwarzer Rahmen ihre Sommersprossen küsste. „Kaffee?“ „Ja!“ War sie auch dabei gewesen? Hatte sie was von der Nummer mit seinem wiedergekauten Eiersalat im Gesicht mitbekommen? Schon bei dem Gedanken an Eiersalat könnte er wieder Kotzen. Seine Knie wurden weich und er suchte sich den Stuhl neben dem Fenster.
Louise kam mit dem Handtuch auf dem Kopf und einer Zigarette in ihrem Mundwinkel in die Küche und drückte ihm einen verrauchten Kuss auf seine Stirn. Schon bald saßen sie alle am Frühstückstich. Und da war wieder diese Idee: Eine Tour mit dem Auto. Mit der ganzen WG. Jochen bekam ernste Falten auf seiner geküssten Stirn:„Ich meine es ernst! Lasst uns ein Auto mieten.“ „Mit was für ein Geld? Unsere WG-Kasse ist am ende des Monats immer auf Null, wenn nicht sogar weniger.“ Martin tunkte im Rhythmus seiner Worte den Teebeutel in die Tasse. Er war die nüchterne, rationale Stimme der Runde. Seine Fähigkeiten Sprengstoff herzustellen entsprach einer rationalen Notwendigkeit – so seine eignen Begründung. Jochen war aber der Meinung, dass er damit den Mädels imponieren wollte. TNT anstelle von Muskeln. Martin der Brainfucker. Mit dem Spruch zog er ihn immer auf, wenn er von einer Frau sprach, die sich für seine ‚Forschung‘ interessierte.

„Warum erhöhen wir den Beitrag in die Kasse nicht bis zu den Semesterferien?“ Gustav kratzte sich mit dem Messer irgendwas unter seinen Nägeln heraus und sah dabei so aus wie der mysteriöse Cowboy der im Salon mit einem super schlauen Satz auf sich aufmerksam macht. „Dir ist schon bewusst, dass DU nicht mehr studierst und WIR keine Eltern haben, die uns unser Leben sponsern?“ Ava neigte ihren Kopf leicht während sie Sprach, als ob sie mit einem kleinen Jungen sprechen würde.
„Scheiß drauf! Ich besorg das Geld für uns alle bis zu den Ferien!“ Jetzt ging er völlig in der Cowboyrolle auf und kippte mit dem Stuhl vor und zurück. Ava bekam rote Flecken im Gesicht und war sichtlich erregt: „Und wie willst du das machen? Willst du uns das vielleicht verraten? Und überhaupt, was wollen wir mit einem gemieteten Auto machen? Wo sollen wir hin?“
Es wurde mit einem mal so still, dass nur noch das Summen der tanzenden Fliegen unter der Lampe zu hören war.

undeswarsommer

(Ende Teil 2)

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