Inhalt oder Werbung? Bei Vice weiß man es nie so genau

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Vice ist ein extrem freshes Portal für Journalismus der etwas anderen Art. Egal ob Sex, Drogen, Kriminalität oder andere Themen des Lebens, die der Mainstream nur mit Samthandschuhen anfassen würde, Vice geht da hin, wo es stinkt, dreckig ist und weh tut. Doch wer für die Reportagen – egal ob online oder TV – bezahlt, das ist nicht immer so richtig klar.

Damit wir uns richtig verstehen: ein journalistisches Produkt muss sich finanzieren. In der Regel passiert dies über Werbung und zahlende Kunde. Es gilt Werbung und redaktionelle Inhalte nicht miteinander zu vermischen, schließlich wollen wir nicht, dass Siemens und EON Artikel in der FAZ über den Energiewandel bezahlen.

Wer hat welchen redaktionellen Einfluss?

Bei Vice ist das aber häufiger der Fall als es dem Konsumenten klar sein dürfte, soll heißen: der Nutzer schaut sich eine freshe Reportage bei Vice an und weiß nicht, dass die Reportage von der Wirtschaft bezahlt wurde und/oder wie viel redaktionellen Einfluss auf die Reportage ausgeübt wurde…

Schauen wir uns doch mal die hauseigene Auflistung von Vice an, die aufzeigt, mit welchen Firmen welche Reportagen und Co entstanden sind. Darunter befinden sich große Multimillionen-Dollar-Player wie EA Games, Vans, BMW, Warner Brothers, Vodafone, Heineken und Intel.

Beispiel Heineken Discotecture: Heineken wollte sich gern als cooles Getränk in der Partyszene etablieren. Dafür brauchte es eine gute Kampagne. Vice drehte darauf hin für Heineken eine Interview-Reihe über coole Clubbesitzer, die das Design von Clubs radikal neu denken. Der User weiß nichts darüber, wie viel Heineken in den Interviews steckt.

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Beispiel Vans Europe: Vans wollte sich stärker auf dem europäischen Markt etablieren. Dafür hat Vice sieben 30-minütige Dokus über Skaten in Europa gedreht. Werbung oder Inhalt? Tja.

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Beispiel EA Sports: Die Spiele-Firma wollte ihr Spiel FIFA 11 auf dem amerikanischen Markt bekannt machen. Vice hat dafür Reportagen über verrückte Fußball-Clubs, Fans und Co gedreht. Wer da welche redaktionellen Vorgaben gemacht hat? Keine Ahnung. Es ist Werbung als Inhalt verkauft. Und der User weiß nichts von dem Deal.

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Inhalt oder Werbung? Bei Vice weiß man es nicht so genau. Dem User wird es nur halbherzig mitgeteilt, wer für was bezahlt hat und wer die redaktionelle Hoheit hatte. Letztlich wird dem User Werbung als Inhalt verkauft. Journalismus sollte aber nicht um jeden Preis mit der Industrie ins Bett gehen – ansonsten wird nämlich noch das letzte bisschen Vertrauen mutwillig verhökert – und das kann auch neuen Playern wie Vice auf Dauer nur schaden.

Update, 15:12: Vice hat uns per Mail mitgeteilt, dass die Inhalte, für die sie bezahlt werden, gekennzeichnet sind. Zitat: „Branded Content ist bei VICE gekennzeichnet.“ Das ist sicherlich richtig, und wir behaupten auch nicht das Gegenteil. Es kommt halt darauf an, was man dem Leser wie als Inhalt verkauft. Und wenn z.B. eine Reportage von North Face bezahlt wird und lediglich am Anfang des Videos der Hinweis erfolgt „ermöglicht durch North Face“ weiß der Konsument noch lange nicht, welchen Einfluss North Face auf die Reportage hatte. Juristisch sauber, aber journalistisch nicht wirklich.

+ Wer mehr über Sponsored/Branded Content und Native Advertising erfahren will, kann hier auf meinem Journalismus-Blog mehr darüber erfahren.

2 KOMMENTARE

  1. […] wie Native Advertising oder aber gesponserte Dokumentationen angeht, geht Vice andere Wege (die wir hier kritisch beleuchten) als das die traditionellen Häuser tun. Nun ist es aber nicht so, dass Vice damit keinen Erfolg […]

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