Illegaler Download? De La Soul verschenken Alben über russische Music-Piracy-Seite

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Seit gestern und noch bis heute, 18 Uhr, verschenken De La Soul ihre sechs Alben plus Bonusmaterial. Um an die Musik heranzukommen, muss man einen Newsletter abonnieren, über den dann nach einiger Wartezeit die Downloadlinks zu den einzelnen Alben verschickt werden. Wer die „Remixes, Rarities, Instrumentals“ haben will, sollte prüfen, ob das entsprechende Häkchen in den Newsletter-Einstellungen wirklich gesetzt ist.

Zunächst waren die Download-Server offenbar überlastet, wie auf Twitter zu lesen war:

Aber gegen 19 Uhr bekam ich meine Download-Links zugeschickt und konnte diverse ZIP-Archive herunterladen.

de-la-soul-illegaler-downloadNach dem Entpacken löschte ich wie so häufig überflüssige Mac-Systemfiles, benannte die Dateien entsprechend meiner Ordnerstruktur um und warf meinen ID3-Tagger an, um sicherzustellen, dass alle Tags korrekt befüllt waren. Zumindest hätte ich das erwartet, aber leider waren manche Dateien überhaupt nicht getaggt, andere wiederum enthielten seltsame Kommentare, wie ich twitterte:

Matthew McVickar hat in seinem Tumblr komplett aufgelistet, welche Links die Dateien enthalten und wohin diese zeigen: Auf eine russische Music-Piracy-Seite und auf einen Blogpost mit einem Download-Link zu Mediafire.

Es handelt sich bei diesen Dateien also mit ziemlicher Sicherheit nicht um qualitativ hochwertig von De La Soul selbst encodierte Musik. Zwar beträgt die Bitrate jeweils hohe 320 mbit/s, aber es ist leider nicht nachvollziehbar, ob die MP3s vielleicht vorher schon in schlechterer Auflösung encodiert worden sind. Außerdem hat das Encoding Fehler produziert: Beim Track „Pawn Star“ vom 2001er Album AOI: Bionixist bei ca. 3:17 min. ein fieser Glitch zu hören, danach bricht bei mir das Playback ab.

Ich frage mich, was De La Soul mit dieser Aktion bzw. der Art ihrer Ausführung bezwecken will. Der Hauptgrund dafür, den Back-Katalog kostenlos zur Verfügung zu stellen, dürfte gewesen sein, dass es die Musik von De La Soul aufgrund von „label and sample clearance issues“ nicht in den digitalen Download-Shops (iTunes, Amazon usw.) und auch nicht über die Streaming-Services (Spotify, Pandora usw.) zu kaufen gibt.

Aber den Fans qualitativ minderwertige Ware unterzujubeln, kann nicht die Antwort sein. So schwierig und aufwändig ist es im Jahr 2014 wirklich nicht mehr, ein paar CDs zu rippen. Mag die Aktion auch viele De La Soul-Fans begeistert haben, was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.

Dieser Artikel von Matthias Gutjahr erschien zuerst auf Numblog.de

15 KOMMENTARE

  1. Die ID3 Tags sind schon irgendwie peinlich. Aber ey, einem geschenkten Gaul schaut man nicht in’s Maul. Die komplette Diskographie für Umme zu bekommen, und dann noch zu meckern, dass das ja nicht alles korrekt in 320kbps kodiert und richtig durchgetaggt sei, find‘ ich schon leicht dekadent. Hält dich ja keiner davon ab, die CD zu kaufen, und selbst zu rippen.

  2. Nunja, dekadent finde ich das nicht wirklich. Es beschwert sich ja auch niemand und die Tags checke ich auch immer und ergänze diese.

    Findest du die ganze Geschichte nicht seltsam? Was steckt dahinter? Zoff mit dem Label? Faulheit, Absicht?

    Ich finde das gerade extrem spannend. 😉

  3. Ich reg mich ja selbst auf, wenn Mixtapes oder Alben nicht richtig getaggt sind 😉 Aber

    den Fans qualitativ minderwertige Ware unterzujubeln, kann nicht die Antwort sein. So schwierig und aufwändig ist es im Jahr 2014 wirklich nicht mehr, ein paar CDs zu rippen.

    Fand ich schon ein bisschen über’s Ziel hinaus geschossen.

    Trotzdem ist die Geschichte natürlich witzig. Im Endeffekt wissen wir aber alle, wie Musiksammlungen zustande kommen, und dass da auch mal komische Files dabei sind. Sicher hat sich da niemand persönlich hingesetzt, und den Kram neu gerippt. Ich würde das aber nicht unter „minerwertige Ware unterjubeln“ verbuchen, sondern unter „guck mal, sind auch nur Menschen“.

    • @alohastone: Sehe ich prinzipiell anders. Die Aktion riecht danach, dass da etwas faul ist. Wenn alles mit den Labels abgestimmt gewesen wäre, dann hätten sie ordentliche Files benutzt. Die Aktion ist unprofessionell und peinlich. Schlimmer aber: Sie hinterlässt ein ungutes Gefühl. Sicher, dass das alles sauer abgelaufen ist? Sicher, dass sich da nicht noch Anwälte drauf stürzen werden?

      Und mal im Ernst: Wieviel Arbeit wäre es gewesen, ein paar CDs zu rippen? Das Taggen wäre dann eh automatisch gelaufen.
      Jetzt fliegen von De La Soul verschenkte Tunes im Netz rum, die nicht mit „De La Soul“ getaggt sind. Das ist vor allem eins: Dämlich.

  4. Gut möglich dass ich mich irre, aber für mich klingt das nach so ’ner „Alter ich hab ’ne Idee“ – „okay lass machen“ Aktion. Ob das mit dem Label abgesprochen war, ist mir als Fan erstmal ziemlich egal. Und falls das so gelaufen ist, finde ich die Aktion super, und die russischen Warez-Files witzig.

    Unwitzig fände ich das nur, wenn De La Soul selbst in die Aktion nicht eingeweiht oder damit einverstanden gewesen wären. Aber da die das alle über ihre Twitter-Accounts promoten, scheint das ja nicht der Fall zu sein.

    Ich wundere mich auch ein bisschen, dass ihr als BlogRebellen so viel Wert auf Professionalität legt. Würde ich euch nicht schon so lange kennen, würde ich denken „guck mal, da kommen die Schlipsträger, und reden von Labelabsprachen, Professionalität, und verwursteten ID3-Tags“.

    Mag sein, dass sich da noch die Anwälte drauf stürzen werden. Mag sein, dass die Aktion nicht voll durchgedacht war. Mag sein, dass da jemand Crap auf ’nen USB-Stick geladen hat, der jetzt durch die ganze Welt geht. Aber ehrlich gesagt finde ich Unprofessionalität und „einfach mal machen“ total sympatisch. Fehler machen auch. Und Fans beschenken sowieso.

    Es geht doch hier um Kunst, Alter. Um die Musik, und den Bock, welche zu machen, und in die Welt zu schicken. Nicht darum, ob die Sesselpupser damit einverstanden sind.

  5. Vielleicht hast du ja wirklich recht und es war so eine “Alter ich hab ‘ne Idee” – “okay lass machen” Aktion. Und vielleicht ist das Netz und die ganze digitale Musik-Sache auch einfach „Neuland“ für die Jungs. Beides zusammen könnte sogar Sinn ergeben. So unter dem Motto „geile Idee, machen wir jetzt einfach so, ohne fremde Hilfe“.

    Wie auch immer finde ich die Aktion so oder so sympathisch, außer es sollte sich herausstellen, dass De La Soul da gar nicht hinter steht (glaube ich nicht), oder wenn es noch für irgend jemanden (und seien es De La Soul) Ärger gibt.
    Genau darum haben wir ja auch von Anfang an darüber berichtet und kritisches Nachfragen, wenn uns etwas sonderbar erscheint, finde ich sehr gut, wichtig und richtig. Sollte das allerdings als „elitäres Gemecker“ rübergekommen sein, so glaube ich nicht, dass Matthias oder auch Walter das so meinten.

    Und dass wir als BlogRebellen Wert auf Professionalität legen widerspricht sich meiner Meinung nach allerdings nicht!

  6. Kann das misstrauen verstehen. Würde vermutlich das Tape nicht auf meinem Blog verlinken . Den Labels, die die Rechte innehaben, ist es im zweifelsfrei ganz egal, was die Künstler machen. Nach deutscher Abmahn-Praxis dürfte jeder der hierzulande den Link verbreitet, wenn das vom für Deutschland zuständigen Rechteinhaber nicht abgesegnet ist, eine Abmahnung bekommen.

    War das bei dem Curse-Abmahn-Ding nicht ähnlich, dass Curse sich nicht gegen die Abmahnungen wehren konnte?

    Ob solche Abmahnungen – zumal, wenn sie auf de De La Soul Homepage führen – Rechtens sind, dass wage ich zu bezweifeln. Briefe von Rasch & Co zu bekommen, ist aber immer ätzend, auch wenn ein Widerspruch zu Funkstille führt; sicher kann man sich eben nie sein.

    Kann sein, dass ich das hysterisch bin, aber ein gebranntes Kind…

  7. Ich bin ja auch hin- und hergerissen. Einerseits könnten sich De La Soul gedacht haben: „Die Leute saugen sich unsere Musik sowieso über Sharehoster, Torrents und russische Foren in der Grauzone, da geben wir ihnen genau das ohne den ganzen Overhead. Das ist Hip Hop, schließlich haben wir unsere Samples damals auch nicht gecleart, sondern einfach Musik damit gemacht.“ Andererseits, gerade wenn es in naher Zukunft keine Chance geben sollte, die Musik auf legalem Wege digital zu erwerben (im Sinne von Download/Stream), dann hätten sie doch auch ein hochoffizielles, liebevoll ausgestattetes Päckchen schnüren können. Aber das hätte vermutlich jeden möglichen zukünftigen Verkauf des Back-Katalogs gekillt.

    Im Endeffekt glaube ich mittlerweile, dass es vor allem darum ging, sich wieder ins Gespräch zu bringen, weil es in diesem Jahr ja ein neues Releas geben soll, wenn ich das richtig verstanden habe. Let the past be past, es geht um die Promo der neuen Platte. Und das ist ihnen gelungen.

    Ach, und natürlich habe ich zumindest die 90er-Jahre-Alben sowieso schon lange auf Hardware. Seit mein CD-Player den Geist aufgegeben hat, kann ich die Scheiben aber nur noch auf Umwegen hören … oder müsste selbst rippen. Aber da bin ich auch zu faul 😉

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