Ukraine Burning – Wie Vice News neue Standards im Journalismus setzt

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Sie sind gefährlich nah dran, sie sind tendenziös und sie sind auf eine rebellische Weise state of the art: Willkommen Vice News!

Was als subkulturelles Magazin gestartet ist, könnte schon bald neue Standards im Journalismus definieren. Vice News hat den Anspruch, relevante Nachrichten aus aller Welt auf Social Media Plattformen im Bewegtbild, Text oder Audio derart aufzubereiten, dass es die Generation von Usern anspricht, die von den traditionellen Medienhäusern aktuell – und vielleicht nie mehr erreicht werden.

Vice News ist dort, wo traditionelle Medienmarken nicht mehr hingehen. Während die Öffentlich-Rechtlichen aus Sicherheitsgründen ihre Korrespondenten zumeist von Hoteldächern aus sicherer Entfernung schalten lassen, berichten die Reporter von Vice aus der Kampfzone. Das ist gefährlich – und aus Sicht traditionelle Medienmarken unverantwortlich. Der User aber goutiert es, weil er so Bilder zu sehen bekommt, die er nirgends sonst sieht. Und genau das weckt Begehrlichkeiten und Unverständnis für die Berichterstattung der traditionellen Medienhäuser.

Vice News berichtet nicht unabhängig. Wer die Dokumentationen von Vice kennt, weiß, dass sie in ihrer Berichterstattung tendenziös sind. Sie schlagen sich auf eine Seite, lassen die andere nur rudimentär zu Wort kommen. Sie ergreifen Partei, werden gar mitunter zur Partei im Konflikt. Sie reizen die Grenzen des Journalismus bis zum Äußersten aus – und der User goutiert es. Der Smartphone-sozialisierte digital native hat eine Aufmersamkeitsspanne von wenigen Sekunden – wenn es nicht kracht, rumst und scheppert, ist er weg. Ausgewogene Berichterstattung = langweilig. Die Welt ist subjektiv. Warum sollten es die Nachrichten nicht sein. Und überhaupt: die Mainstream-Nachrichten sind doch gefühlt auch auf der Seite der Demonstranten in Kiew. Vice News bringt es halt auf den Punkt.

Vice News ist state of the art. Während traditionelle Medienhäuser überlegen, wie sie neue Medien und Techniken in die Berichterstattung einbinden könnten, bespielt Vice News spielerisch die neuen Medien. Das Adjektiv neu in Neue Medien wirkt anachronistisch. Auch was Kameratechnick (gefilmt wird mit Smartphones oder DSLR) und Sounddesign angeht, spricht Vice News die Sprache des Musikfernsehens – und eben nicht des Antext-Bildes mit dem berühmten Gang ohne Grund irgendeines Experten beim Griff ins Bücherregal in irgendeiner verstaubten Bibliothek. Schnarch.

Bei Vice News brennen Demonstranten, die mit Molotows auf Sicherheitskräfte werfen. Dazu läuft Dubstep und garantiert kein Sprechertext. Traditionelle Journalisten können das beklagen – wenn der User es liebt, haben sie trotzdem ein Problem.

7 KOMMENTARE

  1. Wieso ist das „state of the art“? Oder gar künftig neuer „Standard im Journalismus“?
    Es ist schlicht: Kein Journalismus.
    Es sind zusammengesammelte Bilder aus dem „Netz“. Oder „berichten“ da von Vice angestellte/beauftragte/bezahlte „Reporter aus der Kampfzone“? Bezahlen Medien künftige also ganz offiziell die Akteure? State of the news?
    In dem Moment, wo es „tendenziös“ wird, Reporter (wer vergibt den Titel?) „Partei ergreifen“ oder sogar selbst „Partei sind“, sind nicht „die Genzen des Journalismus ausgereizt“. Sie sind überschritten – egal ob bei vice-news oder anderen Medien.
    Ansonsten gilt künftig: Auf, auf ihr Einbrecher, werdet Journalisten, brecht ein und schreibt Einbruchs-Reportagen, … oder tut schlimmeres: Der User wird es goutieren, weil er solche Bilder ja sonst nicht sieht.

    Herrgott nochmal, Martin Giesler – ist das Ihr Ernst?

    Hipp und state of the Art ist das Ganze momentan doch nur, weil auf dem Maidan auf der Seiten der „Guten“ gefilmt und gekämpft wird. Vergleichbare Bilder durch die Zieloptik der Scharfschützen, wären … ja was?

    Ein Tipp für die Pressestellen der Polizei beim nächsten Einsatz im HH-Schanzenviertel: Streamt eure ihre Video-Aufnahmen live. vice-news wird sie aufgreifen und bestimmt unzensiert und kommentiert bringe? Das adelt euch dann zum neuen state of the Art des Journalismus.

  2. Hi jhc, vielen Dank für Deinen Kommentar!

    Um mal Ordnung in Deinen Kommentar zu bringen: Ja, es sind Reporter von Vice in der Ukraine in der „Kampfzone“. Nein, es sind nicht igendwelche Bilder aus dem Internet. Und selbst wenn – wo ist das Problem?

    Warum es kein Journalismus sein soll, verstehe ich nicht. Es ist die Frage, wie man Journalismus interpretiert – ist die Tagesschau mit einer pseudo-objektiven Berichterstattung der Inbegriff von Journalismus? Ich glaube eher nicht.

    Es ist aber extrem wichtig, dass wir uns diese Frage stellen, sicher. Nur glaube ich nicht, dass die Nutzer etablierter Medien die Frage beantworten. Vice macht Journalismus für die Generation YouTube – die wird von den traditionellen Medienmarken häufig nicht mehr interessant genug bedient und wendet sich neuen Playern zu. Vice ist nur einer davon.

    Und ja: Es ist mein voller Ernst.

  3. Ist ein 28 Minuten langes Video nicht zu lang um „diese Generation“ von Usern anzusprechen? Und wo ist da der Dubstep?

    Wie will Vice den News Kanal refinanzieren? Ich kann mir nur schwer vorstellen das die Youtube Werbeeinnahmen ausreichen. Verbraten sie da ihre Einnahmen aus ihren anderen „Dokumentationen“?

    Warum glauben eigentlich so viele Menschen Journalismus müsse „neutral“ bzw ausgewogen sein. Viele preisgekrönte Reportagen leben davon, dass der Autor (ob Schreiber, Fotograf , oder Kameramann) „Partei“ ergreift. (Damit meine ich jetzt nicht explizit die Vice Reportage.)

    Ich bin gespannt wie sich Vice News entwickeln wird, besonders in Zeiten wo alle traditionellen „Player“ ihre Schwierigkeiten haben neue Leser zu finden.

  4. @Lars exakt.

    Vice Berichte reichen zugegebenermaßen von wirklich sehr gut bis ziemlich Banane, allerdings hab ich dabei fast immer das Gefühl das einfach erst mal berichtet wird ohne politische Gewichtung bzw. sogar Einflussnahme. So einseitig wie in den meisten konventionellen deutschen Medien über den Konflikt in der Ukraine berichtet wird, da dort ja politische Interessen der EU zu wahren sind, kann man das über die beim besten Willen nicht sagen. Authentizität ist da das Schlagwort. Was man zum Beispiel auch schon an den unreflektierten Berichten über die Krawalle/Demo in Hamburg gesehen hat und darum mag ich die Vice.

  5. […] etablierten Kollegen sauer aufstoßen, die Zielgruppe aber (Generation YouTube) wird es lieben (warum beschreibe ich hier) und mit der Form von Berichterstattung wie es die traditionellen Medienhäuser anbieten nichts […]

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