Uli Hoeneß – Wer den Schaden hat, braucht für den Schrott nicht zu sorgen

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Man muss Uli Hoeness nicht mögen. Die Art und Weise, wie über ihn Häme ausgegossen wird, aber auch nicht.

Mal kurz zusammengefasst: das Münchner Gericht blieb mit seinem Schuldspruch zwei Jahre unter dem, von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen, Strafmaß. Das mag jetzt für den einen oder anderen wie ein Skandal klingen, ist aber – bei genauerer Betrachtung – gar nicht mal so wichtig.

Denn: die Botschaft in dem Urteil steckt in der Tatsache, dass es ohne Bewährung gesprochen wurde. Entgegen aller Antipathien, die man gerne gegen den Mann hegen darf, ist das ein hartes Urteil: Uli Hoeness war nicht vorbestraft, da muss man schon viel Scheiße bauen, dass die Bewährung nicht gewährt wird. Ach ja: seine Steuerschuld muss Hoeness natürlich auch begleichen. Das Urteil ist also ein klares Signal gegen bevorzugtes Behandeln von Großkopferten, und für die eindeutig negative Bewertung der Selbstanzeige durch das Gericht.

Disclaimer: Hier soll ausdrücklich keine Lanze für Uli Hoeness gebrochen werden. Der Mann hat wissentlich und systematisch getäuscht und betrogen, und das in einem eklatanten Ausmaß. Dafür muss es Strafe geben. Dafür gab es Strafe. Fertig. Oder?

Leider nein. Was wäre Deutschland ohne sein Heer von selbsternannten Juristen mit abgebrochenem Staatsexamen oder stammtischende Steuerprüfer, die natürlich wissen: Diese Strafe reicht nicht, da ist wieder jemand geschont worden, das müssen doch mindestens 20 Jahre sein. In ellenlangen Debattenfeeds befeuern sich Halbwissen und dumpfes Proletariarspöbeln, und es dauert keine sieben Postings bis irgendjemand Kinderschänder, Asylanten oder Griechenland schreit. Wie profund diese Gedankengänge sind, und wie deren Vollstreckungsmaßnahmen aussehen, könnt ihr in einem Newsthread eurer Wahl nachlesen.

Jeder, der bei klarem Verstand ist, muss angesichts solcher Kommentare und Haltungen froh sein, dass es dieses, ach so ungerechte und unzuverlässige Rechtssystem gibt. Man stelle sich nur mal vor, die Masse der Kommentatoren würde das Strafmaß festlegen.

Natürlich könnte mir das alles egal sein. Euch aber auch. Ich stelle fest, dass ich ein Problem mit Menschen wie Uli Hoeness haben, die sich bewusst aus der fiskalen Verantwortung ziehen, und somit allen schaden. Allerdings habe ich auch ein Problem mit diesen Allen, mit diesem Deutschland, welches stumpf hetzt, pöbelt und kübelweise Häme auskippt, in einer Angelegenheit die als zivilrechtlicher strafrechtlicher Prozess gegen eine Einzelperson gewertet werden muss.

In kurz: es geht euch nichts an. Es wurde Recht gesprochen. Ende der Durchsage.

Ach ja, eins noch: verwendet doch bitte die selbe Energie auf das digitale Begleiten des NSU-Prozesses, oder auf die Petition gegen das Freihandelsabkommen.

Das geht nämlich uns alle etwas an, und nicht die Steuerschuld des Ulrich H, aus München.

Foto von Hubert Burda Media (CC BY-NC-SA 2.0)


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4 KOMMENTARE

  1. Die Häme kommt oft durch den Umstand, dass Menschen Ihr Leben lang nicht das verdienen, was andere in 2 Jahren hinterziehen. Leider werden aber die 28 Millionen auch nur wenige Tage reichen bis die Summe in eine unsinnige Maßnahme investiert wird. Neben der zu bestrafenden Steuerhinterziehung wäre es auch wichtig die offensichtliche Verschwendung von Steuergeldern ebenfalls unter Strafe zu stellen.

    Das Hoeneß die Strafe anerkannt hat nötigt Respekt ab. Gleiches würde ich mir bei Fehlverhalten auch im Bereich der Politik wünschen. Dann müssten wir – die Bürger – weder im NSU Prozess noch bei dem Freihandelsabkommen intervenieren.

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