Sunday Joint: Der Vinylizer – Back to the Basics Radioshow 3. April 2014 (und die Geschichte, warum die Sendung kein Tribut an Frankie Knuckles wurde.)

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BTTB

Heute präsentieren wir euch als Sunday Joint die letzte Ausgabe der Back to the Basics-Radioshow vom Vinylizer. Dafür gibt es zwei Gründe:
Einerseits ist die Sendung geiler Shice. Offensichtlich gab es in den letzten zwei Jahren sehr viel guten neuen Dub und der wird in dieser Ausgabe hart gefeatured, was ich super finde.
Andererseits hätte diese Sendung in einer besseren Welt so nicht stattgefunden, denn sie wurde vor Frankie Knuckles‘ Tod aufgenommen, aber erst danach ausgestrahlt und konnte leider nicht mehr zu Ehren des House-Pioniers geändert werden. Warum das so ist, soll Der Vinylizer lieber selbst erzählen:

Frankie Knuckles ist tot. Letzte Woche hatte ich noch einen Song von ihm gespielt – zufällig, oft lief er in den letzten Jahren nicht bei BTTB.

Ein trauriger Anlass, um mal folgendes zu sagen:

In meiner Traumwelt würde ich bei einem Radiosender arbeiten, dem Musik wichtig ist, und der seine Moderatoren bezahlen kann. Ich könnte mich in meiner Traumwelt also auf Musik konzentrieren. So wie Benji B, Gilles Peterson oder Mary Anne Hobbs. In meiner Traumwelt wäre ich also, nachdem ich erfahren habe, dass Frankie Knuckles von uns gegangen ist, an meinen Plattenschrank gegangen und hätte all die Platten und Remixes, die ich von ihm besitze, heraus genommen und angehört. Nebenbei hätte ich all die Artikel, die ich über ihn gelesen habe, nochmal gelesen. Ich hätte im Netz recherchiert und all die Informationen gesammelt und geordnet. Am Abend wäre ich dann ins Studio gegangen und hätte versucht, im Andenken an Frankie Knuckles eine Sendung über ihn und seine Bedeutung für die Musik zu machen.

Ich lebe aber nur teilweise in einer Traumwelt. Auch in der realen Welt arbeite ich bei einem Radiosender, dem Musik wichtig ist. Allerdings verdiene ich mit meinen Radiosendungen kein Geld. Anders als in meiner Traumwelt habe ich – nachdem ich von Frankie Knuckles Tod hörte – lediglich einen kurzen Facebook-Text verfasst, in dem ich auf seine Bedeutung für die aktuelle Musik hingewiesen habe. Anschließend bin ich nicht an meinen Plattenschrank gegangen, sondern zur Arbeit gefahren – irgendwovon muss ich leben. Und auch am darauf folgenden Tag musste ich arbeiten. Die Sendung für den Donnerstag hatte ich bereits am Wochenende aufgenommen und moderiert. In der Woche habe ich die Zeit dafür nicht.

Und weil es den anderen Moderatoren ähnlich geht, haben wir bei ByteFM dem Godfather of House kein Denkmal setzen können. Und in meiner Donnerstagssendung erwähne ich seinen Tod nicht mal – sie war wie gesagt schon Sonntag fertig.

Das ist traurig – Frankie Knuckles hätte mehr verdient. Aber es geht gerade leider nicht anders. Ich hoffe, dass wenigstens ein paar der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland hier oder da eine Sondersendung zum Tod von Frankie Knuckles auf die Beine gestellt haben. Es wäre sehr schade, wenn nicht.

Um das nochmal deutlich zu sagen: Frankie Knuckles war nicht irgendein DJ, der zufällig bekannt war. Frankie Knuckles hat Ende der 70er im Warehouse in Chicago als Resident-DJ aufgelegt. Er hat eine ganz eigene Mischung kreiert, die schnell als „The House Sound of Chicago“ bekannt wurde. Damit schuf er einen Nährboden und inspirierte direkt andere DJs, wie Ron Hardy, der ebenfalls in Chicago auflegte. Fast alle neueren Musikrichtungen die in BTTB laufen sind direkt oder indirekt aus House (und anderen Zutaten) entstanden. In direkter Linie und aus der gleichen Stadt kommend sind das natürlich vor allem Acid, Juke und Footwork. Aber House ist schnell auch außerhalb Chicagos bekannt gewesen und hat vor allem in New York und in England und Deutschland viel bewegt. Meine ersten Cluberfahrungen machte ich im Front in Hamburg – das war der erste Club Deutschlands, in dem House gespielt wurde und in dem man ein Gefühl dafür bekommen konnte, wie die Partys in Chicago gewesen sein mussten. In England war Acidhouse ein Riesenthema und führte direkt zu Rave, Breakbeat und Jungle und damit indirekt auch zu Grime und Dubstep.

All das wäre ohne Frankie Knuckles kaum so entstanden.

Frankie Knuckles – R.I.P.

Statt eines Specials hört ihr heute abend in BTTB eine Sendung, die bereits am Sonntag im Kasten war. Ich spiele vor allem Dub. Es ist eine wunderbare Stunde geworden, ich hoffe sie gefällt euch.

Es gibt gerade superinteressante Dub-inspirierte Scheiben, die nicht mehr nur aus UK, USA und Kanada kommen, sondern auch aus Algerien und der Türkei.

Dazwischen ein uralter, kaum noch erhältlicher Dubstep-Tune mit Tanya-Stephens-Sample. Und am Ende dann der beste Song vom aktuellen Four Tet-Album.

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