Ich, der Veganer

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Vegan zu sein, scheint der letzte Shice zu sein. Überall wo ich in meiner real life filterbubble derzeit hinkomme, liegen statt Drei-Euro-Schnitzeln jetzt Soja-Bratlinge auf dem Grill, werden grüne Gemüse-Smoothies gemixt, Matcha-Tee-Sessions zelebriert und veganer Wein gesüppelt. Dazu die passenden Bedenken zu Sonnencremes für Kinder, weil irgendwas mit Hormonen und so, sowie der Verzicht aufs Auto, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Nicht lange her, da hätte ich die Bande ausgelacht und mir meinen Döner mit Fleisch und ohne Salat bestellt. Wenn ich was Grünes wollte, dann sicher nicht in meinem Essen. Überhaupt war mir dieser ganze Öko-Fuzzle völlig übertrieben und an Tierschutz zu denken, lag völlig außerhalb meines Erlebnishorizonts.

martin

Jetzt gehöre ich selbst zu den PARKOS, wie ich jüngst in einem Artikel der NZZ feststellen musste. PARKOS sind eine Untergruppe der LOHAS und damit eine Art Schublade, in die super smarte Marketing-People Menschen einsortieren, um ihre Konsum-Gewohnheiten zu clustern. Zu den Eigenschaften der LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) gehört es laut Wikipedia, einen Lifestyle zu leben, der

von Gesundheitsbewusstsein und -vorsorge sowie der Ausrichtung nach Prinzipien der Nachhaltigkeit geprägt ist. Häufig handelt es sich um Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen. LOHAS-Konsumenten sind beispielsweise Natur- und Outdoor-Urlauber, Kunden von Bioläden oder Biosupermärkten. Ihre Motive ähneln denen der Slow-Food-Bewegung.

Die PARKOS sind dann einfach nur noch diejenigen, die das Internet aktiv nutzen. Das würde ich wohl mal bejahen. Überhaupt: Ich muss alle diese Hipster-Punkte bejahen, die als Attribute für LOHAS herhalten müssen. Bio? Check. Natur- und Outdoor-Urlaub? Check. Überdurchschnittliches Einkommen? Yes. Nachhaltigkeit? Uff jeden.

natur

Fehlt eigentlich nur noch vegan. Denn zumindest, was das Essen angeht, lebe ich seit ein paar Monaten ebenfalls vegan. Zu Beginn waren gar nicht Nachhaltigkeit oder Tierschutz für mich die entscheidenden Gründe, vegan zu essen. Vielmehr ging es mir darum, meine wohl durch Stress, Faul- und Trägheit antrainierten 99 Kilo wegzugesunden. Endlich Schluss mit dem ganzen Quatsch. Der Satz “Du bist, was Du isst”, schien mir immer mehr Sinn zu ergeben. Und so langsam dämmerte mir, auf was ich mich da eingelassen habe.

Mittlerweile fühle ich mich nicht nur fitter, fresher und gesünder, sondern habe auch eine neue Perspektive aufs Leben entwickelt. Frei von Hormon-Keulen aus Hühnerbrüsten und durch Nahrung aufgenommene schlechte Vibes durch Tausend Tode.

matcha-tee

Und weil ich nicht immer nur den letzten viralen Trash verbloggen will, werde ich hier in Zukunft auch häufiger mal über veganes Leben, Konsum und Öko-Shizzle schreiben. Wer darauf keinen Bock hat, der möge das bitte entsprechend in den Kommentaren festhalten.

Ansonsten würde ich gern mal direkt Report Mainz empfehlen. Die haben sich über Monate angeschaut, wie es in Deutschlands Ferkelfabriken zugeht. Lecker.

Cheers, Martin

(Die Fotos stammen alle von meinem Instagram-Account und dürfen gern unter einer Creative Commons Lizenz by nc sa 4.0 verwendet werden)




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9 KOMMENTARE

  1. Verstehe dich gut, mein Tip für gesunde Ernährung ist jedenfalls, viel Abwechslung, ja ich esse auch Fleisch aber nur ganz wenig, als Geschmackszulage. Ich wiege immer zu gleich viel, schon 25 Jahre jetzt. Wußte natürlich nicht das man ein überdurchschnittliches Einkommen braucht um im Bioladen Gemüse der Saison einzukaufen, und ich geb ehrlich zu das ich auch bei z.B. Edeka Gemüse und Obst einkaufe, ich achte schon lange darauf das die Ware nicht quer durch Europa oder noch weiter fahren muß. Das Essen soll einfach schmecken.

    • Na, das mit dem Einkommen hat nur bedingt was mit der Ernährung zu tun. Hier im Artikel habe ich es nur vermerkt, weil ich mich immer von dem Hipster-Tum à la LOHAS emotional distanziere und dann doch feststelle, dass viele Attribute ziemlich gleich sind… Dass die Ware nicht quer durch Europa tingelt, finde ich einen super Hinweis! Das mache ich auch so.

  2. Da ich selber seit knapp zwei Jahren versuche so vegan wie möglich zu leben, finde ich es immer spannend, die Erfahrungsberichte und Gedanken anderer “Neu-Veganer” zu lesen. Von daher: Ruhig mehr dazu!

  3. Martin, dein Ernst?
    Vom Salat schrumpft bekanntlich der Bizeps.
    Sei ein Mann, geh pumpen und iss deinen Magerquark, deine Putenbrust und so weiter.

    Das Protein hindert dich sicher nicht am Abnehmen.

    • Yay, was für ein geiler Track. Bin ja eh heimlich Kollegah-Fan: Bruder, besser du hast ein Rumpsteak parat // Denn jeder weiß, der Bizeps schrumpft vom Salat //
      D’rum bedenke stets, willst du keine Arme wie’n T-Rex // Merk’ dir eins Bursche, vom Salat schrumpft der Bizeps!

  4. Gesund ernähren ist das eine. Aber die Leute sind religiotisch, spätestens ab Grundschule mit dem Religionsunterricht ERZOGEN worden. Bevor sie denken konnten, haben andere für sie vorgedacht und Geisterwesen und Verbote/Gebote erschaffen.
    Der Familienglaube taugt mit zunehmenden Alter und Erfahrung jedoch nichts mehr, dafür ist die Transparenz zu groß. Aber man “MUSS” an etwas glauben. Also überhöht man die Nahrungsaufnahme – der andere biologische Trieb wurde ja durch die Religion und weiterhin unterdrückt – und steigert dies ins Religiotische, bis hin ins “Radikale” (Blutaktionen, Ankettungen, Massenhaltungnachstellung).
    Dabei gab es schon in den 90ern eine Simpsonfolge, die sich mit dem Vegatarismus (von Lisa) auseinandergesetzt hat.
    Glaubensmenschen sind leider nur in den vorgeprägten Bahnen (“Du sollst nicht…”) lernfähig.

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