Bundeswehr wirbt in der Bravo mit Action-Camps um Nachwuchs

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WTF! Die Bundeswehr wirbt in der Bravo mit Action-Camps um Nachwuchs. Mir war überhaupt nicht klar, dass das erlaubt ist. Schließlich liegt die Zielgruppe der Bravo irgendwo zwischen 10 und 17 Jahren. Folglich findet das das Deutsche Bündnis Kindersoldaten auch gar nicht witzig und kritisiert das Bauer-Blatt. Laut W&V habe

der Ausschuss für Kinderrechte der Vereinten Nationen Deutschland im Februar offiziell aufgefordert, jegliche Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu verbieten.

Völlig zurecht, wie ich finde. Es ist doch ein Unding, dass die Bundeswehr bei Kiddies mit Sonne, Action, Sand und Abenteuer werben darf und damit die umfassenden Einsatzbereiche der Bundeswehr verharmlost. In dem Bravo-Gewinnspiel heißt es:

Mitten auf Sardinien in Decimomannu, rund 20 Kilometer von der Hauptstadt Cagliari entfernt, ist das Taktische Ausbildungskommando Italien der Luftwaffe zuhause. Und genau dorthin lädt dich die Bundeswehr jetzt ein. Vom 24. bis 29. August 2014 findet auf Sardinien das Sommercamp statt, bei dem du Soldatinnen und Soldaten mit deinen ganz persönlichen Fragen löchern und mehr über das Leben bei der Bundeswehr erfahren kannst.

Winter-Action-Camp der Bundeswehr

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Das Härteste: Die Kritik an den Adventure-Camps ist nicht neu. Bereits 2012 hatte sich Widerstand gegen die Form der Werbung formiert. Extra 3 hatte sogar darüber berichtet (YouTube-Beitrag). Bravo und der Bundeswehr ist das Schnuppe.

2 KOMMENTARE

  1. Es ist scheinheilig. Erst waren alle für die Abschaffung der Wehrpflicht aber wenn sich die Bundeswehr jetzt wie ein normaler Arbeitgeber aufführen und um Nachwuchs werben muss, gibt es auch einen Aufschrei.

    Ob ausgerechnet die Bravo der richtige Ort dafür ist, darüber lässt sich sicher streiten. Aber die Bundeswehr muss Werbung bei Minderjährigen machen, in den Jahren davor hat sie immerhin auch Minderjährige gemustert – wenn ich mich recht erinnere. Einmal volljährig hat sind ihre potentiellen Soldaten schon Studenten, Bäcker, Mechaniker usw. und der Anreiz noch die Karriere zu wechseln gering.

    Ich finde ihr dürft das kritisieren, aber nicht mit so einem Empörungsgeschrei.

    ps. Ich wollte selbst verweigern bevor ich, wie die Hälfte meines Jahrgangs, ausgemustert wurde

  2. Lieber Martin,

    ich weiß nicht, wie weit deine Ausbildung als Journalist gediehen ist, aber bevor du solch lautes Empörungsgeschrei anstimmst, solltest du etwas tiefer in die Materie eintauchen. Die Werbekampagne ist schlecht – sie suggeriert falsche Umstände, bedient die falsche Zielgruppe und geht an den Personalbedürfnissen des Kunden vorbei. Sie hat also nicht nur keinen Stil, sondern ist fachlich aus Personalmarketing-Sicht einfach nicht gut ausgearbeitet und umgesetzt.

    ABER: Im Gegensatz zu dir war ich 2012 als Reporter auf einem dieser Adventure Camps in den Alpen. Tatsächlich ist es so, dass zumindest die Veranstaltung 2012 nicht die Halligalli-Party-Sport-Fun-Versprechen der Kampagne halten konnte. Um 6 Uhr aufstehen, Morgensport, Verpflegung aus Einmannpackungen – das hatten sich viele Teilnehmer anders vorgestellt. Hier wurde ein halbwegs realistisches Bild des Militärs geboten, und ja – es wurden auch unangenehme Themen angesprochen. Das Problem: durch die schlechte Kampagne waren leider die Hälfte der Teilnehmer überhaupt nicht darauf vorbereitet und hatten kaum Lust, etwas über den Alltag der Bundeswehr zu erfahren. Viele wollten einfach eine kostenlose Partyreise. Teils sind sie früher abgereist.

    Auch 2012 gab es viele reißerische Schlagzeilen im Vorfeld. Leider waren am Termin selbst nur sehr wenige Kollegen anwesend, zumal niemand von den tendenziell linken Medien, die hier gerne am lautesten (und am wenigsten reflektiert) Schreien.

    Der Fehler der Bundeswehr bei der Sache sind nicht die Adventure Camps oder dass sie Werbung bei Minderjährigen macht (dass muss sie, weil sie nämlich sonst nicht an die Leute rankommt, die nach der Realschule oder nach der Ausbildung über eine Militärkarriere nachdenken – „Personalmarketing 101“), sondern deren Vermarktung, und vor allem, dass sie augenscheinlich die gleiche Agentur dafür engagiert hat.

    Ich bin gespannt auf deine Replik.

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