Warum die Sicherheitsvorschriften beim Fliegen pure Esoterik sind

2

„Haben sie ein Feuerzeug im Gepäck?“ fragte mich die Dame an der Gepäckaufgabe.
„Gute Frage“, dachte ich mir, „wieso höre ich die heute zum ersten Mal?“ Klingt blöd, aber ich war mir nicht mehr sicher. Kurz vor Abfahrt hatte ich noch eine Kerze in den Koffer geworfen, schließlich war ich unterwegs, um mit der Herzdame ein paar schöne Tage zu verbringen und da kann dann und wann ein wenig romantische Beleuchtung ganz nett sein. Ob ich auch ein Feuerzeug dazu gepackt hatte, wusste ich nicht mehr. (Ich war -wie meistens- ziemlich spät dran und hatte recht hektisch gepackt.)
„Wissen sie, wenn das bei der Kontrolle gefunden wird, werden sie zu ihrem Gepäck zurückgerufen und verpassen evtl. ihren Flug, sehen sie lieber nach.“ OK, das war deutlich, also machte ich meinen Koffer auf und begann unter den Augen von gefühlt zig Trillionen anderen Fluggästen in meinem Gepäck herumzuwühlen. Die Mitreisenden dürften ihren Spaß gehabt haben, denn zum Vorschein kam -neben der obligatorischen Wäsche- ein MIDI-Controller, Condome, eine Klangschale und natürlich oben erwähnte Kerze. Ein Feuerzeug fand ich leider nicht. „Sind sie denn sicher, dass sie es eingesteckt haben?“ „Äh, jein“.
Die sehr freundliche Flughafenmitarbeiterin bot mir daraufhin an, meinen Koffer am Sperrgepäckschalter durchleuchten zu lassen. Begeistert war ich nicht, denn langsam wurde die Zeit zum Abflug wirklich knapp, aber ich hatte keine Alternative. Also ein Mal quer durch die Abflughalle zum Schalter für das Sperrgepäck gerannt und der Dame dort mein Problem erklärt.

Systematische Suche nach „gefährlichen Gegenständen“? Fehlanzeige.

Und tatsächlich, sie sah auf dem Röntgenbild etwas, das sie ganz deutlich als Feuerzeug identifizierte. Seltsam war nur, dass ich die Stelle, wo es liegen sollte, schon gründlich durchwühlt hatte. Egal, ich versuchte es natürlich noch ein Mal. Und wieder kam keinerlei Gefahrgut zum Vorschein. Scheisse, was nun? Ich hatte noch ca. fünf Minuten bis das Gate schließen sollte. Panik kam auf.
Dann fiel mir ein, dass der Koffer ja ein Aussenfach hat. Tatsächlich lag in diesem Fach mein Waschzeug. In einem Fach fand ich ein altes Feuerzeug, das schon sehr lange dort liegen musste. Auf jeden Fall hatte es dort unentdeckt einige Flüge zugebracht.
Dass es sich dabei nicht um das ursprünglich im Koffer vermutete Gefahrgut handelte, war mir jetzt egal. Ich präsentierte meinen Fund, gab mein Gepäck auf und rannte zum Gate, von wo ich als einer der letzten das Flugzeug bestieg. Uff, das war knapp!

2 Flughäfen, 3 verschiedene Interpretationen der Sicherheitsvorschriften

Bis hierher eigentlich keine erzählenswerte Geschichte. Dazu wurde die Begebenheit erst, als ich am Urlaubsort angekommen meinen Koffer auspackte und das ursprünglich darin vermutete aber bei der Gepäckaufgabe nicht auffindbare Feuerzeug auch tatsächlich fand. Weder hatte ich es beim Wühlen gefunden, noch die Sicherheitsleute beim Durchleuchten des Koffers. Es sind solche Geschichten, die dazu führen, dass eigentlich niemand die Sicherheitsvorschriften ernst nimmt oder gar respektiert. Es wäre schön, wenn die entwürdigenden Kontrollen an Flughäfen sich wenigstens den Anschein geben würden, auch begründet zu sein. Aber solange sie so lax sind, dass immer wieder „gefährliche“ Gegenstände problemlos an Bord gelangen, glaube ich halt kein Wort, was die tatsächliche Gefährdung betrifft. (Und solange gilt: zwei Flughäfen, drei verschiedene Auslegungen der Vorschriften, erst recht nicht.)

Das „Handyverbot“ ist das beste Beispiel

Die Geschichte des Handyverbots an Bord spricht doch eine deutliche Sprache. Einerseits ging von eingeschalteten Mobiltelefonen angeblich ein enormes Gefährdungspotential aus, andererseits wurde nie ernsthaft oder gar wirksam dafür gesorgt, dass tatsächlich keine eingeschalteten Telefone an Bord sind. Es gibt ein schönes Wort für diese Art Maßnahmen. Es lautet Sicherheitsesoterik. Und Esoterik geht mir auf den Saque. Immer und überall.

Ach ja: Versteht sich von selbst, dass die beiden Feuerzeuge auf dem Rückflug im Handgepäck lagen und absolut niemand daran etwas auszusetzen hatte, oder?

(Bild: leanne1985, CC-Lizenz)

2 Kommentare

    • @flo: Kommt darauf an, was man damit macht.
      Ich finde den Sound geil.

      Ausserdem habe lange nach einer gesucht, die genau ein eingestrichenes C spielt und das tut meine. 🙂

Kommentarfunktion ist geschlossen.