Facebook gefällt Clickbait nicht mehr – und das hat Konsequenzen

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Laut Facebooks Blogpost sollen künftig stärker Postings gezeigt werden, die dem User die Möglichkeit geben, sich bereits innerhalb von Facebook zu überlegen, ob sie den Artikel lesen wollen oder nicht – und eben nicht erst nach dem Klick.

Um Clickbait-Websites zu identifizieren, lässt Facebook künftig auch die Zeit in den Algorithmus mit einfließen, die ein User auf derjenigen Website verbringt, auf der er per Klick im News Feed gelandet ist.

When we asked people in an initial survey what type of content they preferred to see in their News Feeds, 80% of the time people preferred headlines that helped them decide if they wanted to read the full article before they had to click through. Over time, stories with “click-bait” headlines can drown out content from friends and Pages that people really care about.

Warum macht Facebook das?

Facebook muss relevante Inhalte liefern, damit die User Facebook weiterhin als einen wertvollen Dienst erachten. Wenn im News Feed nur noch Stories à la „Sie waren 62 Jahre verheiratet und starben am selben Tag. Doch was er zuletzt sagte, zieht mir den Boden weg“ angezeigt werden, aber keine Updates von Freunden oder anderen Seiten, die für die User wirklich von Bedeutung sind, dann ist der News Feed gefühlt „kaputt“.

Zwar bringen die Clickbait-Stories für Facebook eine Menge Interaktionen – ein Blick auf die Top-Postings bei 10000flies lässt einen sprachlos (und würgend) zurück. Aber Facebook kann darauf wohl gut verzichten, will es nicht zur Rammschbude verkommen.

Zudem muss Facebook seinen Usern Werbung präsentieren. Wer sich von einer Clickbait-Website wegködern lässt, kommt vielleicht zu Facebook zurück. Vielleicht aber auch nicht. Der User soll solange wie möglich im Facebook-Universum gehalten werden.

Viral Nova

Was hat das für Konsequenzen?

Erstens: Facebook zeigt einmal mehr, dass sie am längeren Hebel sitzen. Websites, die ihren Traffic zu 80-90 Prozent über Facebook beziehen, und damit ihr Geschäftsmodell komplett auf Facebook ausgerichtet haben, laufen Gefahr, dass es von heute auf morgen vorbei ist. Dürfte eigentlich klar sein. Aber mit Blick auf die Medienlandschaft trotzdem spannend.

Zweitens: Ganz direkt wird die Veränderung des Algorithmus Websites wie heftig.co oder Viral Nova treffen. Aber natürlich auch all die anderen kleineren Websites, die keine wirklichen Inhalte zu bieten haben…

Drittens: … die nicht auch selbst auf Facebook stattfinden könnten. Zumeist sind die Clickbait-Seiten ja im Facebookschen Sinne eh nur Parasiten. Schließlich könnte ein Video, das auf einer Clickbait-Seite gezeigt wird, genauso gut einfach im Facebook-Kosmos selbst stattfinden. Es gibt aus der Sicht von Facebook keinen Grund, warum das Video auf einer dritten Seite stattfinden muss.

Viertens: Facebook zeigt zudem einmal mehr, dass sie die Inhalte höher ranken, die ihnen selbst weiterhelfen. So setzt Facebook im Kampf mit YouTube (und Vimeo) darauf, dass User Videos selbst bei Facebook hochladen und eben User nicht YouTube-Videos embedden.

Fünftens: Zudem ist interessant, dass der Faktor „time spent“ nicht nur in der Werbeindustrie ein zunehmend wichtiger Indikator wird für die Relevanz von Inhalten, sondern auch im Facebook-Universum, was dann wieder massive Auswirkungen auf die Publishing-Industrie haben kann.

Vier Denkanstöße

  • Erleben wir hier sukzessive eine Abkehr von der Klick-orientieren Web-Denke, die das Internet, wie wir es heute kennen, prägt?
  • Ist Facebook einfach nur daran interessiert, die User möglichst weiter innerhalb ihrer gated community interagieren zu lassen?
  • Werden wir bald nur noch das sehen, über das auch gesprochen wird?
  • Wie gefährlich ist es für Websites, ihr Geschäftsmodell auf Drittplattformen wie Facebook auszurichten?

 
 

1 KOMMENTAR

  1. Abkehr von der klick-orientierten Web-Denke? Aber ja! Ich bin mir aber nicht sicher, ob die nicht schon länger stattfindet – wenn ich mir ansehe, wie viele Websites Chartbeat einsetzen, spricht viel dafür, dass das in den Redaktionen schon länger angekommen ist. Welche Währung wie wertvoll ist, bestimmen allerdings weder Facebook (bzw. noch nicht), noch die Redaktionen – sondern bei kommerziellen Websites die Werbekunden. Als Werbetreibender wäre mir aber i.d.R. herzlich egal, wie lange jemand auf einer total“sticky“ Content-Seite verbringt. Das muss uns m.E. aber auch nicht daran hindern, intern und extern andere Zahlen zu kommunizieren.

    Was Facebook betrifft: In dem Blogpost steht ja auch, dass sie Links statt Bildern mit Links wollen. Und dass sie dann messen wollen, wie lange ein User auf der verlinkten Seite verbringt. Nun frage ich mich: Wie misst man das? Doch wohl über ein Social Plugin; unter dem Strich bedeutet das also: Mehr Tracking durch Facebook, auch außerhalb der Plattform, und wenn ich als Publisher noch bei Facbeook relevant bleiben möchte, muss ich auf deren proprietäre Plugins setzen und kann nicht einfach meine eigenen Share-Buttons nehmen. Natürlich ist das jetzt nur Mutmaßung, aber ja nicht unwahrscheinlich. Und wenn es so kommt, sehe ich diese Initiative – so begrüßenswert sie in der Sache ist – sehr kritisch.

    Denn, auch diese Frage hast du aufgeworfen: Proprietäre Plattformen sollte man nutzen, sich aber nicht von ihnen abhängig machen. Ich persönlich habe in den letzten Jahren gelernt, dass alles andere immer mal wieder nach hinten los geht (StudiVZ, Posterous, anyone?).

    Was die Filterbubble-Problematik angeht, macht mir das ehrlich gesagt noch am wenigsten Angst; denn letztendlich wird auch Facebook nicht umhin kommen, seine Algorithmen so zu verfeinern, dass echte Inhalte gewinnen – ähnlich wie dies Google gerade macht. Das bedeutet: Optimierung für Suche und Social Media bedeutet letztendlich, gute, einzigartige Inhalte zu machen. Das sollte Journalisten keine Angst machen (wenngleich es sicher für viele eine Herausforderung ist).

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