Sunday-Joint: Essential Iranian – Schmerz, Sehnsucht und Stolz

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Popkultur zur Shah-Zeit in Iran war von europäisch, westlichen Einflüssen und die Vermischung mit der eigenen Kultur geprägt. Dabei ließ man gerne die religiöse Komponente aus. Auf den Covern und den Postern wurde viel Haut und Haar gezeigt, was die konservativen Gemüter immer mehr provozierte und ihnen ein Feindbild in die Hände spielte: Verwestlichung galt als anrüchig und als Verfall der islamischen Werte.

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Lockerer Umgang der Geschlechter in der Öffentlichkeit. Ein Dorn im Auge der Konservativen.

Dennoch gab es eine kurze Periode in der iranischen Musikgeschichte, die es schaffte international mit zu reden. Funky Bässe und Black Beats, die mit Bossa Nova und Jazz gemischt wurden waren die Vorstufe für Hip Hop. Diese Entwicklung konnte Iran allerdings nicht so eindeutig mitmachen. Nach der Revolution und dem Iran/Irak Krieg, der ideologischen Säuberung des Systems, verschwand die Popkultur in den Untergrund, wo sie bis heute noch agiert und sich entfaltet. In den 80er waren es die klassischen Tapes und Videokassetten aus dem Ausland, die immer wieder kopiert wurden und die 90er brachten die CDs, die auch einen eigenen Markt fanden. Das Geschäft war so rentabel, dass Musikstores und Videotheken unter dem Ladentisch die neusten Filme und Songs parat hatten.

„Hello motherland, tell me how you doin“

Satelliten und der Zugang zum Internet, versprühte zu Beginn der 2000er Jahre ein Hauch von Freiheit und unkomplizierten Zugang nach Außen und nach Innen.
Zu dieser Zeit fing ich an meine Kollektion an iranischer Musik über Napster aufzubauen. Plötzlich war meine Heimat näher als je zuvor. Mit den Kopfhörern auf den Ohren, schlug ich mir Nächte um die Ohren, wärend ich parallel Homepages für andere gestaltete. Dies hatte so einen großen Einfluss auf mich und betätigte in meinem Kopf einen Schalter, der mich dazu brachte, mehr über meine Wurzeln zu erfahren. Ich denke, dass es mir so wie einer ganzen Generation an Exil-Iranerinnen ging, denn in meinem Studium und darüber hinaus, traf ich jene verlorene Seelen, die über diese Musik der 70er eine Art Trost fanden und gemeinsam feierten. Noch immer löst es in uns Schmerz, Sehnsucht und Stolz aus, sobald wir diese Songs hören.

 

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2 Kommentare

  1. Dank Dir Nielo!!!
    Tolle Geschichte, klasse Musik.
    Aber, ich bitt´ Dich:
    `Exil-IranerInnen´ oder …`*innen´ zu einzutippen.
    ( Beim nächsten Joint dann. )
    Sonst könnte der Verdacht aufkommen,
    daß des Guten zu weit getrieben wird.^.^,

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