Cosmic History: Daniele Baldellis 50 Lieblings-Platten

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Baldelli

Daniele Baldelli war in Sachen DJ-Technik und Mixing genauso wegweisend wie Larry Levan oder Grandmaster Flash. Sein Stil war völlig einzigartig. Disco und Funk wurden mit Percussions aus aller Welt und schrägem Elektro -gerne aus Deutschen Landen- gemixt. Nach dem Motto “Was nicht passt wird passend gemacht” ging Baldelli recht respektlos mit den Platten um. Schnelle Sachen wie zum Beispiel Depeche Mode wurde stark heruntergepitcht, während langsame Styles wie Reggae und Dub radikal schneller abgespielt wurden. Die dabei entstehenden Effekte, das tonnenschwere und dennoch schwebende Gefühl bei den verlangsamten Stücken, sowie Hektik und Micky-Maus-Stimmen bei den beschleunigten Tracks wurden zu einem Markenzeichen der Hippie-Sause namens Cosmic.

Weil 50 Tunes doch recht viel sind und weil ich ebenfalls einige dieser Platten zu meinen liebsten Schätzen zähle, stelle ich ein einige besonders hervorhebenswerte Stücke aus der Playlist gesondert vor:

Los gehts mit “Electric Fling” von der Rah Band.
Der markante Keyboardsound der die ebenso markante Melodie spielt, führt dazu, dass das Stück bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Wundern, Kopfnicken, Tanzen. Wird auf ewig einen Platz in meinem Herzen haben.

Der nächste Tune ist auch ausserhalb des Cosmic-Universums sehr bekannt. Jasper van’t Hofs “Pili Pili” war ein Riesenhit in Sachen “hypnotischer Afro-Jazz”. Ein schwerer, höchst percussiver Beat, ein wenig Gesang im Hintergrund und die sparsame, aber gemein infektiöse Klaviermelodie versetzen mich auch heute noch 1a in Trance. Nur echt in der 15minütigen Albumversion.

Es geht hypnotisch weiter, allerdings weg vom Jazz und hin zum New Age. Ozos “The Bells of Anambra” passt perfekt in die Ayurveda-Massagepraxis in Prenzlauer Berg. Genausogut geeignet scheint es mir allerdings für die balearische After Hour geeignet zu sein. Und ich bin mir auch sicher, dass es (ein wenig schneller gemacht) auch Montag morgen bei der After Hour in Friedrichshain funktionieren würde.

Was unbedingt auf eine Liste mit klassischem Cosmic gehört, ist eine Trommelnummer. Zunächst passte Percussionmusik sowieso perfekt zu Baldellis musikalischen Konzept. Aber pure Beats waren auch notwendig, weil einen Beat zwischen zwei Stücke zu klemmen mit dem Sound damals oft die einzige Möglichkeit war, gute Übergänge hinzubekommen. Deswegen Vorhang auf für einen der bekanntesten und meistgesampeltesten Percussionbeats aller Zeiten, nämlich Guem & Zakas “Le Serpent”. Glaubt ihr nicht? Hört euch mal den “Die Da”-Anfang an. Selbst die Fantas haben sich schon bei dem Stück bedient.

Baldelli hatte eine Vorliebe für Platten aus Deutschland. Meist war das elektronisches Zeug oder New Age, aber auch ein paar ausgesuchte Stücke der Neuen Deutschen Welle waren dabei. Za-Zas “Dschungelliebe” bot sich wegen der Afrikabezüge natürlich an. Auch heute noch ein Stück, das Tanzflächen in Bewegung halten kann, während die Menschen dort zwischen glücklichem Grinsen und WTF? oszillieren.

Mit dem letzten Stück verbindet mich eine ganz besondere Beziehung. Mal ganz abgesehen davon, das Ragupathy Ragava Rajaram von Osibisa ein Hammersong ist, ist es auch die teuerste Platte, die ich besitze. Schon damals, als ich den Tune zum ersten Mal auf einer Party hörte, raunten sich die anwesenden DJs Wunderdinge über die laufende Platte zu. Bis zu 1000 Mark (ja, Deutsche Mark!) müsse man für ein Exemplar dieser extrem seltenen Scheibe anlegen. Ein Cosmic-DJ aus Augsburg besorgte sich Anfang der Neunziger die Rechte, presste das Album mit einem anderen Cover nach und verkaufte es für ca 300 Mark an die schwerstanbhängige Junkie-Clique, die wir Nachwuchs-DJs damals waren. Der absolute Hohn: Ich fand eine Woche später in einem Second Hand Laden das Original, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht ein Mal das Cover kannte, denn niemand in meinem Bekanntenkreis hatte die sagenumwobenen Platte besessen, bevor es die Nachpressung gab. (So war das damals, es gab kein Internet, wo man mal eben praktisch jede Info ziehen konnte.). Der absolute Hammer aber war, dass der Plattenhändler keine Ahnung hatte, was er da für einen Schatz hortete. Für lächerliche 20 Mark verkaufte er mir die rarste Scheibe, die ich bis heute besitze. Und ganz sicher die Einzige, bei der die Nachpressung um eine Größenordnung teurer war, als das Original….
So, genug erzählt, hört es euch lieber an. Es lohnt sich!

[Update]

Ich bin damals wohl einer Falschinformation aufgesessen. Die nachgepresste Osibisa-Platte wahr anscheinend ein illegales Bootleg. Also nix mit “Rechte besorgt.” So kann das gehen mit Aural History….



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