Tschüss Soundcloud, war schön mit Dir

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Seit gestern ist es soweit. Mein bezahlter Soundcloud-Account ist ausgelaufen und ich werde ihn nicht verlängern. Das tut weh, richtig weh. Soundcloud war meine Heimat im Netz.

Klar, ich bin auch gar nicht die Zielgruppe, die wollen ja gar keine DJs und wisst ihr was? Dafür könnte ich sogar Verständnis aufbringen. Unser komplett kaputtes Urheberrecht ist nicht auf deren Mist gewachsen und der Umstand, dass man Geld benötigt, um so ein Projekt zu stemmen, auch nicht.

Der Fan

Aber das sind auch nicht die Gründe, wegen denen ich mich verarscht fühle. Verarscht fühle ich mich durch die Änderungen am System, die fast durch die Bank nur Verschlechterungen waren. Ihr könnt alle Punkte hier nachlesen, nur einen möchte ich noch ein Mal besonders betonen, der im Nachhinein betrachtet, der Todesstoß für meine Beziehung zu Soundcloud war:
Als mit dem unsäglichen Next.Soundcloud die Favs meiner Followings nicht mehr in meiner Timeline auftauchten, verlor ich eine der wichtigsten Quellen für neue Musik und Soundcloud einen Großteil seiner Relevanz für mich. In der Rückschau wird es sonnenklar, es kommt weniger neue und aufregende Musik bei mir an. Und das nehme ich Soundcloud übel, richtig übel.
Und so verloren sie den schwerstabhängigen Musikjunkie in mir…

Der DJ

Seit dem Contentfilter und ganz besonders seit die Majors eigenmächtig Tracks offline nehmen dürfen, wird Soundcloud für den DJ in mir immer unattraktiver. Die Gefahr ist einfach zu groß, Uploads oder gleich den ganzen Account gesperrt zu bekommen. Das ist so irre schade, denn sehen wir den Tatsachen ins Auge. Es gibt weit und breit keine Alternative, was Reichweite betrifft. Das hier ist die meine letzte Statistik:

Bildschirmfoto 2014-10-13 um 22.22.51

Wenn mir jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, dass ich mit meiner Musik dereinst über 50.000 Hörer würde erreichen können, ich hätte hysterisch gelacht. Als zum ersten Mal ein Mix von mir die 2000 Plays überschritt, bekam ich Schnappatmung. Ich gebe es offen zu: Es bedeutet mir irre viel, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu erreichen. (Ich möchte den DJ mal sehen, bei dem das anders ist.) Es tut wahnsinnig gut, zu wissen, dass “mein Baby”, nämlich Wobbleswing und Electro-Blues so viele Fans hat. Das alles mit dem Umzug auf eine neue Plattform aufzugeben, ist ein Entschluss, der mir nicht leichtgefallen ist. Aber es geht nicht anders: Ich kann einem Unternehmen, dass mir im Lauf der Zeit ein (subjektiv) immer schlechteres Produkt verkauft hat, kein Geld mehr geben. Und so verloren sie den DJ…

Der Blogger

Was bleibt? Der Blogger. Der Teil von mir, der vielleicht noch begeisterter war, als die anderen. Soundcloud war perfekt. Mixe und Tracks im Überfluss. Einbettbar und mit Coverbildern, die direkt nutzbar waren. Dazu noch der Downloadbutton an den meisten Files. Ein Traum! Hören, Texten, ein paar Klicks und schon war die Lucy gefrühstückt.
Und heute? Ja, Playlisten mit Tracks von mehreren Accounts und die Reposts sind super Features für Blogger. Aber sonst? Ich persönlich finde, dass der Player seit Next scheisse aussieht. Die Coverbilder wurden auch immer besser vor mir versteckt. Wisst ihr was? Mit so etwas kann ich umgehen, kein Problem. Aber dass Soundcloud dafür gesorgt hat, dass das Blog so dermassen dilettantisch aussieht, wenn man den Player einbettet, verstehe ich einfach nicht. Dass man nur noch 500 Pixel kleine Cover hochladen kann, diese dann aber vergrößert und abgeschnitten werden, um als Hintergrund auf einen skalierbaren Player zu passen, das ist so hochgradig schlecht gemacht, dazu fällt mir echt nix mehr ein:
Und so verloren sie den Blogger…

Die einzige Sache, die in der jüngeren Vergangenheit gut war, nämlich die krassen Preisnachlässe für die Pro-Accounts letztes Jahr, könnte man mit Fug und Recht auch gegenteilig auslegen. Diejenigen, die jahrelang richtig viel Kohle für ihre Pro-Accounts ausgaben, werden sich die Frage gestellt haben, warum sie so viel zahlen mussten.

Auf zu neuen Ufern

Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt: Wohin wechseln? In meinen Augen gibt es zwei Alternativen, nämlich Mixcloud und Hearthis. Mein Mixcloud-Account lag lange ziemlich brach, einfach weil mit den Preisnachlässen bei den Pro-Accounts unendlich Speicherplatz bei Soundcloud erschwinglich wurde. Ich werde meinen Account dort wieder konsequenter befüllen, in der Hoffnung, dass die Community mit dem Niedergang von Soundcloud größer werden wird. Besonders sympathisch an dem britischen Dienst, sind die Lizenzzahlungen an die britische Verwertungsgesellschaft, die Mixcloud zum einzigen legalen Dienst macht. Leider kann Mixcloud für mich Soundcloud nicht ersetzen.

Parallel werde ich in Zukunft Hearthis nutzen. Ein Dienst, der vieles, wenn nicht alles richtig macht und der mir sehr sympathisch ist. Das hat nicht nur mit der Qualität des Angebots zu tun, sondern auch mit den Menschen dort. Ihr Umgang mit Feedback ist vorbildlich und ich habe das Gefühl, wir begegnen den Jungs auf Augenhöhe.
An dieser Stelle ist ein Disclaimer angebracht: Wir sind schon lange mit Hearthis im Gespräch und wir werden sehr viel enger kooperieren als jetzt schon. Im Moment sieht das so aus, dass wir für unsere Pro-Accounts dort nicht bezahlen. Die positiven Beiträge sind aber selbstverständlich nicht gekauft, das könnte sich das kleine Privatprojekt, das es immer noch ist, auch gar nicht leisten.
Dass ich so neblig von “enger Kooperation” spreche und das nicht präzisiere, liegt nicht daran, dass wir etwas verheimlichen wollen, sondern schlicht an dem Umstand, dass wir diesbezüglich noch eine Überraschung in petto haben, die wir im Moment nicht verraten wollen. (Aber werden, versprochen!)

Also Freunde, wenn ihr über meine Musik auf dem Laufenden gehalten werden wollt: Besucht mich auf Hearthis.at und folgt mir dort.
Die Blogrebellen sind natürlich auch am Start.

Nachtrag: Ich werde meinen Free-Account bei Soundcloud behalten, um die ganz aktuellen Sachen auf jeden Fall auch dort zu haben. Siehe Reichweite usw. Und natürlich jammere ich hier auf hohem Niveau, denn mein Account stammt noch aus Zeiten, als mehr als die aktuellen drei Stunden Uploadkapazität drin waren. Mir sind immerhin neun Stunden geblieben. Das ist mehr als fair. Was ich zahlen müsste, um den Pro-Account (wieder)zubekommen, ist mir halt den Preis nicht mehr wert.

Und noch ein Nachtrag: Weiter oben steht etwas vom “Niedergang von Soundcloud”. Ich zwinge die natürlich nicht im Alleingang in die Knie. Nichtmal Ronny schafft das. Ich möchte das auch gar nicht. Soundcloud gehört für mich weiterhin zu den guten Dingen, die das Internet ermöglicht hat. Es tut mir leid, wie sich das alles entwickelt und ich möchte diese Entwicklung nicht mit meinem Geld unterstützen.

Apropos Geld: Wenn ich mir diesen Artikel so ansehe, frage ich mich, ob uns Soundcloud überhaupt noch lange erhalten bleiben wird….


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11 KOMMENTARE

  1. Ciao Ciao Marilnelli, oder Servus ;o) …

    ich weiß gar nicht recht ob ich mich freuen soll, denn Dein Weggang von der NEXT Sch**ßCloud und Dein damit verbundener Schmerz, lindert ja den meinen nicht, trotzdem freut mich an der Sache, daß mein Weggang (mein Pro Account lief im Mai 2014 aus) kein subjektiver Einzelfall war, … Dein Blogg hierzu ist in meinen Augen total gelungen und trifft den Nagel auf den Kopf, … und weiter wird genau so der Untergang von SC stattfinden, meine plays und meine Reichweite bei SC war nie so hoch wie die Deine, trotzdem hätte auch ich nie gedacht, wie viele Menschen man aus dem sog. Bedroom dann doch erreichen und schlußendlich auch eine Freude machen kann, …

    @Jörg (und andere Betroffene Konsumenten) … mich schrieben einige meiner SC Hörer an, wo Ihre Faves geblieben sind, warum ich sie vom Netz nahm, wo sie sie nun finden könnten, gar erwerben … diejenigen, die das machen, bekommen natürlich auch von mir die Einladung zur hearthis.at (auch diese Seite betreffend kann ich dem vom Treadersteller Gesagten nur beipflichten). Ich hegte gar den Gedanken, zumindest die Treusten unter der Gefolgschaft der SC per pm anzuschreiben, das aber hätte nur wieder die Folge, daß das Mailing unterbunden wird, oder gar der ganze Account gelöscht würde, … ein Punkt mehr als schon erwähnt, der mich ärgert an SC, weil auch da unterbunden wird, seine Leute mitzunehmen, … was ich betriebswirtschaftlich verstehe, aber das sollte jeden “sucken”, … den die im Laufe der Jahre vielen Musikkonsumenten die SC definitiv inzwischen hat, wurden von denen geschaffen, die die Seite bestückt haben, ob nun mit “halblegalen“ Mixen oder Ihren Tracks, … und nicht von den „zur Verfügung Steller“ der Plattform, … genau die Blogger wie z.B. die Bloggrebellen (die auch außerhalb der SC eine große Reichweite haben) werden es hoffentlich schaffen, den Untergang zu beschleunigen, …

    @alle Konsumenten, … wenn Ihr Eure Faves auf SC vermißt, schreibt die DJ’s einfach mal per pm an, … ich kenne nicht viele (wahrscheinlich gibt es so gut wie keine) die Euch nicht kurz antworten und Euch die Verlinkung schicken, wo man denn nun unterwegs ist und Ihr Eure Mucce wiederfindet, im Gegenteil werden sie sich eher darüber freuen, denn wie der Treadersteller richtig sagte, wird es wohl keinen DJ geben, den es nicht freut, daß seine Mucce auch gern gehört wird, auch wenn das nicht die einzige Intention ist, …

    Ein weiterer ganz zentraler Punkt, wann die NEWT SC richtig schlecht wurde, und zwar für alle, auch für die Hörer, war genau das, daß die Likes derer, denen man followed nicht mehr angezeigt wurden, … meine Suche nach neuer Musik mußte ich dann auch neu ausrichten, weil ich über SC nichts mehr mitbekommen habe, … der Reshare ist eine ganz andere Sache, die wenige anwenden, die selber ihren “stuff” clouden, weil kaum unterschieden wird, ist das nun von mir, oder gereshared, … worauf ich aber hinaus will ist, daß seit diese Faves meiner Follows verschwunden waren, ich defacto nur noch gestreamt bekam, was SC wollte daß ich gestreamt bekomme, … und da spätestens sind wir nicht beim Radio von morgen, sondern beim Radio von vorgestern, …

    Nun habe ich eh schon viel mehr geschrieben als ich vor hatte, … @ALL BLOGGERS ARROUND THE WORLD “tut des den Blogg Rebellen gleich, dito ihr DJ’s & Producer,

    auf zu neuen Ufern &… all the best, … Adam’s Ale

  2. Ich finde Soundcloud ist immer noch gut, es kommt halt auf die Promotion an. Wenn man ein Pyramiden System benutzt, funktioniert es perfekt. Vor einigen Monaten habe ich eine Webseite gefunden die genau dieses System anbietet und es funktioniert wirklich. Versucht mal : http://www.cloudcomment.net/

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