Hey Native Instruments: Wird Traktor Pro 3 eine iTunes-Integration bekommen, die den Namen auch verdient?

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Traktor Pro 2 hat langsam ein paar Jährchen auf dem Buckel. Die Versionsnummer 3 wird sehnlichst erwartet. Ich hätte sie eigentlich zusammen mit dem Launch der Kontrol S8 erwartet, aber leider müssen wir uns noch gedulden.

Sorgenkind Filemanagement

Bei den umtriebigen Kollegen von DigitalDJTipps hat Phil die 10 Features, über die er sich bei Traktor Pro 3 freuen würde, zusammengeschrieben. Er wünscht sich die unter Anderem die Rückkehr des Metadatensyncs mit Traktor DJ, flexible Grids, bessere Ausnutzung des Platzes auf dem Bildschirm und ein besseres Filemanagement. Kurz gesagt, ich unterschreibe alles, aber ganz besonders den Teil mit dem Filemanagement. Wir haben 2014 und der Browser des Marktführers in Sachen DJ-Software kann immer noch keine intelligenten Playlisten, wie sie iTunes (aber auch jede andere datenbankgestützte Musikverwaltung) seit vielen vielen Jahren beherrscht.

iTunes ist als Browser haushoch überlegen

Meiner Meinung nach bräuchte Traktor allerdings gar kein eigenes Filemanagemant. Nach dem Motto “Ein jeder mache was er am besten kann. Für alles Andere gibt es LinksSchnittstellen” wären die meisten DJs besser damit bedient, wenn Traktor einfach das wesentlich mächtigere iTunes als Browser integrieren würde.
“Aber Native Instruments hat doch eine Traktor-Integration” höre ich euch schon sagen. Nur: das ist nicht richtig. Traktor verfügt über etwas, das bei Native Instruments “iTunes-Integration” genannt wird, aber keine ist.
Klingt hart, kann ich aber begründen.

Das seltsame Verhalten des Traktor-Browsers

Um Musik in Traktor sinnvoll nutzen zu können, muss sie zur softwareeigenen Bibliothek hinzugefügt werden. Erst dann werden die Tracks von der Software analysiert. Egal ob ich in den folgenden Zeilen vom iTunes-Knoten spreche, oder von Traktorplaylisten, die Musik wurde vorher von mir zur Traktorbibliothek hinzugefügt.
Obwohl die Musikfiles an der identischen Stelle auf der Festplatte liegen, ist es ein Unterschied, ob man über die Traktor-Collection zur Musik navigiert, oder über den iTunes-Knoten.

So sehen meine neuesten Tunes aus, wenn ich sie in der Bibliothek von NI ansehe:

Traktorbibliothek - Für großes Bild klicken.
Traktorbibliothek – Für großes Bild klicken.

Und so, wenn ich mir die gleichen Tracks über den iTunes-Knoten in Traktor ansehe:

So sehen die selben Files über den iTunes-Knoten aus. - Klick für großes Bild
So sehen die selben Files über den iTunes-Knoten aus. – Klick für großes Bild

Wichtige Information fehlen via iTunes

Wie ihr seht, unterschlägt mir Traktor innerhalb des iTunes-Knotens einige wesentliche Informationen. Die Cover fehlen genauso wie die Play Counts, was noch zu verschmerzen wäre. Das Fehlen der Tonart ist allerdings ärgerlich.
Ihr seid noch bei mir? Wir sprechen nach wie vor von den identischen Files, die am selben Ort auf der Festplatte liegen. Wir benutzen nur innerhalb von Traktor verschiedene Gucklöcher auf die Musik.
De facto kann man also mit den iTunes-Plalyisten nur arbeiten, wenn man bereit ist, auf ein paar Features von Traktor
dafür zu verzichten. Ich habe mit ein paar NI-Mitarbeitern diesbezüglich gesprochen, eine schlüssige Erklärung für dieses ähem, interessante Verhalten des Browsers konnte mir niemand liefern.
Die Folge ist: Möchte man die volle Funktionalität von Traktor haben, muss man mit in Traktor erstellten Playlisten arbeiten. Das bedeutet aber, dass man alle benötigten Playlisten manuell nochmal erstellen muss. Und es bedeutet einen Verzicht auf intelligente Playlisten, was in meinen Augen ein No-Go ist.

Traktors “iTunes-Integration” ist ein Etikettenschwindel

Der zweite Grund, aus dem die “iTunes-Integration” von Traktor ein Etikettenschwindel ist: iTunes arbeitet playlistbasiert, Traktor ordnerstrukturbasiert. Ich erkläre das mal: in meinem Rechner befindet sich ein Haufen Mediendateien, die ich nicht in Traktor brauchen kann. Kinderhörspiele, DJ-Mixe, klassische Musik usw… Diese Files aus meinem DJ-Knoten in iTunes fernzuhalten, geht ganz simpel mit einer intelligenten Playliste, die alle non-DJ-Medien ausschließt. Wie diese Liste aussieht, habe ich in diesem ProjektiTunes-Post erklärt.
Traktor bietet die Möglichkeit, bestimmte Ordner auf der Festplatte zu überwachen und alle dort hinzugefügten Files auch automatisch in Traktor zu importieren. Das ist nett, aber -mit Verlaub- steinzeitliche Denke. Sie geht davon aus, dass ich meine Musik manuell in Ordnern sortiere und dabei den DJ-tauglichen Kram vom Rest schön getrennt halte. Verzeihung, aber für solche Zwecke gibt es Datenbanken. Die Sortierung meiner Sammlung wird per Datenbankabfrage (nichts anderes sind intelligente Playlisten) erledigt. Sonst müsste ich mich ja auf EIN Kriterium festlegen, dass dann über die Ordnerstruktur abgebildet mein Sortierkriterium wird. Windows XP hat angerufen, es möchte seine Workflows zurück haben.
Dabei könnte es so einfach sein: Wenn Traktor auch eine iTunes-Playliste als Quelle akkzeptieren würde. Aber das wäre ja dann eine echte iTunes-Integration…

Der Browser ist wichtiger als fancy Produktvideos

Um nochmal auf den Anfang zurückzukommen: Sollte seitens NI eine echte Integration von iTunes kommen, wäre mir das hundertmal lieber als ein neu programmiertes Filemanagement für Traktor. Anders würde ich das sehen, wenn das neue Filemanagement so ausgefeilt wäre, dass es besser, als das von iTunes (Mediamonkey, Winamp, Windows Media Player, Foobar 2000, Amarok, you name it) wäre. Ich habe aber wenig Hoffnung. Das ist mehr als nur schade. Das Handling der Daten ist ein zentrales Feature für jede digitale Anwendung. Dem Kontrollverlust, den viele Menschen beim Umstieg auf digitale Medien spüren, entgegenzuwirken, ist in meinen Augen eine Kernaufgabe der Entwickler. Wesentlich wichtiger als das zig schrillionste Feature oder das nächste fancy Produktvideo auf dem sich die Ibiza-Prominenz selbst feiert.

Abschließend wäre vielleicht noch festzuhalten, dass Serato-User diese Probleme nicht haben. Sie greifen einfach ganz selbstverständlich über Serato auf die iTunes-Listen zu.

Alternative: Trainspotter

Es gibt übrigens auch eine Third-Party-Lösung, die es ermöglicht, beliebige iTunes-Playlisten in die Traktor-Library zu shreiben. Sie heißt Trainspotter 3 und funktioniert auch ganz gut. Aber es ist umständlich. Außerdem fühle ich mich nur so mittelwohl, wenn Software von Dritten in der Library herumschreibt. Und verdammt nochmal, es ist der Job von Native Instruments, das Filemanagement in die Jetztzeit zu überführen!


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7 KOMMENTARE

  1. Ganz klar, ich stimme dem zu, wäre mehr als wünschenswert, das NI hier nachlegt.

    Andersrum, auch wenn es nicht als Schlüsselfunktion durch geht, wäre es cool, wenn iTunes mit dem Keys umgehen (auslesen und anzeigen) könnte und auch BPMs analysieren könnte.
    (Das würde aber natürlich nicht alle oben beschriebenen Anforderungen/Wünschen erfüllen, wäre aber trotzdem ziemlich cool!)

  2. Aber, was Sascha sagt, ist das nicht genau das Problem? Nämlich: dass bei den über ITunes “integrierten” Files dann nur die Tags / Datenfelder auslesbar sind, die iTunes kennt (selbst wenn andere Zusatzinformationen im File hinterlegt sind, werden diese ohne “iTunes-Filter” eingelesen, sind sie für die Playlist lesbar.), beim Einlesen über iTunes müssten diese Infos dann *zusätzlich* noch abgeholt werden, stelle ich mir kompliziert vor (andererseits: was weiß ich schon, bin kein Software-Developer)

    • sorry, obiges wohl etwas unverständlich, da Wort vergessen…. die längere Klammer sollte heißen “(selbst wenn andere Zusatzinformationen im File hinterlegt sind, werden diese ohne “iTunes-Filter” NICHT eingelesen, sind sie für die Playlist NICHT lesbar)

  3. Itunes Browser integriert statt neuem Filebrowser ist ganz klar NICHT gewünscht. Das wäre ein Spartenwunsch der im Endeffekt dann nur für die Itunes User interessant ist und sich für alle anderen gar nichts ändert. Und wenn ich mich so bei meinen Kollegen umschaue nutzen weniger als 50% Itunes.

    Das kann so oder so nur ein nettes Add on sein.

    Abgesehen davon das mir Itunes auch optisch überhaupt nichtzusagt.

    … generell vieles nicht mit einem “I” im Namen 😛

    • Zustimung und Widerspruch :
      Ich persönlich wünsche mir aber auch eher eine Lösung die losgelöst ist von iTunes, da jede Integration von Schnittstellen ein System unstabil machen kann oder Fehleranfällig oder ungewollte Abhängigkeiten von externen schafft.

      Deshalb würde ich mir auch wünschen, dass Native Instruments sich da mehr bei anderen abschaut. Lösungsansätze gibt es genug die gut sund und Programmieraufwand dürfte wohl nicht so gross sein zumal ja bereits mit einer Library gearbeitet wird.

      Übrigens : Im Blog steht ja, dass er sicht wünscht, dass WENN Native Instruments es nicht hinbekommt ein ebenbürdiges Filemanagement (wass der falsche Name ist*) zu programmeiren, sie wenigstens die iTunes-Integration so umsetzt, dass sie die Ansprüche erfüllt. So kombiniert stimme ich dem wieder zu.

      *Das richtige Wort währe wohl eher : Mediendatenbank.

      Ich vermute aber NI 3 wird erst veröffentlicht wenn man auch Controller S10 entwickelt hat, den man dann natürlich passend dazu wieder neu kaufen darf um die Features nutzen zu dürfen 🙂

      Ich selber nutze JRiver Media Center als Mediendatendank und nicht iTunes. Da kann ich frei Felder so nutzen wie ich es möchte und kann auch zum beispiel mit “mehrstufige” Genre-Gruppierungen arbeiten und mir meinen eigenen Baum kreieren. Und man kann auch selbser intelligente Playlists machen. Finde ich nahezu eine perfekte Lösung, ist leider halt nicht innerhalb von Traktor.

  4. schon gut wie es ist… warum sollten sie auch für einen fremde software mehr oder den gleichen komfort bereitstellen wie für den eigenen filebrowser, zumal es ja total schwer und umständlich ist audiodatein in traktor zu laden bzw. playlists… gibt zu hauf programme die das lichtjahre besser können als iTunes… generell gibt es IMMER bessere sachen von irgendwem wo es nicht mit nem angefressenen apfel zusammenhängt…

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