Die DMC Sieger-Routine von Mr. Switch und noch ein paar Gedanken zu #realdj

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Hier ist sie, die Routine, mit der Mr. Switch vor einem Monat die diesjährige DMC WORLD DJ CHAMPIONSHIP gewann. Übrigens zum dritten Mal. Und was das für ein Brett von einer Routine ist! Insbesondere die Dekonstruktion von Rund DMCs “Walk This Way” und “King Of Rock” machen mir echte Gänsehaut. Aber schaut es euch selbst an. Der Hammer!

Na, ebenso begeistert wie ich? Gut, denn haben wir jetzt hoffentlich das passende Mindset für den folgenden Text, der mir sehr am Herzen liegt.
Mir wird es helfen, mich -im Gegensatz zu meinen letzten Äußerungen- besser und klarer auszudrücken und euch, mich nicht misszuverstehen.
Ich habe da nämlich letzte Woche einen unterzuckerten Rant über DJ Craze und seine Attitüde geschrieben und dafür einige verbale Kopfnüsse in den Kommentaren zurückbekommen. Und mit was? Mit Recht, also danke dafür. Ich hab mich ziemlich blöd ausgedrückt und probiere es jetzt einfach noch ein Mal.

Turntabelism = Performance

Wir sind uns ja wahrscheinlich einig, dass sowohl Crazes Routine als auch die von Mr Switch ziemlich großartige Kunst sind, für die man das Handwerk des Cutten, Scratchen, Beatjuggeln und natürlich die Beherrschung von Traktor/Serato/you name it perfekt drauf haben muss. Das ist extrem geiler Scheiss, den ich mir stundenlang ansehen könnte.
Habt ihr es gemerkt? Ich habe “ansehen” geschrieben. Nicht “anhören” und auch nicht “dazu tanzen” und das ist der Punkt, den ich schon im letzten Post gemeint hatte. Ich möchte darauf nicht tanzen und ich könnte es auch nicht. Ihr könnt ja mal testen ob es euch damit genauso geht wie mir. Das ändert nichts daran, dass es große Kunst ist. Beethovens neunte Symphonie ist das auch, dennoch hat sie meiner subjektiven Ansicht nach auf dem Dancefloor nix verloren. Also: als Video –> Geil! Als Performance oder Konzert –> Fetter Shice! Zwei Stunden lang auf dem Floor: Och nö Du, lass ma!

DJing = Kommunikation

Mich ärgert es ein wenig, wenn als Beispiel für “Real-DJing” eine Kunstform herangezogen wird, die nur eine Facette abbildet und die mit DJing wie ich es verstehe, bis auf das verwendete Equipment, wenig gemeinsam hat. Sowohl das Bild, dass die EDM-Stars vom Djing zeichnen, als auch das der Turntablelisten verzerrt den Blick auf das, was die meisten DJs tun, nämlich Musik auszuwählen, die die Gruppe Menschen, die jetzt im Moment auf dem Floor ist, zum Tanzen bringen soll. Ich sehe das Auflegen als Kommunikationsform, denn die Reaktion des Publikums beeinflusst normalerweise sehr stark, in welche Richtung sich das DJ-Set entwickelt. Das sehe ich weder bei den (zum Teil nicht ein Mal gemixten) Sets der EDM-Stars auf Festivals, noch bei Routines von Turntabelisten.

EDM-Stars = Weder Performance noch Kommunikation

Selbstverständlich sind für mich diejenigen mit Skills an den Wheels of Steel im Gegensatz zu den Tortenwerfern und PLAY-Drückern ganz derbe reale Künstler, keine Frage. (Es kann übrigens auch seht gut sein, dass die PLAY-Drücker große Kunst hervorbringen, aber halt im Studio und nicht während ihrer Sets.) Es ist nur so, dass es mir persönlich so vorkommt, als käme da schnell eine Abwertung all jener mit ins Spiel, deren Kunst nicht im Turntabelism liegt, sondern deren Ziel es eher ist, die Crowd zu lesen und auf eine Reise mitzunehmen. Ich mag es einfach nicht, dass DJs viel Aufmerksamkeit bekommen, weil ich das als hinderlich empfinde, wenn es darum geht so etwas wie Flow oder Trance zu erzeugen. Damit meine ich jetzt nicht die Turntabelisten. Die legen auch nicht auf, sie performen und dafür sollte man sie feiern! Der handwerkliche Aspekt eines DJ-Sets ist mir durchaus wichtig, wichtiger aber sind mir Dinge, die man vielleicht “Kopfwerk” oder “Sensibilität” nennen könnte.

Wellness > Realness

Das macht Scratchen und Cutten nicht weniger real, aber es nicht zu tun, macht einen nicht zum Faker.
Überhaupt scheint mir “Realness” keine gute Kategorie zu sein, Eventuell ist Wellness einfach das erstrebenswertere Ziel…Es geht hier doch immer noch um Musik und damit um Liebe, oder?

Fazit:

Turntabelism ist super, aber sicher nicht die einzige Möglichkeit, ein “Real-DJ” zu sein. Oder um es mit DJ MQ zu sagen: “DJing war nie so vielfältig wie heute. Kann man doch auch einfach gut finden”.

Dass die goldenen 1210er der Preis für das Gewinnen der DMC-Championships sind, war mir durchaus bekannt. Ich mag zuviel Bling Bling dennoch nicht. Ist mir nicht real genug… 🙂
Ich muss aber zugeben, dass ich mit mit DJ Craze nicht lange genug beschäftigt habe, um zu erkennen, wie viel Humor in dieser Performance steckt. Also sorry, wenn ich da etwas trampelig und schlecht gelaunt einen von den Guten gedisst habe.
Ich bin raus, Scratchen üben…

(via DJWorx, die angekündigt haben, in Zukunft mehr solche Videos zu produzieren. Ich freu mich schon drauf.)


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