Pioneer XDJ-1000 – der erste CDJ ohne CD-Laufwerke

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Pioneer stellt mit dem XDJ-1000 seinen ersten Medienplayer/Controller der CDJ-Klasse vor, der auf das eingebaute CD-Laufwerk verzichtet und nur noch per USB-Stick oder mit Rechner bzw Tablet/Smartphone und Recordbox mit Musik versorgt wird.

Das Weglassen der Laufwerke ist eine Marketingmassnahme

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Die CD-Laufwerke in den CDJs von Pioneer sind in vielen Clubs wahrscheinlich die ungenutztesten Komponenten überhaupt. (Die Plattenspieler dienen ja immerhin noch gerne als Laptopständer.)
Und so ist es einerseits mehr als folgerichtig, sie einfach wegzulassen. Alleine der Aufschlag, den das in den einschlägigen Medien verursacht hat, dürfte für Pioneer schon einiges an Wert haben.
Andererseits verstehe ich den Bohei jetzt nicht so wirklich. Ob jetzt ein Pfennigartikel wie ein internes CD-Laufwerk verbaut ist, oder nicht, dürfte für die Kosten des CDJ eigentlich kaum einen Unterschied machen und sollte entsprechend wenig Einfluss auf die Gestaltung des Endpreises haben. In einer besseren Welt wäre das zumindest so. In den CDJs des Marktführers ist sowieso im Wesentlichen Luft verbaut, damit sie für die Haptik schön chunky sind. Jetzt kommt halt noch ein wenig mehr leerer Raum innerhalb des Gehäuses dazu. Die neuen Geräte sind genauso groß wie das Flaggschiff von Pioneer, der CDJ-2000 Nexus.

Konnektivität

Umso größer allerdings der psychologische Wert dieser Massnahme, denn das Weglassen der Schlitze für die CDs macht eine deutliche Ansage Richtung Zukunft.
Die Musik landet entweder via USB auf dem Player oder über einen per LAN angeschlossenen Rechner mit darauf laufender Recordbox-Software. Für mich ist es ein Riesenpluspunkt des Pioneer-Ökosystems, dass die Verbindung über LAN anstatt USB erstellt werden kann. USB-Anschlüsse haben eigentlich im profesionellen Umfeld nichts verloren, weil sie notorisch schlecht verbinden und sehr wackelig sind. LAN-Verbindungen rasten bombenfest ein und lassen sich kaskadieren. Dazu kommt, dass Pioneer anscheinend auch einen Router im System akkzeptiert, was bedeutet, die Musik kann auch vom Telefon oder Rechner via W-LAN gestreamt werden. Soweit ich das sehe, verzichtet Pioneer bei dem neuen Gerät auf die Slots für SD-Karten, wahrscheinlich wurden sie trotz aller Überlegenheit gegenüber USB, kaum genutzt.

Die Player kommunizieren via HID auch mit Serato, von Traktor war (noch) nicht die Rede. Bin gespannt, ob da noch etwas kommt. Wünschenswert wäre es natürlich.

Flexible Touch-Displays

Aber das Weglassen des Laufwerks kann ja nicht alles sein, was finden sich für neue Features an dem Gerät?
Mit der Vorstellung der Kontrol S8 sind bei NI auch Displays in die Controllerwelt eingezogen, Pioneer legt eine wichtige Schippe oben drauf, denn die 7 Zoll großen Displays des XDJ-1000 sind berührungsempfindlich und dienen nicht mehr nur der puren Information, sondern sind sehr flexible Bedienungselemente. Das ist ein ziemlicher Knaller!
Loops, SYNC, CUE-Punkte, Slip-Mode, sowie Beat-Jump bzw Loop-Move werden über den Touchscreen gesteuert.
Mit Beat-Jump und Loop-Move hält ein feature bei Pioneer Einzug, das bisher der Traktorwelt vorbehalten waren. Für mich eines der essentiellsten überhaupt. Ebenso essentiell sind für mich CUE-Punkte und ich bin sehr skeptisch, dass diese Funktionalität auf den Touchdisplays abgebildet wird. In der Controllerwelt geht man dafür immer mehr in Richtung großer Pads à la MPC und das scheint mir auch der bessere Weg zu sein. CUE-Punkte sollte man blind bedienen können.

Pioneer_XDJ-1000_display_nieuws

Ein echtes Killerfeature der Touchdisplays ist aber die neue Suchfunktion, denn es lässt sich eine Tastatur einblenden, womit der vom Rechner gewohnte Komfort bei der Suche jetzt auch direkt auf den Controllern erlebbar ist. Sehr sehr gut!

XDJ-1000-Browser

Fazit

Der Pioneer XDJ-1000 soll knapp 1000,- Euro kosten und ist damit ein bisschen billiger als ein CDJ-900 Nexus. Ich persönlich finde die Dinger nach wie vor zu teuer, wenn man bedenkt, dass ein Setup aus 2 davon und einem DJM-900SRT über 2500,- kostet. Dafür bekommt man immerhin zwei Kontrol S8, die unter dem Strich wesentlich mehr Möglichkeiten eröffnet. Andererseits ist es ein riesiger Vorteil des Pioneer-Ökosystems, dass man keinen Rechner im Club benötigt. Über Setups mit mehr als zwei Decks will ich gar nicht anfangen. Das aktuellen Standardsetup für den DJ-Geldadel mit 4 CDJs halte ich sowieso in den allermeisten Fällen für pure Show. Würde ich öfter Arbeitsplätze mit drei Laufwerken sehen, könnte ich eher glauben, dass sie auch ausgenutzt werden und es nicht nur um eine Materialschlacht zum Zwecke des Posens geht.

Der XDJ-1000 ist wegen der Touchdisplays ein guter Schritt in die Zukunft und dürfte nicht der letzte große Pioneer-Controller sein, der auf die CD-Laufwerke verzichtet. Das Weglassen selbst ist eigentlich unwichtig und dient meiner Meinung nach eher dem Marketing. Für Native Instruments bedeutet der XDJ-1000, dass die Kontrol S8 wegen der Displays ohne Touch-Funktionalität kurz nach ihrer Veröffentlichung schon wieder ein wenig altbacken wird. Ein ziemlich schlauer Move von Pioneer.


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