EDIT: Iranische Rockband Langtunes macht Nägel mit Köpfen

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Über zwei Jahre ist es nun her, als ich mit den Jungs über Ihre Pläne gesprochen hatte. Im Sommer 2012 kamen sie zum ersten Mal nach Deutschland und tourten durch die Republik. Der Frontmann Behrooz hatte Monate im Voraus diese aus Teheran organisiert, indem er alle erdenklichen Festivals anschrieb. Seit dem sind sie jedes Jahr nach Deutschland gekommen und haben ihre Konzerte sogar über die Landesgrenzen hinweg gegeben. Holland und Tschechoslowakei standen auf ihrem Tourplan. Sie trafen viele Menschen, die von ihrer Musik und Geschichte überzeugt waren und sind. Seit diesem Jahr sind die Jungs ganz nach Deutschland gezogen bei Parvenue Records (Nürnberg) unter Vertrag. Das ist echt eine steile Kariere und es freut mich so sehr für die Jungs, da ich sie auch persönlich seit 2012 begleite.

(EDIT: Laut dem Management sind die Langtunes nicht ganz nach Deutschland gezogen. Im Moment sind die mit einem Visum hier, dass im Januar ausläuft. Alles weitere bleibt noch offen)

Wer die Jungs hören möchte, kann dies an diesem Wochenende im Rosis tun. Infos stehen weiter unten.

Hier das Interview, welches 2012 für den Artist Talk von Minga Berlin geführt wurde:

Sie müssen gehört werden!

Sie sind Softwareentwickler, Veterinärmediziner, Soldaten und Musiker. Für letzteres schlägt ihr Herz und sie träumen einen Traum in einem Land der Unmöglichkeiten. Wie es für Musiker im Iran aussieht hat mir Behrooz, Frontman der Band Langtunes, bei einem netten Gespräch in einem Hostel in Berlin Mitte erzählt.

N: Behrooz alle sprechen vom iranischen Underground. Kannst du mir erklären, ob es einen Unterschied zum europäischen oder westlichen Underground gibt?

B: Das Verständnis vom Untergrund im Iran unterscheidet sich im Wesentlichen darin, dass dieser nicht außerhalb eines kommerziellen Mainstreams existiert. Man könnte sagen, dass der Mainstream dort ein staatliches System ist, der eine Richtung für die Kulturproduktion – wie z.B. die Musik und das Kino – vorgibt. Wer sich außerhalb dieser Linie bewegt arbeitet im Underground. Naturgemäß befindet man sich dann auch im Bereich des Illegalen.

N: Welchen Einfluss haben diese Bedingungen für euch als Band?

B: In diesem Punkt haben wir einige Schwierigkeiten, denn viele Gruppen, die aus dem Ausland interviewt werden, betonen oft die schlimmen Bedingungen im Iran unter denen sie arbeiten müssen. Da wir ein Dritte Welt Land sind und uns an viele Mitteln festkrallen müssen, um auf dem westlichen Niveau mithalten zu können. Aber wir versuchen diese Argumentation zu vermeiden. Wir versuchen unsere Musik sprechen zu lassen und nicht die Umstände.

iranische Rockband LAngtunes

N: Gab es schon mal eine Situation in der ihr mit dem Gesetz konfrontiert wurdet?

B: Ja, das kam schon vor. Aber wenn man hier in Berlin z.B. viele kleine Delikte begeht, wird man auch nicht gleich verhaftet aber wenn man mal bei einer größeren Sache erwischt wird, dann kommt es schon eher dazu. Genauso kann man für den Iran sprechen; nicht alles führt gleich zum Arrest.?Vor einigen Jahren gab es eine Party auf der 300-400 Leute waren und auch einige Bands gespielt haben. Ich hatte keine direkte Verbindung zum Veranstalter, wurde aber auch eingeladen. Es war sehr laut und die Veranstaltung wurde dann auch gestürmt und alle wurden mitgenommen. Einige bleiben eine Nacht und andere mussten einen Monat im Gefängnis bleiben.

N: Wie organisiert ihr euch als Band? Sei es euch zu treffen um zu proben oder eure Instrumente zu besorgen.

B: In den neun Jahren in denen ich Musik mache gab es für mich keinerlei Schwierigkeiten. Wann immer wir Zeit haben proben wir. Wenn wir Instrumente benötigen, kaufen wir diese in der Jomhuriy Straße. Es gibt Möglichkeiten Studio- und Filmaufnahmen zu machen. Aus dem Iran werden Interviews mit Sendern aus dem Ausland geführt.?Aus dieser Sicht gibt es keine Problem und vielleicht auch keinen Unterschied zu hier. ?Der einzige Punkt ist, dass es keine Möglichkeit gib daraus einen Beruf zu machen. Eine Berufsgruppe aus unserer Musikrichtung existiert einfach nicht.

N: Gibt es im Iran für euch eine Möglichkeit ein öffentliches Konzert zu spielen?

B: Einige Institute an den Universitäten haben seit neustem die Möglichkeit eine Genehmigung für Forschungsprojekte im musikalischen Bereich zu bekommen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes werden dann auch öffentliche Konzerte veranstaltet und Karten verkauft. Der Erlös tilgt dann die Kosten die ein solches Projekt verursacht.?Wir sind auch schon in solch einem Rahmen aufgetreten.

N: Wie könnte eine Unterstützung von außerhalb des Landes aussehen?

B: Ich denke die beste Unterstützung für iranische Bands derzeit ist, ihnen eine Möglichkeit zu geben auftreten zu können. Seien es Clubs oder Festivals. Auch das Organisatorische, wie einen Visa zu bekommen, dabei könnte man ihnen auch helfen.
Jetzt wo sie damit kein Geld verdienen können, wollen sie einfach nur gehört werden. Wir haben sehr viele sehr gute Musiker im Iran, die in den Kellern arbeiten. Die können locker mit vielen Bands hier mithalten. Sie müssen gehört werden! Sei es ,dass sie hier her kommen oder von dort direkt ihren Sound verbreiten. Das ist denke ich die Beste Unterstützung.

 

Hier noch weitere Infos zur Show:
Facebook-Veranstaltung
Samstag. 13.12.2014 – Rosis Berlin, Berlin
präsentiert von: KARRERA KLUB
+ Aftershowparty
Einlass: 23h


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