Warum ich den Ausdruck „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht mehr hören kann

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Ja klar, „politisch Verfolgte“ nehmen wir natürlich gerne auf, denn die haben es verdient. Die faulen Schmarotzer hingegen, die es nur auf unseren Reichtum abgesehen haben, die wollen wir nicht. Diese Einstellung ärgert mich über alle Maßen, weil sie meines Erachtens einen wichtigen Punkt komplett außer acht lässt.
Vielleicht hilft es, das mal ganz konsequent zu Ende zu denken:
Politisch Verfolgung kann auch etwas sein, das man eventuell beenden kann, indem man einfach die Klappe hält.
„Wirtschaftsflüchtling“ kann auch heißen, dass man schlicht verhungert, wenn man nicht an einen Ort geht, wo es wirtschaftlich besser läuft.

Es wäre schön, wenn diejenigen, die laut „Wirtschaftsflüchtlinge konsequent abschieben“ krakeelen, mal ein paar Minuten über diesen Umstand nachdenken könnten. Danke.

Meine Eltern sind übrigens vor 43 Jahren aus italienischen Alpentälern nach München ausgewandert. Auch eine Form von Flucht aus der Heimat aus wirtschaftlichen Gründen…

Bild: cliff1066, CC-BY 2.0)

1 Kommentar

  1. Irgendwie ist doch jeder Mensch, der seine Heimat verlässt, um an einem anderen Ort ein besseres Leben zu führen, ein „Wirtschaftsflüchtling“ (ausser man folgt seiner Liebe oder lehnt Außentemperaturen unter 20 Grad ab ????). Nur sobald dieser Mensch aus Afrika kommt oder einer anderen „verarmten“ Region der Welt, ist dies negativ konnotiert. Wenn Deutsche in die Schweiz „fliehen“, um mehr zu verdienen, nennt man das lediglich innereuropäische Migration.
    Vor ’89 waren die Ausreisenden aus der DDR nicht nur auf der Flucht vor einem System, sondern sehnten sich ebenfalls nach der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation.
    Die Beschreibung von gleichen Beweggründen unter Verwendung von unterschiedlichen Begriffen…

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