Dass bei PEGIDA nicht unbedingt die knusprigsten Chips in der Packung mitmachen, ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Wer es schafft, sich selbst als „patriotischen Europäer“ zu sehen, kann selbst von elementarster Logik eigentlich nur überfordert sein.
Falls euch dafür noch der Beweis fehlt: Es gibt ganz frisch die sogenannte „Dresdner Charta“ (PDF), ein Papier, das die PEGIDEN an die „entsprechenden Verbände und Vereine schicken will, indem sich „alle Muslime, muslimischen Vereine, Organisationen und Moscheen etc. in Deutschland“ zu allen möglichen Dingen verpflichten sollen. Beispielsweise zur Anerkennung des Frauenwahlrechts und der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Geradezu lustig finde ich, dass die Unterzeichner erklären sollen nicht auf die Errichtung eines klerikalen Gottesstaates hinzuarbeiten. Dieser Punkt erinnert mich ein wenig an die Einreise in die USA, wo man gefragt wird, ob man zu terroristischen Zwecken einreist.
Ausserdem verpflichten sich die Unterzeichner auch „Boko Haram, IS, Al
Kaida und ähnlich geartete, radikalislamistische Terrororganisationen von ihnen als KRIMINELLE, TERRORISTISCHE VEREINIGUNGEN“ einzustufen, welche dem Islam schaden und nicht die Werte des Islam/Koran vertreten.
Spätestens an dieser Stelle kippt die „Charta“ ins Widerliche. Wäre ich Muslim, würde ich das rasend gerne unterzeichnen, aber erst, nachdem alle Christen im Lande sich von Anders Breivik distanziert haben.
Das ganze Machwerk ist eine einzige selbstüberschätzende Grenzüberschreitung, ein Schlag ins Gesicht und eine Beleidigung. Was fällt diesen unverschämten Nixblickern ein, von unseren muslimischen Mitbürgern zu verlangen, sich von von Verbrechern zu distanzieren, mit denen sie NICHTS zu tun haben?
Ähnlich eklig geht es weiter, ihr könnt es ja selbst lesen.
Einen Punkt würde ich aber gerne herausgreifen. Der letzte Absatz des Pamphlets lautet:
„Alle unterzeichnenden muslimischen Verbände, Moscheen und Einrichtungen erklären sich für
parteipolitisch neutral.“
Die „Charta“ ein Manifest der Dummheit seiner Verfasser, die keine Ahnung von gar nix zu haben scheinen. Ausser natürlich von kruden Vorurteilen, da kennen sie sich aus, keine Frage…
Wovon sie ganz sicher keinen blassen Dunst haben, ist die politische Landschaft in Deutschland. Hint: Verbände sind unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund, der BUND Naturschutz oder der BDI. Na? Wie parteipolitisch neutral sind die so?
Aber der letzte Punkt der „Dresdner Charta“ hat noch eine Komponente, die mich als Kind von in den 70ern nach Deutschland eingewanderten Eltern ganz besonders fuchst. Wenn ich lese, dass sich die Muslime gefälligst von politischer Teilnahme fernhalten sollen, erscheint vor meinem inneren Auge in riesengroßen Lettern das Wort „GASTARBEITER“ und da kriege ich leider das Kotzen, werte Leser. Oder um es mit den Fantastischen Vier zu sagen: „Du bist nur Gast, du fasst hier nichts an.“
Also ein für alle Mal, ihr Wichtigmacher, Cocksucker, Motherfucker, Hosenkacker: BUENOS DIAS MESSIAS!
Hier das ganze Machwerk:








guter Kommentar, zu diesem hirnverbrannten Schwachsinn!
Guter Artikel! Und aktuell ganz weit oben bei Google 🙂
Das mit der Parteipolitik brachte mich im Laufe des Tages darauf, dass die (sehr wahrscheinlich ohne Bewusstsein) so ne Art Kulturkampf versuchen, also Preußen (Bismarck) gegen Katholiken usw. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf)
Natürlich in einer komplett anderen Lage, aber überhaupt die Idee zu vertreten, dass jemand wegen der Religion kein Recht auf Parteien, Mitwirkung am Staat usw. haben soll, ist krass.
Und das mit der „Trennung von Staat und Religion“ ist natürlich eh verkehrt herum, also wenn P. denn meint, für den Staat sprechen zu können, dürften sie gerade nichts über Religionen bestimmen.
[…] im bayerischen Passau, verwies er wiederholt auf die durch PEGIDA veröffentlichte “Charta für den interreligiösen Frieden”, in der “islamische Verbände” dazu aufgefordert werden, sich mit der Unterzeichnung […]
Wirklich? „Cocksucker“ als Beleidigung?
Besser noch, man fordert: Alle Dresdner und darüber hinaus alle Ostdeutschen haben sich schriftlich vom Unrechtsstaat DDR zu distanzieren, wenn sie weiterhin Bürger der Bundesrepublik sein wollen. Zwar wird es dann heißen, nicht alles in der DDR war schlecht, die DDR war auch kein richtiger sozialistischer Staat und der Großteil der DDR Bürger hat diesen Staat nicht unterstützt, aber gerade Letzteres wollen wir bitte gern schriftlich bestätigt haben.
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