Holi Shit: Von Sinn und Unsinn des indischen Holi Fests

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DSC_2860Heute ist Tag 1 der alljährlichen Holi Festlichkeiten in Indien. Happy Holi übrigens! Seit einigen Jahren ist Holi hierzulande so ’n bisschen das neue Halloween. Der Promoplan jeder europäischen Holi Fest Veranstaltung enthält grundsätzlich Referenzen auf das echte, indische Fest: Indisch angehauchte Fonts, spirituelle Anspielungen und europäische Weißbrote die in Zeitlupe Selfies von sich selbst in Holi-Farben anfertigen. Nur zur Sicherheit: Genau auf diesen Holi-Trend bezieht sich das Titelwortspiel „Holi Shit“.

Holi in IndienFür Reiselustige stellt sich die Frage: Muss man sich das im Original reinziehen, wenn die Fake Holi Festivals in Deutschland schon so saudämlich sind. Punkt eins: Außer den Farben haben die Festivitäten in Indien und Erlangen/Kassel/Münster nur den Namen gemein. Punkt zwei: Die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit einer „bucket list“ mit Selfie-Potenzialen, die man vor seinem Tod ausgenutzt haben muss, ist eh eine sehr schwierige.

Holi in Indien feiern, ja oder nein?

Gründe für und gegen das „Mitnehmen“ des Holi Fests in Indien

2013-03-27-10.32.08Halt‘ deine „bucket list“ holifrei, weil: Bei Holi geht’s um Sauereien mit Farbpulver und farbigem Wasser. Was für den Säufer der Kater, ist für den Holi-Veteran nach dem Ereignis an sich das Abschrubben der Farbreste – natürlich mit extremem Wasserverbrauch. Und was Indien en masse in supergeiler Qualität hat, ist ja bekanntlich Wasser. Nicht. Das Abschrubben führt uns direkt zum nächsten Punkt:

Gib Holi keine Chance, weil: …du vielleicht hellhäutig und blond bist? Eventuell? Und selbst wenn du nicht der super duper helle Typ bist…du wirst leiden. Tage und Wochen nach dem Spaß wirst du farbige Fingernagelansätze haben, Farbreste in Ohren, in den Haaren und dort, wo keine Sonne hinscheint. Und ich will hier nicht rummeckern, aber nicht alle der Farben sind mega-Demeter-eco-friendly oder vom TÜV-Süd geprüft. Klar, manche Farben bestehen aus getrockneten Blumen und sonstigen Pflanzen. Andere Farben dürften wiederum in EU-Mitgliedsstaaten und Ländern, die irgendwann einen EU-Beitritt anstreben, niemals verkauft werden.

2013-03-27-11.46.29Wag‘ dich nicht an Holi ran…wenn du die Fresse nicht halten kannst…wortwörtlich. Komm‘ auch nicht mal auf die Idee, das Fest mit Alkohol oder sonstigen Rauschsubstanzen zu kombinieren. Holi ist wild. Farbwolken überall. Farbige Hände überall. Protect your neck. Eine der sehr häufig angewandten Strategien von Holi Profis ist das sich Heranschleichen an andere Menschen, um ihnen eine farbige Watschen auf den Nacken zu ballern. Diese Farbwatschen sind gefährlich…gerade wenn die dabei entstehende Farbwolke in deine Atemwege oder in deine Augen gelangt.

2013-03-27-10.53.58Du solltest Holi nicht alleine in Angriff nehmen. Auf keinen Fall. Nein, echt nicht. Holi hat an sich nichts mit Alkohol zu tun. Aber sogar in dem winzigen Dorf, in dem ich mich während Holi herumtrieb, schwankte die Stimmung doch häufiger von spielerisch zu ernst, von stubsen zu grabschen, von halten zu drücken. Wenn du Brüste dein eigen nennst, werden sie berührt werden. Zufällig oder absichtlich. Aber sie werden in Kontakt mit neugierigen Fingerchen kommen.

Das ist natürlich nicht so geil. Aber letztendlich: Oktoberfest, Spring Break, Burning man. Menschenmassen, Drogen, Ekstase. Die gelegentlichen „Ausrutscher“ scheinen ein allgemein-männlicher Makel zu sein und sind nicht auf indische Männer während Holi beschränkt.

Und pro Holi?

2013-03-27-14.18.35Du solltest dir Holi reinziehen, weil…das heißt, dass du nach Indien reisen musst. Und glaub‘ mir, Indien ist der faszinierendste Ort auf der ganzen Welt. Indien wird dir jeden einzelnen deiner Sinne penetrieren, und zwar von dem Moment an, in dem du deinen Flieger verlässt: Müllfeuer, Schweine, Tempel, Kühe, extreme Armut, Affen, unglaublicher Reichtum, Hunde, Freude, Yogis, Leid mehr Müllfeuer…überall, wirklich überall, schlafen Leute: Unter Fahrrädern, auf Bahnhofsvordächern, zwischen Gleisen.

Abgefahren. Words don’t come easy. Ich bin echt kein spiritueller Mensch, aber Indien hat mich von den speckig-verdreckten Socken gehauen. Noch heute sind die Spuren des Urlaubs nicht nur in den Textilien (auch abseits von Holi wird man sehr schnell sehr dreckig), sondern auch in meiner Erinnerung noch sehr präsent.

Und das ist im Grunde das Pro-Argument, das alle Contra-Argumente entkräftet. Aus meiner Sicht war Holi ein nettes Erlebnis. Nicht mehr und nicht weniger. Aber um Holi drumrum habe ich tausend kleine Episoden und Eindrücke erlebt (wortwörtlich erlebt), die mich mein Leben lang begleiten werden.

Lass‘ deine wasserdichte Weitwinkel Action Kamera zuhause und guck‘ einer heiligen Kuh dabei zu, wie sie mitten in der Stadt das weißeste und unbeschriebenste DINA4-Blatt Papier in ganz Indien genüsslich verspeist.

Via Procrasti Nation zu der Zeit, als ich dachte, ich sei vielleicht Travel Blogger.

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