Feminismus und Identität – Wie sich der neue Feminismus verkauft

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Vor einiger Zeit habe ich hier das Projekt Hipster Muslim vorgestellt. Shirin Mirachor, Initiatorin und kreativer Kopf dahinter, spielt mit ihren visuellen Essays mit der Wahrnehmung der Betrachter.  Zeitgeist, Religion, Stereotypisierung und Identität sind ihre großen Themen. Anfang der Woche erhielt ich eine Mail von ihr, in der sie mir Materialien zu ihrem neuen Projekt schickte.

Begeistert von ihrem Mut zum Statement und Professionalität, möchte ich hier ihre neue Arbeit vorstellen. Der Folgende Text basiert auf Shirins Worte und ist von mir aus dem englischen übersetzt und zusammengefasst worden:

Wie sehen die heutigen Archetypen aus? Welche Typen stechen hervor und wie zeichnen sie sich aus?

Eines der charakteristischen Bezeichnungen für unsere Zeit ist die, dass wir uns langsam in Richtung einer homogenen Gesellschaft hin entwickeln. „The Nice Generation“, wie die New York Times uns bezeichnen würde, stellt keine Fragen  und hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie kann sich super Verkaufen.

As we’re still in the middle of a shift towards a digital determined age, we are still struggling with defining authentic from fake, and therefore we always are on our guard.

Ein weiters signifikantes Merkmal gibt es da noch: Die Wiedergeburt von Feminismus. Von Emma Watson bis hin zu Beyoncé; sie alle stehen für die weibliche Unabhängigkeit.
Mode und Marketingstrategien nehmen sich der feministischen Ikonen an: Chanel machte mit einem feministischen Protest auf der pariser Fashion Week auf sich aufmerksam und Céline nahm Joan Didion als ihr role model unter Vertrag.

GET ME bemerkte diese starken, weiblichen Rollen, dass die Beobachtung und Darstellung der diesjährigen Archetypen im Zeichen der weiblichen Zeitgenossen stehen: Neudefinition der anarchischen 80er, Spiritualität, die islamische Identität und Weiblichkeit so facettenreich, wie sie eben ist.

 

1. Black 80’s empowerment

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Die 80er eroberten aus der Clubszene heraus das öffentliche Parkett. H&M bedruckt Stangenware mit alten Konzert-Aufdrucken, die ihre Kunden, altersbedingt, nicht haben besuchen können. Vintage-Läden verkaufen in Hülle und Fülle alte Motorradjacken und Dr. Martins. Diese Nachfrage könnte zeigen, dass die 80er mehr als nur oberflächliches Aussehen beinhaltet.
Mit dem kapitalistischen „wir“ auf der einen Seite, und dem kommunistischen „die“ auf der anderen Seite waren die 80er Jahre besonders geprägt von Wänden des Kalten Krieges.

Heute, kontrolliert durch Drohungen die vom Islamischen Staat ausgehen und die zunehmenden Spannungen mit Russland, steht Europa bei der Identitätsfindung mehr als je zuvor, vor einer Herausforderung.  Dabei kristallisiert sich immer mehr die nostalgische Rückbesinnung auf eine weniger komplizierte Zeit heraus. Eine Zeit des anarchischen Hedonismus‘, voll großer Unerschrockenheit – vielleicht aber auch nur eine gleichgültige Haltung gegenüber den großen Fragen unserer Zeit, die uns zu groß und unlösbar erscheinen.

2. Pitch Holy Indie

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Wir suchen nach Substanz in unserem Leben so wie der Alchemist die Formel für Gold. Religion kann die Antwort auf diese tiefe Suche sein, eine Antwort und/oder ein Accessoire:

Schmuck in Form von Kreuzen, der extreme Zulauf zu Farbenfesten. Nachahmerinnen von FKA Twigs sind die neuen Königinnen der Spiritualität.

3. Joyful feminist

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Als Teil der Generation Sell (kommt von selling) aufgewachsen inmitten einer werbeüberfluteten Gesellschaft, lernte sie, dass es effektiver ist etwas in einem freundlichen und positiven Ton zu verkaufen. So vertritt sie unsere Anliegen auf einer freundlichen Art und Weise. Bei der neuen Machtgewinnung der Frau geht es darum zu zeigen was Frau hat und Sex so einzusetzen, wie Männer es auch tun würden. Schwänze sind lustig und so sollten sie zu unserer weiblichen Sexualität gehören!

4. Pragmatic Radical

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Es scheint als haben Mainstream-Medien ihr festes Bild über eine ‚islamische Identität‘. Nun sieht die Realität etwas anders aus: Diese neue Generation von orientalischen Schönheiten, sieht ihre duale Identität mehr als eine Chance und nicht als Bedrohung. Sie warten nicht auf Akzeptanz innerhalb von nationalen Grenzen, denn die ganze Welt ist ihr Spielplatz.

Mit wenig Vertrauen in die Politik und Institutionen, bevorzugen sie es die Welt aus ihrer eigenen Sicht zu entdecken.  Sie ruhen in ihrer Mitte indem sie sich auf ihre orientalischen Wurzeln berufen und sich vom Koran inspirieren lassen.
Angetrieben von der kritischen Natur des Westens und geformt vom islamischen Opportunismus, sind diese neuen Radikalen bereit die Welt zu erobern.
Gestützt von einem muslimischen Netzwerk, geben und nehmen sie sich die Hilfe und Stärke mit der Absicht eine bessere Welt zu schaffen.

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