Pegida so: Das hat der Aristoteles gesagt. Ich so: Laber net.

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Wenn’s nicht so verdammt ekelerregend wäre, könnte ich mich ja köstlich amüsieren: Über die rhetorischen Ergüsse unserer rechten Mitbürger. Zum Schießen. Seit es nämlich dieses sogenannte “Internet” gibt, wird Blödheit sichtbar. Hier zum Beispiel, manifestierter Schwachsinn, braun auf weiß:

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Tobias hätte sich mal lieber ein bisschen Bildung und gesunden Menschenverstand im arsch gesogen, wie ich finde. Aber hey, man kann nicht alles haben.

Ganz so offensichtlich wie beim lieben Tobias ist die Kleingeistigkeit der besorgten Bürger allerdings nicht immer. Im Gegenteil, sie tarnt sich hinter schlauen Sprüchen, schreibt sich auf Plakate, verzichtet auf Autokorrekt, benutzt Kommata, Großschreibung, Partizipien und altehrwürdige Namen. Schau mal einer an:

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Okay, die ganz Spitzfindigen unter euch haben es wahrscheinlich schon bemerkt. Ein Komma ist noch lang, nicht gut wenn man’s zur falschen Stelle tut. Und ein Artikel fehlt auch. Aber Artikel werden echt überbewertet, das sagen selbst Asyl Leute. Jetzt können wir uns natürlich den ganzen Tag über mangelnde Rechtschreibung und bescheuerte Zeichensetzung mokieren, viel witziger wird der Inhalt des Spruchs leider nicht und die Bauchschmerzen, die ich von diesen nationalen Blähungen bekomme, wollen auch nicht recht schwinden.

“Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.” Schon irgendwie gruselig, was aus einer Phrase werden kann. Nicht nur ein Wandtattoo oder Arschgeweih, nee. Auch eine rechte Parole. Und wie kommt das? Aristoteles haut einfach mal was raus, macht dann die Biege und lässt seinen Spruch jahrtausendelang vor sich hin modern und mutieren. Prompt klauen dahergelaufene Dügidisten seinen philosophischen Denkansatz, schmücken sich mit intelligenten Federn und versäumen es auch noch, die aufgeschnappte Weisheit ordentlich zu schreiben. Geschweige denn zu interpretieren. Geschweige denn zu zitieren. Armer Aristoteles.

Aber Moment mal! Wo steht denn überhaupt, dass das Aristoteles gesagt hat? Im sogenannten “Internet”? Auf selbstgebastelten Spruchbildern? Auf Seiten mit Spruchsammlungen voller zappelnder Schmetterlinge? Es gibt doch tatsächlich Menschen, die behaupten, man hätte das Zitat dem alten Griechen frech in den Mund geschoben. Statt dessen sei es die eingedeutschte Version des Satzes “Tolerance is the last virtue of a depraved society” und stamme aus der Feder eines gewissen D. James Kennedy, seines Zeichens konservativer evangelikaler Prediger. Haha. Nix da Aristoteles. Ich habe jetzt ehrlich gesagt nur zwei Drittel von Aristoteles’ Werken in Originalfassung gelesen (ja Leute, für euch schlag ich mir die Nacht um die Ohren), den Spruch allerdings auch nicht gefunden. Deshalb glaub ich das einfach mal.

Als ich gerade sowieso in der Bibliothek war und mir die Politica reingezogen habe, ist mir noch was eingefallen. Ein besonderer Service für alle, die schon ihr Plakat für die nächste – wie auch immer geartete – Demo gebastelt haben, plötzlich aber nicht mehr sicher sind, ob das wirklich Gandhi, Konfuzius oder Marx gesagt hat.  Für alle, die in der nächsten Kommentar-Thread-Diskussion gegen die üblen Klugscheißer anstinken wollen. Und für alle, die noch ein neues Wandtattoo oder Arschgeweih brauchen: Eine Sammlung großer Zitate von großen Persönlichkeiten, die man ohne weiteres abschreiben kann. Garantiert Blogrebellen-proofed. Von wegen wir erfüllen nicht den Bildungsauftrag.

Das Verhängnis unserer Kultur ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig.
Heidi Klum, Ethnologin

In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Attila Hildmann, Theologe

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Walter Ulbricht, Bauingenieur

Wenn wir Schlittschuh über dünnes Eis laufen, liegt unser Heil in der Schnelligkeit.
Tilo Jung, Eisschnellläufer

Die größte Offenbarung ist die Stille.
Helene Fischer, Tinnitussi

Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, wir müssen uns nach ihr richten.
Axel Springer, Richter

Wir sind das Volk.
Peggy Dahr, Politikwissenschaftlerin

O Wunder! Was gibt’s für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist! Wackre neue Welt, die solche Bürger trägt.
Lutz Bachmann, Philanthrop

Erfahrungen vererben sich nicht, jeder muss sie allein machen.
Paris Hilton, Genetikerin

Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.
George W. Bush, Pazifist

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Sophia Thomalla, Expertin

Die Gleichgültigkeit ist die Lähmung der Seele, ein vorzeitiger Tod.
Andreas Bartl, RTL2-Chef

Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher.
Wladimir Putin, Anthropologe

Ich denke, also bin ich.
Dyson, Intelligenter Staubsauger

Von wegen Zeiten ändern sich, Zeiten ändern dich.
Aristoteles, Philosoph

Foto via See red!


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8 KOMMENTARE

  1. Über Rechtscreibung mockieren und dann Philanthrop falsch schreiben. Die Zitate würde mir nur ohne Job/Tätigkeit besser gefallen 🙂

  2. wenn es nicht so ekelerregend wäre könnte ich mich auch köstlich über linke dummdödel amüsieren
    aber halt das macht man nicht wir leben schließlich in einer demokratie

    wenn ihr damit ein problem habt solltet ihr lieber nicht am öffentlichen leben in unserem land partizipieren 😉

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